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| 18:45 Uhr

80 Jahre Waldbühne Gehren
Eine Kulturstätte mit Geschichte

Lange Zuschauerränge, eine feste Bühne und daneben ein Kisok samt Saniertrakt – so sieht die Waldbühne heute aus. Bereits in der kommenden Woche steht dort mit Rock im Wald das näcshte Großevent an. Am 21. September ist Laternenfest im Märchenwald.
Lange Zuschauerränge, eine feste Bühne und daneben ein Kisok samt Saniertrakt – so sieht die Waldbühne heute aus. Bereits in der kommenden Woche steht dort mit Rock im Wald das näcshte Großevent an. Am 21. September ist Laternenfest im Märchenwald. FOTO: LR / Anja Brautschek
Gehren. Waldbühne Gehren besteht seit 80 Jahren. Im kommenden Jahr soll das mit einem Jubiläumsfest gefeiert werden. Von Anja Brautschek

Links und rechts türmen sich die steilen Hänge der Gehrener Berge auf. Meterhohe Kiefern kesseln das verborgene Tal ein. Umschlossen von unberührter Natur befindet sich die Waldbühne Gehren. In diesem Jahr besteht die Kulturstätte bereits seit 80 Jahren.

„Uns liegt die Waldbühne sehr am Herzen. Wir möchten sie unbedingt erhalten“, sagt Marlies Raunigk. Sie ist die Vorsitzende des Fördervereins „Heideblick Kultur im Wald“, der sich seit 2006 um die Waldbühne kümmert. Für die Mitglieder ist die Waldbühne ein idyllisches Fleckchen, dessen Gegensätze den besonderen Charme ausmachen. Es ist ein Ort, der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Vögel zwitschern, während die Baumkronen sanft im Winden schaukeln. Straßen und Auto-Lärm sind weit entfernt. „Kinder können sich hier frei bewegen. Das wird für Familienfeiern gern genutzt“, so Marlies Raunigk. Doch wenn ein Groß-Event auf der Waldbühne ansteht, füllen sich die Ränge mit bis zu 1000 Gästen. Dann dröhnen starke Bässe, harte Gitarrenklänge, lustige Anekdoten oder mitreißende Melodien durch die Musikanlagen.

Rund zehn Groß-Veranstaltungen organisiert der Verein pro Jahr. Die Mitglieder achten auf ein abwechslungsreiches Programm: Von Schlager, Blasmusik, Comedy, Kinderveranstaltungen bis zum traditionellen Open-Air-Festival Rock im Wald ist für jeden Geschmack etwas dabei. Viele bekannte Gesichter waren über die Jahrzehnte Gast auf der Waldbühne: Olaf Schubert, die Bierhähne, Julia Axen, Lutz Jahoda, Bärbel Wachholz oder die neue Bühne Senftenberg. Einen besonderen Wunsch hat der Vorstand des Förderverein aber noch. Roland Kaiser auf der Gehrener Waldbühne – das wäre doch was. „Träume darf man ja haben“, sagt Brigitte Neumann vom Förderverein. Im kommenden Jahr soll aber erst einmal die große Jubiläums-Feier zum 80-jährigen Bestehen der Waldbühne nachgeholt werden. Verschiedenste DDR-Künstler sollen dabei auftreten. Die Planungen dafür laufen schon jetzt auf Hochtouren, verrät der Verein.

Von Anfang an war die Waldbühne in Gehren ein Schauplatz besonderer Veranstaltungen. Sie wurde nach dem Vorbild der Berliner Waldbühne erbaut und am 14. August 1938 – genau heute vor 80 Jahren – eingeweiht. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Bühne für Theatervorstellungen, aber insbesondere für politische Großveranstaltungen genutzt. Bis zu 5000 Menschen hatten zu dieser Zeit darin Platz. Mit dem Krieg ruhte jedoch das kulturelle Leben auch auf der Waldbühne.

 In den 1960er-Jahren sind dort viele bekannte Persönlichkeiten wie die vier Brummers aufgetreten.
In den 1960er-Jahren sind dort viele bekannte Persönlichkeiten wie die vier Brummers aufgetreten. FOTO: Reinhard Knuth.

Erst zehn Jahre nach Kriegsende wurden wieder regelmäßig Veranstaltungen angeboten. Die VEB Konzert- und Gastspieldirektion gestaltete Jahr für Jahr ein buntes Programm mit Musik, Theater oder Politik. Doch mit der Verbreitung von TV-Geräten nahm deren Nachfrage ab. 1990 fiel dann der Vorhang entgültig. Ränge und Bühne verfielen, bis die Gemeinde Heideblick mithilfe von Fördermitteln die Waldbühne wieder errichtet hat. Am 6. September 2003 wurde das Gelände mit dem heutigen Charakter wieder eingeweiht.

„Als ich die Waldbühne zum ersten Mal gesehen habe, war ich sofort verliebt“, sagt Brigitte Neumann vom Förderverein. Gemeinsam mit ihrer Tochter besuchte sie damals eine Kinder-Veranstaltung. Auch ein weiteres Event ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Das Kino unterm Sternenhimmel mit Pakt der Wölfe. „Rund um die Waldbühne hat es gedonnert und geblitzt, aber es blieb trocken. Gerade bei diesem Film war das eine ganz besondere Atmosphäre“, erinnert sich Brigitte Neumann.

Unzählige, einzigartige Erinnerungen wie diese wurden über die Jahrzehnte auf der Waldbühne geschaffen. Damit das auch künftig so bleibt, feilt der Förderverein ständig an neuen Ideen für besondere Events. Veranstaltungen wie das Kino unterm Sternenhimmel, Sommer-Karneval oder ein Band-Contest sind so bereits entstanden. In diesem Jahr  wurde zum ersten Mal das Teufelsstein-Open-Air für Fans der Punkmusik angeboten. Eine Neuauflage für 2019 ist in Planung. „Manchmal muss man dabei auch ein Risiko eingehen und Ausdauer beweisen. Aber das kann sich lohnen“, sagt Marlies Raunigk.

So sah die Anlage in den 1930er-Jahren aus
So sah die Anlage in den 1930er-Jahren aus FOTO: Reinhard Knuth.