In einem Klassenzimmer der Dahmer Grundschule hat Joya Thome die Kamera aufgebaut, an der Tafel steht der Filmtitel. Die Regisseurin und Produzentin aus Berlin hat gemeinsam mit Philipp Wunderlich das Drehbuch geschrieben. "Der Film spielt in Niendorf, weil wir als Kinder aus der Großstadt dort auf einem alten Bauernhof oft die Ferien und viele Wochenenden verbracht haben", erzählt Joya Thome. Heute wohne ihr Vater dort, sei aus Berlin endgültig aufs Land gezogen. So sei die Idee für einen Spielfilm entstanden, den sie mit ihrem Co-Autor zwei befreundeten Schauspielern "auf den Leib geschrieben" habe.

Einer von ihnen ist Til Schindler, der beim Casting mitwirkt. "Stell dir vor, du bist zu spät zur Schule gekommen und ich bin dein Lehrer. Jetzt erkläre mir mal, warum du zu spät gekommen bist", erläutert er die erste Szene. Jeder der Jungen muss sich spontan etwas einfallen lassen. Von "Ich hab‘ verschlafen" bis "Ich hab‘ unterwegs Aliens gesehen" reicht die Phantasie der Bewerber zwischen sechs und 13 Jahren. Dann schlüpft der Schauspieler in die Rolle des Anführers der Jungsbande, der plötzlich ein Mädchen aufnehmen will. "Nein, ein Mädchen gehört nicht in eine Jungsbande", widerspricht August Marcius Lock noch etwas zaghaft. Das gehe noch entschiedener, erläutert Til Schindler: "Es ärgert dich doch, also sei richtig wütend." Der Achtjährige setzt das um: "Wenn du das machst, bist du nicht mehr unser Anführer", gibt er mit kräftiger Stimme seinem Gegenüber Kontra. "Gut gemacht", lobt Joya Tome den Jungen und ruft den nächsten Bewerber herein.

Der Schauspieler habe sich so angehört, als ob er es ernst meine "und ich habe dann selber gehört, dass ich bei der Wiederholung lauter wurde und es sich dann auch wütend angehört hat", schildert August Marcius Lock seinen Eindruck. Der Achtjährige aus Schöna-Kolpien könnte sich vorstellen, in dem Film mitzuspielen, "weil ich selber eine Jungsbande habe", sagt er. Zudem habe er im vorigen Jahr beim Weihnachtsstück vom Dorfclub den Holzfäller gespielt. "Es ist eine gute Chance, zu gucken, wie talentiert das Kind ist", bewertet seine Mutter Ulrike Lock das Casting. "Außerdem habe ich als Kind selbst einmal in einem Defa-Film mitgespielt", ergänzt sie.

Auch der 13-jährige Tizian Kaiser würde gerne mitspielen. "Ich hatte die Rolle als Anführer und war dagegen, dass Lea aufgenommen wird", beschreibt er seinen Part vor der Kamera. "Mir würde das Spaß machen, und ich kenne auch Niendorf gut", sagt der Dahmenser.

Zwei Tage lang sichtete das Filmteam Mädchen und Jungen für die Filmrollen an den Grundschulen in Luckau und Dahme. Laut Regisseurin Joya Thome wird aus den 83 Bewerbern zunächst eine Vorauswahl getroffen. "In einer zweiten Runde werden wir dann viel genauer mit den Kindern arbeiten. Sie findet in Niendorf statt. Dann kommt es auch darauf an, dass die Jungsbande auch als Bande funktioniert", erläutert die Regisseurin. Und auch die drei Freundinnen der Hauptdarstellerin Lea, die bereits feststeht, müssen zu ihr passen.

Zum Thema:
Das Filmprojekt "Königin von Niendorf" ist eine Geschichte, in der die zehnjährige Lea gern mit Mex musiziert. Doch er ist ein Zugezogener und zudem noch etwas kauzig. Deshalb wird er von den Alteingesessenen ausgegrenzt. Als ihm droht, den Hof verkaufen zu müssen, will Lea ihm helfen. Dazu muss sie die Jungsbande für sich gewinnen. Denn Mex soll im Dorf Musik machen und die Einwohner von sich überzeugen. Zur Finanzierung des Projektes will das Berliner Filmteam im Juni ein Crowdfounding starten. bkh1