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| 12:36 Uhr

Brauchtumspflege
Ein Schauspiel hoch zu Ross

Nach den Hunden folgen die Reiter und überwinden die auf den Wiesen und Feldern aufgestellten Hindernisse. Viele Male wiederholt sich während der Hubertusjagd dieses Schauspiel in der herbstlichen Natur.
Nach den Hunden folgen die Reiter und überwinden die auf den Wiesen und Feldern aufgestellten Hindernisse. Viele Male wiederholt sich während der Hubertusjagd dieses Schauspiel in der herbstlichen Natur. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Ab dem 3. September gibt es Karten für die 20. Niederlausitzer Hubertusjagd in Luckau. Von Carmen Berg

Es hat etwas Feierliches, wenn die Klänge der Parforcehörner durch die Nikolaikirche hallen. Am Freitag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr ist es soweit. Am Vorabend der 20. Niederlausitzer Hubertusjagd geben Les Trompes du Val du Rhin in der festlich geschmückten Kirche ein kostenloses Konzert. Unterstützt werden die Musiker, die aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands kommen,  anlässlich des Jubiläums von einem einheimischen Ensemble, der Jagdhornbläsergruppe aus Reichwalde, kündigt Marlin Ochmann an. Sie ist Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Luckauer Land, der die Hubertusjagd veranstaltet.

Die Idee dazu hatte einst Luckaus Altbürgermeister Harry Müller, der ein großer Pferdefreund ist und sich bis heute für den Erhalt dieser Tradition engagiert. Von ihm stamme auch das Jubiläumsmotto „Jäger und Reiter in Harmonie“, erzählt Marlin Ochmann. Dieses Motto werde in Luckau gelebt, Jäger und Reiter nehmen aufeinander Rücksicht, stimmen sich ab, wenn es um geplante Aktivitäten in den Wäldern geht, so die Vereinsvorsitzende.

Der Jagdtag, Sonnabend, 6. Oktober, beginnt um 10 Uhr mit der Hubertusmesse in der Kirche. Anschließend stimmen auf dem Markt Les Trompes du Val du Rhin gemeinsam mit der Bläsergruppe aus Lübben Zuschauer und Akteure auf den Höhepunkt der Jagdsaison ein.

Marlin Ochmann kündigt ein farbenprächtiges Bild an, wenn sich rund 30 Reiter mit ihren Pferden versammeln, in der Mitte Master Thorsten Mönchmeyer mit seiner Hundemeute der Rasse „Harrier“ und der Equipage. Rundum warten 18 Kremser auf ihre Passagiere, die bei der Fahrt durch Wald und Flur die Jagd hautnah miterleben können. Vervollständigt wird das Schaubild von einem besondern Hingucker, einer Vierspänner-Kutsche aus Brück.

Die Schleppjagd führt von Luckau nach Görlsdorf und zurück zum Luckauer Laga-Park, wo sie gegen 16 Uhr nahe der Mühle endet.

Die Tradition geht zurück auf den Heiligen Hubertus von Lüttich (655 bis 727). Der Legende nach soll ihm auf der Jagd nach einem Hirsch zwischen dessen Geweih ein Kruzifix erschienen sein, seither gilt Hubertus als ein Schutzpatron der Jagd und unter anderem auch der Schützen.

Statt eines Fuchses folgen die Hunde und Reiter heutzutage einer vom Master gelegten Spur, der Schleppe, wie Marlin Ochmann erklärt. Auch  Missgeschicke seien dabei nicht ausgeschlossen. So passiere es schon mal, dass die Hunde unterwegs „echte“ Wildgerüche erschnüffeln. „Dann muss der Master die Meute wieder auf den richtigen Weg bringen“, schmunzelt die Organisatorin.

In Görlsdorf wird es eine Mittagspause, das Schüsseltreiben, geben, das länger ausfällt als üblich. Der Grund: Jäger legen dort eine Strecke und die Bläser aus Lübben demonstrieren, was verschiedene Jagdhornsignale bedeuten.

Ihren Ausklang findet die Hubertusjagd am Abend mit dem Jagdball in der Gehrener Gaststätte Raunigk und, altem Brauche folgend, dem Jagdgericht. Dabei werden kleinere Nachlässigkeiten von Reitern oder Kutschenbesatzungen humorvoll mit einem Strafobolus geahndet, der in die Finanzierung der Veranstaltung einfließt.

Die Vorbereitungen laufen beim Verein auf Hochtouren. Eine logistische Herausforderung sei es beispielsweise, die Kremser aus einem Umfeld zwischen Cottbus und dem Elbe-Elster-Land herbeizuschaffen. Eine Woche vorher werden die Strecke präpariert und die Hindernisse aufgestellt, die Reiter und Rösser unterwegs nehmen müssen. Unterstützung bekomme der Verein bei der Absicherung der Veranstaltung auch von der Stadt, „sonst wäre das für uns nicht zu stemmen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Sie ist überzeugt, dass sich die Mühe der Ehrenamtler des Vereins und ihrer Helfer lohnt und die Jubiläums-Jagd „wieder ein schöner Tag für alle wird“.