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| 16:44 Uhr

Sommertour
Eine Fundgrube hinter Gittern

Kreisarchivar Thomas Mietk zeigt den Lesern das Stadtbuch von Lübben aus dem Jahr 1382, das älteste Buch, das in der Luckauer Einrichtung aufbewahrt wird. Im Haus lagern etwa 40 000 Akten und Bücher.
Kreisarchivar Thomas Mietk zeigt den Lesern das Stadtbuch von Lübben aus dem Jahr 1382, das älteste Buch, das in der Luckauer Einrichtung aufbewahrt wird. Im Haus lagern etwa 40 000 Akten und Bücher. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Im Kreisarchiv von Dahme-Spreewald in Luckau können Hobby-Historiker in Tausenden Metern Akten stöbern. Von Carmen Berg

Tausende Meter Akten lagern in Luckau hinter Gittern. Groß war am Mittwochvormittag das Interesse an einer Führung durch das Kreisarchiv von Dahme-Spreewald. Es hat im früheren Hafthaus I der alten Justizvollzugsanstalt seinen Sitz und ist wohl, wie Kreisarchivar Thomas Mietk scherzte, „bei dieser Hitze neben der Pathologie der kühlste Ort in der Stadt“.

Die Räume sind ausgelegt für 5800 laufende Meter Akten. Noch sei die Kapazität nicht ganz ausgereizt, doch durchschnittlich mehr als 200 Meter an Beständen kommen jährlich hinzu. Sie werden bei konstanten 18 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert. Ältestes Dokument ist ein Stadtbuch von Lübben aus dem Jahr 1382 mit einigen Ersterwähnungen von Dörfern der Region, so unter anderem Hartmannsdorf.

Das Jahrhunderte alte Papier sei besser erhalten als Unterlagen aus der Nachwendezeit, die  auf Recyclingpapier getippt worden seien, so der Kreisarchivar. „Es löst sich schnell auf.“ Die Zukunft werden digitale Dokumente sein, blickte er voraus. Doch bei der Schnelllebigkeit der Datentechnik sei es momentan problematisch, die Verfügbarkeit für die nächsten hundert Jahre zu sichern. Deshalb werde jedes digitale Dokument zusätzlich ausgedruckt, erklärte er.

Eine Fundgrube für Ahenforscher und Erbenermittler sind rund 3000 Geburts-, Ehe- und Sterbebücher aus nahezu allen früheren und aktuellen Standesämtern des Landkreises mit Ausnahme der Region Königs Wusterhausen. „Jeder kleine Sprengel hatte ein Standesamt“, sagte Thomas Mietk und nannte das Forthaus Hammer. „Dort war der Förster zugleich der Standesbeamte“. Standeämter gab es seit 1874.  Wer ältere Dokumente sucht, müsse auf alte Kirchenbücher zurückgreifen und könne sich an die Kirchengemeinden wenden, beantwortet er eine Frage aus dem Publikum.

Aufschlüsse darüber, wer wann wo ansässig war, geben außerdem mehr als 100 000 Meldekärtchen der ehemaligen Volkspolizei-Kreisämter, die nach der Wende an den Landkreis übergingen. Das eigene Kärtchen einzusehen, sei im Kreisarchiv möglich, der Blick in fremde Unterlagen jedoch nicht. „Es war manch sehr Persönliches vermerkt, zum Beispiel, wer wann  Westbesuch hatte“, so Thomas Mietk.

Im Aufnahmeraum begutachtet und kennzeichnet Mitarbeiter Wilfried Quoos die eingehenden Exponate. Von einem Rollregal schauen ihm Thälmann, Pieck und Stalin dabei zu. Die Köpfe wurden in Amtsstuben nicht mehr gebraucht, seien als Zeitzeugnisse „zum Wegwerfen aber zu schade“, schmunzelte der Kreisarchivar.

Zum Abschluss der Tour bedankten sich die RUNDSCHAU-Leser mit Beifall für eine spannende und unterhaltsame Stunde. „Es war sehr interessant“, sagte Dora Grünke. Die ehrenamtliche Gästeführerin in Luckau wird von Touristen oft gefragt, was hinter den Gittern sei. „Jetzt kann ich das noch ausführlicher beantworten.“ Die Luckauerin Marina Schwabe hat sich vorgenommen, wenn sie einmal mehr Zeit hat, Ahnenforschung zu betreiben. „Eine Tante hat schon Vorarbeit geleistet und dafür  das Kreisarchiv genutzt“, erzählte sie.

Mitarbeiter Wilfried Quoos kennzeichnet die Dokumente, die im Archiv zur Einlagerung ankommen. Im Jahr sind es etwa 200 Meter Akten.
Mitarbeiter Wilfried Quoos kennzeichnet die Dokumente, die im Archiv zur Einlagerung ankommen. Im Jahr sind es etwa 200 Meter Akten. FOTO: LR / Carmen Berg
Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian
Im Hafthaus I gab es  126 Zellen. Hinter einigen Türen ist heute die Archivbibliothek mit Büchern untergebracht,  die im Landkreis erscheinen sind. 
Im Hafthaus I gab es  126 Zellen. Hinter einigen Türen ist heute die Archivbibliothek mit Büchern untergebracht, die im Landkreis erscheinen sind.  FOTO: LR / Carmen Berg