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Naturlandschaft Wanninchen
Eine Reise zu den Reisevögeln

Die Kraniche rasten auf den Flächen bei Wanninchen und Beesdau.
Die Kraniche rasten auf den Flächen bei Wanninchen und Beesdau. FOTO: Ralf Donat
Wanninchen. Es ist ein spätsommerlicher Tag, die Sonnenstrahlen wärmen noch, aber der Herbst liegt in der Luft. Fünf Gäste und Katina Schröter vom Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum sind mit dem Kleinbus in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen unterwegs. red/bt

Sie halten eifrig Ausschau nach den Zugvögeln, die sich in der Luckauer Region bereits zum Abflug in den Süden sammeln. Die Landschaft ist flach, Wiesen und Felder wechseln sich ab.

Da sind sie: Etwa 20 Kraniche stolzieren über eine grüne Wiese. Und gleich auf der anderen Straßenseite auf dem abgeernteten Maisacker entdecken wir weitere rund 40 Exemplare. Sie picken ausgefallene Maiskörner und schaffen sich in diesen Wochen einen ordentlichen Vorrat auf die Rippen, um für die Reise gestärkt zu sein. Neben den Ernteresten fressen sie auch Insekten, Larven und sogar Mäuse, denn das tierische Eiweiß gibt Kraft. Wenn im späten Oktober die ersten kalten Nordostwinde aufkommen, brechen sie Richtung Südwesten nach Spanien auf. "Dann machen sie sich im buchstäblichen Sinne vom Acker", sagt Katina Schröter. Ein paar Kilometer weiter erreicht der Bus den Kranichturm in Freesdorf. Von dem 15 Meter hohen Turm haben die Gäste einen weiten Blick auf den Borcheltsbusch, mitten drin liegt ein kleiner Flachwassersee. Nicht weit davon rastet wieder eine große Gruppe Kraniche, diesmal bestimmt mehr als 100 Vögel.

Jeder Teilnehmer bekommt leihweise ein Fernglas ausgehändigt und kann die eleganten Zugvögel in allen Details bewundern, ohne sie durch zu große Annäherung zu stören. Manche Kraniche haben sich zur Ruhe gelegt und nur ihre Köpfe mit der typischen rot-schwarz-weißen Zeichnung am Kopf ragen aus dem Gras.

Katina Schröter hat auch ein Spektiv dabei, das eine noch größere Reichweite und Schärfe als die Ferngläser hat. Beim Blick durch die Linse entdecken wir noch eine Schar Kiebitze am See, zwei Silberreiher im Flachwasser und schließlich sogar zwei Seeadler auf einem einzeln stehenden Baum. "Der Ausflug hat sich gelohnt", sagt sie.

Insgesamt rasten in der Luckauer Region zurzeit etwa 5000 Kraniche. Bis zum Abflug rechnet Ralf Donat, Projektleiter der Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, noch mit weiteren 2000 Kranichen. Sie kommen vor allem aus dem Nordosten Europas. Dazu gesellen sich Graugänse, Kiebitze und Stare und machen sich ebenfalls abflugbereit.

Die Tour zu den Futterplätzen hat Lust auf mehr gemacht. Einige Gäste bleiben noch zu Kaffee und Kuchen und zum abendlichen Einflug der "Vögel des Glücks" über dem Schlabendorfer See. Die langsam versinkende Sonne taucht die Dünen auf der gegenüberliegenden Seite in ein warmes Licht und mildert ihre Schroffheit. Es herrscht vollkommene Ruhe, bis die ersten Rufe zu hören sind - gru gru gru, die Kraniche kommen.

In den kommenden Wochen finden weitere Kranichsafaris statt. Anmeldung ist erforderlich, denn die Zahl der Plätze ist auf sieben beschränkt, informiert das Natur-Erlebniszentrum.

Zum Thema:
Bis Ende Oktober finden freitags vom Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum Kranichsafaris statt. Sie beginnen 14 Uhr. Sie dauern etwa zwei Stunden samt der abendlichen Kranichbeobachtung. Eine Anmeldung ist erforderlich, teilt das Naturzentrum mit. Kosten: 20 Euro. Außerdem gibt es Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag Kranichbeobachtungen. Sie beginnen jeweils 16.30 Uhr. Start ist im Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum Wanninchen, Kosten: zwei Euro.