ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:10 Uhr

Eine konzertante Silvester-Idee

Krausnick.. Die Idee zu diesem Konzert wurde Silvester 2002 geboren. Detlev Simsch

Der jetzige Berliner Georg Boqe erinnerte sich an seine Taufkirche in Krausnick und dachte: Wie wäre es, wenn man an seine Wurzeln zurückkehrt und in der Kirche Besonderes hören lässt? Der Dorfkirchen-Sommer 2003 mit seinem Konzertprogramm gab dem Cellisten Gelegenheit. Am Sonnabend standen er und sein Kollege Johannes Hückel mit ihren Celli vor einem neugierigen Publikum.
Das Cello war in allen musikalischen Epochen eher ein Stiefkind der Komponisten. Solistische Parts gibt es vor allem in orchestralen Werken. Die beiden Studenten - Boqe studiert beim Solocellisten des Berliner Sinfonieorchester Stefan Giglberger an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und Hückel an der Berliner Universität der Künste - suchten lange nach geeigneten Partituren für das Konzert in der Krausnicker Fachwerk-Kirche. Sie gruben musikalisch Bemerkenswertes aus. „In der Kirche wollten wir Passendes spielen. Da erschien uns Barockes angemessen. Modernere Cello-Literatur gibt es viel mehr, aber wir wollten eben ein Programm aus einem Guss“ , sagte Georg Boqe im RUNDSCHAU-Gespräch. Die Programm-Gestaltung ist gelungen.
Johann Sebastian Bach hat in seinem umfangreichen Werk nur sechs Suiten für Cello komponiert. Georg Boqe bot gleich zu Konzertbeginn aus der Suite Nr. 3 das Präludium furios, die Allemande lebendig-lustig und die Bourree als das, was Bach meinte: als französisches Tanzthema in seiner barocken Zartheit.
Gleich danach hatten die mehr als 30 Hörer eine musikalische Entdeckung. Die Interpreten hatten Partituren von Josef Bodin de Boismortier, eines französischen Zeitgenossen Bachs, erkundet und spielten zwei Sonaten für zwei Violoncelli in ihrer ganzen Schönheit. Die erste Sonate mit ihren drei Sätzen kurz, in ihren musikalischen Themen sowohl heiter und tänzerisch als auch getragen. Ähnlich das zweite Werk. Boqe und Hückel bestachen mit ihrem Spiel und musikalischer Fertigkeit.
Die 5. Suite Johann Sebastian Bachs mit ihren musikalisch höchst unterschiedlichen Themen und Aussagen gab Georg Boqe wieder als Solist. Besonders die quicklebendige Gavotte in seiner Interpretation ließ die Hörer förmlich schwindelig werden. Dem folgte ein weiteres Cello-Duett von Boismortier. Mit einer Sonate des barocken Italieners Allessandro Marcello wollten die Interpreten eigentlich den musikalischen Schlusspunkt setzen, aber die Gäste ließen dies nicht zu. Ein fröhlicher Tanz aus der Feder des barocken Franzosen wurde als Zugabe gespielt.
Pfarrer Ernst-Günter Heide dankte für das Konzert und dafür, dass die jungen Künstler auf ihre Gage verzichteten und statt dessen um eine Spende für den Anstrich der Außenfenster des Gotteshauses baten. Dem kamen die Gäste gern nach.