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| 02:40 Uhr

Eindrucksvoller Kontrast in der Kirche

Ein großartiges musikalisches Erlebnis haben die Chöre des Kirchenkreises Niederlausitz gemeinsam mit dem Preußischen Kammerorchester Prenzlau und den Solisten Gesine Forberger, Carola Fischer und Dirk Kleinke vom Staatstheater Cottbus in der Luckauer Nikolaikirche geboten.
Ein großartiges musikalisches Erlebnis haben die Chöre des Kirchenkreises Niederlausitz gemeinsam mit dem Preußischen Kammerorchester Prenzlau und den Solisten Gesine Forberger, Carola Fischer und Dirk Kleinke vom Staatstheater Cottbus in der Luckauer Nikolaikirche geboten. FOTO: Keilbach/bkh1
Luckau. Minutenlang brandete am Sonntagabend Beifall durch die Luckauer Nikolaikirche. Stehend applaudierten rund 800 Konzertgäste und gaben damit ihrer Begeisterung über ein außergewöhnliches und in mehrfacher Hinsicht einmaliges Musikerlebnis Ausdruck. Birgit Keilbach / bkh1

Dafür hatten die fünf Kantoren des Kirchenkreises die vier Kirchenchöre der Region zu einem großen Chor mit rund 120 Sängerinnen und Sängern zusammengeführt. "Eine solche Zusammenarbeit gab es noch nie", verwies Superintendent Thomas Köhler auf die erste Besonderheit. Eine weitere bestand darin, dass dieser große Chor gemeinsam mit dem Preußischen Kammerorchester Prenzlau und Solisten des Staatstheaters Cottbus zusammen dieses Konzert bestritten. Darüber hinaus erlebten die Zuhörer die Erstaufführung eines zeitgenössischen Werkes, komponiert vom jungen Komponisten und Organisten João Segurado aus Lübbenau.

Dieses bildete einen eindrucksvollen Kontrast zu den zwei kraftvollen klassischen Werken des Konzertes - der kirchlichen Festouvertüre über den Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" von Otto Nicolai und die Sinfonie-Kantate "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy.

João Segurado hatte für seine Komposition das Gedicht "Minimalprogramm" von Hans Magnus Enzensberger ausgewählt. Das Stichwort laute "Verzicht", erläuterte Kantorin Katharina Schröder. Der Dichter gebe damit einen Weckruf, sich in der heutigen Gesellschaft auf die eigene Wahrnehmung zu besinnen und sich von den zahlreichen Einflüssen der Konsumgesellschaft und der Informationsüberflutung in der digitalen Welt freizumachen. Die Komposition sollte zudem den Paradigmenwechsel aufzeigen: In der Reformation sei es um den individuellen Glauben gegangen. "Heute sprechen wir von der Befreiung des eigenen Geistes", erläuterte Katharina Schröder die Intention des Komponisten. Die Musik habe er ebenso minimalistisch um einen einzigen Akkord zu einem Klang entwickelt, der zur inneren Einkehr anregen soll.

Eine Gruppe ausgebildeter Sänger rezitierte mit Sprechgesang die Zeilen Enzensbergers, begleitet von zarten Bläser- und Streicherklängen, die sich zunächst wie in Wellen emporhoben, um dann eine sphärische Anmutung anzunehmen. In diese drang am Ende die Sprechergruppe ein und holte die Zuhörer wieder zurück in die Realität. Den ausdrucksvollen Abschluss fand das Konzert mit dem kraftvollen und stimmgewaltigen "Lobgesang".

"Es war ein grandioses Konzert und wir sind dankbar, dass wir dieses hier in Luckau erleben durften", sagten Christina und Bernd Höhno. Die Neukomposition habe sie als beruhigend empfunden, "der Anfang hat mich an die ‘Purpurnen Flüsse‘ erinnert", ergänzte Christina Höhno. Begeistert war auch die Berlinerin Anna Mai: "Es war sensationell, was für fantastische Stimmen die Kantoren aus den Sängern herausgeholt haben, wie wunderbar sie die Emotionen herüber gebracht haben", urteilte sie.

Auch für die Sänger der Chöre war es ein besonderes Erlebnis. "Schon die ganzen Übungen waren interessant, weil wir viele Sänger einer Stimme waren", sagte Eckhard Winkler von der Luckauer Kantorei. Glücklich über das gelungene Konzert war auch Brigitte Hiersemann von der Trinitatis-Kantorei Finsterwalde: "Es hat alles super geklappt und die vielen, vielen Proben seit Januar haben sich gelohnt." Gerne würden sie wieder einmal ein solch großes Projekt singen, fügte ihre Mitsängerin Rosi Mätzke an. Das bekräftigte Frauke Fischer vom Ökumenischen Kirchenchor in Lübben. "Mit einem Orchester zusammen zu musizieren und in einem großen Chor zu singen macht einfach viel Spaß."

Mit eher gemischten Gefühlen habe er die Uraufführung verfolgt, gestand João Segurado nach dem Konzert. "Es ist ein bisschen wie ohne ein Netz dazustehen, man weiß nie, was macht die Musik mit den Menschen", beschrieb er. Für Kantorin Katharina Schröder, die sowohl die Neukomposition als auch den Lobgesang dirigierte, war es "etwas Wunderbares, diese Musik in einer so gut gefüllten Kirche" darbieten zu können. Und vielleicht sei dieses gelungene Konzert ein Samen für weitere gemeinsame Projekte, so die Kantorin weiter.