| 02:44 Uhr

Eine Galerie am Straßenrand

Nun ist auch das letzte Bild angeschraubt. Die Hobbymaler Volkmar Pfahl und Marie-Josephine Schneider haben an einem 36 Meter langen Zaun parallel zur B 96 in Golßen eine außergewöhnliche Galerie geschaffen.
Nun ist auch das letzte Bild angeschraubt. Die Hobbymaler Volkmar Pfahl und Marie-Josephine Schneider haben an einem 36 Meter langen Zaun parallel zur B 96 in Golßen eine außergewöhnliche Galerie geschaffen. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Golßen. Die roten, blauen, grünen und orange leuchtenden Kreise, Dreiecke und Rechtecke am rostbraunen Zaun von Werner Rothes Grundstück in Golßen zogen schon lange die Aufmerksamkeit der Vorbeifahrenden auf sich. Jetzt sind die vorher leeren Rahmen mit Bildern gefüllt. Zwei Hobbymaler aus Rietzneuendorf haben eine nicht alltägliche Galerie an der B 96 in Golßen geschaffen. Birgit Keilbach / bkh1

Spreewälder Landschaften, Tiere, Pflanzen sowie Abstraktes ist auf den 35 Bildern in verschiedenen Formaten zu sehen. Und ein blau-gelber RVS-Bus. "Das habe ich bestellt, denn ich war 17 Jahre lang Busfahrer", erzählt Werner Rothe. Schritt für Schritt füllten sich die Rahmen in den vergangenen Monaten. Immer wieder hätten Vorbeifahrende angehalten und sich die Acryl- und Ölmalereien angeschaut. "Als die Hälfte fertig war, wurde ich oft angesprochen, wann es weitergeht", erzählt Werner Rothe. Jetzt sind alle Rahmen gefüllt.

Die Idee entstand, als der Eigentümer des Grundstücks an der Bundesstraße seinen Zaun aus Holzelementen gegen einen stabileren Blechzaun austauschte. "Der alte Zaun hatte Diebe nicht abhalten können, mir wurde viel aus dem Garten und dem Teich gestohlen", sagt der Golßener. Damit die riesige Fläche des 36 Meter langen Zauns nicht mit Graffitis beschmiert wird, fertigte er die farbigen Rahmen als Verzierung an. Und hatte dabei schon im Hinterkopf, dass diese später mit Bildern gefüllt werden, denn für jeden Rahmen schnitt er gleich passende Bleche zurecht. Einen Hobbymaler hatte er dafür auch schon im Auge: Volkmar Pfahl aus Rietzneuendorf. "Er hatte unsere Hauswand sehr schön mit einem Venedig-Motiv bemalt", erzählt Werner Rothe.

Volkmar Pfahl fuhr viele Jahre zur See und malte schon länger nebenbei. Vor zehn Jahren nahm er seinen Abschied vom Meer und arbeitete in der Golßener Bauschlosserei Krüger, wo ihn Werner Rothe traf und von seinem Hobby erfuhr. "Jetzt hatte ich mehr Zeit und beschäftigte mich intensiver mit dem Malen", erzählt der 59-jährige Rietzneuendorfer. Nicht nur kleine Bilder auf der Staffelei, auch größere im Außenbereich entstanden seitdem. Manches andere Eigenheim in der Umgebung schmückt inzwischen ein großformatiges Bild des Hobbymalers.

Die Idee von der Galerie am Blechzaun gefiel Volkmar Pfahl. 2013 malte er die ersten zwei Motive dafür. Doch erst in diesem Jahr nahm das Projekt so richtig Fahrt auf. Der Rietzneuendorfer ist inzwischen Rentner und gewann im Ort eine Mitstreiterin, die 24-jährige Marie-Josephine Schneider. "Ich wusste, dass sie auch malt, und habe sie dann überzeugt, sich am Projekt zu beteiligen. Jetzt sind wir das Künstler-Duo ‚Voma‘ und haben unsere erste gemeinsame Galerie", sagt Volkmar Pfahl voller Freude.

Für Marie-Josephine Schneider ist es eine Premiere. Sie habe sich nicht vorstellen können, dass jemand ihre Bilder draußen aufhängen würde. "Bisher habe ich nur für Freunde und die Familie gemalt. Zum ersten Mal zeige ich meine Bilder öffentlich", sagt die Hobbymalerin, die in Nürnberg Chemie studiert. Die meisten Bilder für den Zaun habe sie während der Semesterferien im Sommer gemalt. Die verschiedenen Formate und die Anordnung waren schon eine Herausforderung, gesteht sie. "Beim Malen waren die Winkel zu beachten, in denen die Rahmen angebracht sind. Es war manchmal schwierig, die Blechtafeln exakt im Winkel auf der Staffelei zu befestigen", beschreibt sie die Situation.

Werner Rothe ist glücklich über das verwirklichte Projekt und hat mit den zwei Hobbykünstlern schon das nächste im Blick. Im kommenden Jahr wollen sie eine Ausstellung auf der anderen Seite des Zauns gestalten.

Dort führt ein ebenso langer, gerader Weg vor dem Garten mit Pavillon und Teich entlang. "Über das Thema denken wir noch nach. ‚Spiel der Farben‘ klingt schon ganz gut", hat Volkmar Pfahl schon eine Idee.