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| 01:03 Uhr

Ein musikalisches Sommervergnügen

Eine klangliche Einheit bildeten Sänger und Orchester bei ihrem gemeinsamen Konzert in der Dahmer Marienkirche.
Eine klangliche Einheit bildeten Sänger und Orchester bei ihrem gemeinsamen Konzert in der Dahmer Marienkirche. FOTO: Foto: Frank Ratajczak
Dahme.. Eine Woche generationsübergreifende musikalische Weiterbildung im Seminar für kirchlichen Dienst bringt Spaß und viele Erkenntnisse. Das gipfelte am Sonnabend in der Präsentation dessen, was in relativ kurzer Zeit konzentriert erarbeitete wurde. Was dann in der Marienkirche in Dahme erklang, das konnte sich hören und sehen lassen. Foto: Frank Ratajczak


Sängerinnen und Sänger, ein seminaristisches Streichorchester, Ulrich Weller (Altus), der Bariton Lothar Sievers, Stephan Forck als Solo-Violoncellist und Benjamin Petreit als Organist hatten sich zu einem Klangkörper vereint, der unter dem Dirigat des Landessingwarts der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Lothar Kirchbaum, musikalisches Können und interpretatorische Vielfalt zeigen konnte.
Mit einem fulminanten Entree ging es ins Konzert: Aus der "Jenaer Sinfonie" von Friedrich Witt, einem Zeitgenossen Beethovens, erklangen das Menuett und das Finale einschmeichelnd für das Ohr. Das war gewissermaßen die "Ruhe vor dem musikalischen Sturm". Wolfgang Fortners Geistliche Abendmusik "Herr, bleibe bei uns" auf Texte des Alten und des Neuen Testaments, mit Zitaten von Matthias Claudius, Garve und Paul Gerhardt zeichnete Gedanken nach, die das Altwerden, aber auch die Auferstehung zum Inhalt haben. Fortner, ein Komponist des 20. Jahrhunderts, verwendete sowohl eingängige Choral-Melodien als auch Klänge, die für das Publikum gewöhnungsbedürftig sind und nachdenklich stimmten. Das Gesamtwerk, vom Chor, Orchester und Ulrich Weller als Solist einprägsam-melodisch gegeben, wird sicher in Erinnerung bleiben.
Nach dieser musikalischen Erkenntnis kam das Streichorchester mit dem Solocellisten Stephan Forck und dem filigranen Konzert Nr. 3 in D-Dur von Luigi Boccherini daher und verzauberte das Auditorium. Forck und das Orchester waren vom ersten frisch-beschwingten Satz an eine perfekte Einheit. Das Adagio gab der Solist ganz ohne Schwermut, um sich in den heiteren letzten Allegro-Satz in einen musikalischen Dialog mit dem Orchester zu begeben. Das Publikum hatte seine Freude dran.
Die Choristen bewiesen danach mit der sechsstimmigen Motette "Ich bin ein rechter Weinstock" aus der Geistlichen Chormusik von Heinrich Schütz - einem Vorbild Bachs - feingliedrigen Gesang und eine Interpretation, die dem Zitat aus dem Johannes-Evangelium gerecht wurde.
"Wer kennt Jean Joseph Fiocco heute noch? Er wurde zu Unrecht von der Musikwelt vergessen. Das wollen wir heute ein bisschen ändern." Lothar Kirchbaum führte mit Chor, Orchester und den Solisten Lothar Sievers (Bariton) sowie Ulrich Weller (Altus) die "Abendmahlskantate" des Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs auf, der in Brüssel einen Hofkapellmeister zum Vater hatte und ein bedeutender Kirchenmusiker seiner Zeit war. Die Interpretation wurde zu einer musikalischen Entdeckung. Frisch, in den musikalisch sehr anspruchsvollen Soli sauber und nuanciert kam das Werk zu Gehör. Herzlicher Beifall für das gelungene Konzert.
Den konzertanten Rahmen nutzte das Seminar für kirchlichen Dienst zu würdigen Namensgebungen. Das Haupthaus der Einrichtung trägt nun den Namen des verstorbenen Bischofs und langjährigen Generalsuperintendenten in Cottbus, Gottfried Forck. Beatrix Forck, seine Witwe, dankte für die Ehrung und unterstrich die enge Verbundenheit der Familie mit dem Seminar, das vor 53 Jahren in Dahme seine Arbeit aufnahm. Der Mehrzweckraum erhielt nach Vorschlägen von Seminaristen den Namen "Fermate", was sowohl musikalisch "Ruhepunkt, Haltezeichen" als auch "Schutz, Geborgenheit" bedeute.
"Wir freuen uns über das, was wir heute und in anderen Sommerkonzerten darbieten können", sagte Lothar Kirchbaum im RUNDSCHAU-Gespräch. Die Teilnehmer kommen aus allen neuen Bundesländern und Berlin. Viele kennen sich von Seminaren aus Vorjahren, und die Atmosphäre ist immer konstruktiv und freundlich. Das zeichne die Seminare aus und lasse solche Konzerte möglich werden. (ds)