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| 02:56 Uhr

Ein leerer Laden und falsch verstandene Freundschaften

Luckau/Lübben. Alles muss raus? Das gern genutzte Verkaufsmotto haben zwei junge Männer aus Luckau auf ihre ganz eigene Weise interpretiert. Vor gut einem Jahr räumten sie ein Fahrradgeschäft in Luckau aus – die Quittung für arg wechselndes Erinnerungsvermögen gab es jetzt vom Amtsgericht Lübben. Jan Gloßmann

Junge Leute, so Anfang, Mitte Zwanzig, entwickeln häufig den Wunsch, "etwas machen" zu wollen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn es gut läuft, kümmern sie sich um eine Ausbildung oder gehen arbeiten.

Es läuft nicht immer gut. Es kommt vor, das solche Leute unter "etwas machen" verstehen, andere um deren Eigentum oder gar ihre wirtschaftliche Existenz zu bringen. Der Sinn: "Mit den Sachen aus dem Laden wollten wir Geld machen." Denn Geld, sagt der eine Angeklagte, hätten beide zu der Zeit "nicht gerade verdient". Eine hübsche Formulierung, die der junge Mann in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Lübben da findet - wer "nicht gerade" Geld verdient, ist offenbar auf krumme Geschäfte angewiesen. So eine Tour im April 2013 beginnt offenbar mit einem zufälligen Treffen in Luckau. Man kennt sich, es gibt da einen Treff in der Garage eines anderen, tja, Kumpels.

Was also machen: Es gebe da einen Fahrradladen in Luckau, der sei nicht wirklich gesichert, keine Alarmanlage und so. Kumpel und Kumpel nähern sich dem Grundstück von hinten, hebeln eine Tür auf, beseitigen ein Gitter ("Die Dübel waren nicht gerade fest."), schlagen eine Scheibe ein und sind im Laden. Zum Diebesgut gehören ein Mountainbike, diverse Fahrradteile wie Steckbleche, Scheibenbremsen bis hin zum Rad-Öl, dazu Modellbahn-Zubehör, Schuhe, selbst Schlüsselrohlinge, aber auch ein Tresor mit um die 7000 Euro Bargeld. Nicht zu vergessen die Einkaufstüten des Geschäfts, in denen die beiden Täter ihre Beute verstauen und ins Auto tragen. Alles wird in der Garage versteckt, die einem Kumpel gehört - und der davon wohl nichts mitbekommen hat, wie er als Zeuge aussagt. Dass er einem der beiden ein Alibi verschaffte für die Tatzeit, obwohl der gar nicht mit war auf der Fahrt nach Berlin? "Ich wollte ihn schützen, war halt doof. Ich hab ihn nur wörtlich mitgenommen." Niemand im Saal glaubt tatsächlich, dass er sich das allein ausgedacht hat.

Seinem Kumpel fällt das vor Gericht erst nach und nach wieder ein. Dass mit der Berlin-Fahrt, sagt sein Verteidiger Marco Vetter, sei wohl "falsch verstandene Freundschaft" gewesen. Sein Mandant will sich beim Bruch im Laden jedoch vom schlechten Gewissen ertappt gefühlt haben, er habe sich dort übergeben und sei auf einem geklauten Rad nach Hause gefahren. Eine Version.

Eine etwas andere schildert der zweite Angeklagte. Er hat, so klingt es, im Laden nicht lange gefackelt, als es darum ging, den Tresor aus der Wand zu holen. Und später hat er bei der Polizei und jetzt vor Gericht nicht groß drumrum geredet. Detailreich schildert er das Tun. "Als ich von der ersten Fuhre kam, hatte er schon alles berietgestellt." Und er erinnert sich, dass beide sogar noch eine dritte Tour machen mussten, weil sein Kumpel - der da lange im Bett gelegen haben will - seinen Rucksack im Laden vergessen hatte.

Nein, sagt der Erste, er könne sich nicht erklären, warum ihn sein Kumpel derart belaste. "Vielleicht, weil ich jetzt ein besseres Leben habe und umgezogen bin?" Auch nach einem Pausengespräch mit seinem Anwalt bleibt er bei seiner Version.

Weder Staatsanwalt noch Richterin überzeugt das. Die Quittung, die noch nicht rechtskräftig ist: Zehn Monate Haft für den, der seinen Rucksack vergessen hat, acht Monate für seinen geständigeren Kumpel. Beider Strafen werden zu je zwei Jahren Bewährung ausgesetzt, beide tragen die Kosten des Verfahrens. Der Rucksack-Mann muss 2000 Euro Geldstrafe an den Ladeninhaber zahlen, der andere 100 Sozialstunden leisten. Auf den wartet zudem ein Drogen-Entzug. Zeit, was Vernünftiges zu machen.