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| 14:56 Uhr

Jubiläum
Ein lebendiges Bild langer Dorfgeschichte

Das Grafenpaar, mit dessen Hochzeit einst der Frieden zu Bautzen besiegelt wurde, war das älteste historische Bild des Umzugs.
Das Grafenpaar, mit dessen Hochzeit einst der Frieden zu Bautzen besiegelt wurde, war das älteste historische Bild des Umzugs. FOTO: Birgit Keilbach
Zützen. Großer Festumzug zur 1000-jährigen Siedlungsgeschichte von Zützen Höhepunkt des Jubiläumsjahres. Von Birgit Keilbach

Hunderte Zuschauer säumten am Samstagnachmittag die Straßen, als die Zützener in einem großen Festumzug Geschichte und Gegenwart ihres Dorflebens darstellten. Insgesamt 31 Bilder brachten die Vielfalt nahe. Die Spielmannszüge aus Luckau und Dahme defilierten in einem Rundkurs durch das Dorf an den Schaulustigen entlang. Das Moderatorenduo Antje Rosemann und Michael Petschick erwähnte, dass der Springweg bereits im Jahr 1400 existierte und damals zum Pestfriedhof außerhalb der Ortschaft führte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Flüchtlinge nach Zützen kamen, sei die heutige Siedlung an dem Weg entstanden.

Die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Festwagen erinnerten an die einst vorhandenen Handwerke im Dorf, wie die Schmiede und die Dorfschusterei. Diese habe mit der Stellmacherein zu den alten Gewerken gezählt, erläuterte Michael Petschick. Die Kanow-Mühle im Gemeindeteil Sagritz produziert noch heute das Spreewälder Leinnöl. Die Kirchengemeinde stellte gemeinsam mit dem Golßener Männerchor die Geschichte der Zützener Dorfkirche dar. Dass es in Zützen einst ein Gestüt gab, auf dem Vollblutpferde für die Rennbahn in London gezüchtet wurden, gehört zum weniger bekannten Teil aus der Geschichte.

Die Brennerei jedoch ist vielen noch in Erinnerung. „Sie war ein Segen für das Gut“, erfuhren die Gäste. Denn damit wurde im Dorf der Kartoffelanbau forciert, aus den Knollen Schnaps gebrannt und das Einkommen fürs Gut gesichert. Die große Rolle des Kartoffelanbaus wurde dann auch in einem mehrteiligen Bild deutlich gemacht. Von der alten Legemaschine über Kartoffelschleuder, verschiedene Geräte zur Feldbearbeitung bis zur hochmodernen Kartoffelvollerntemaschine heutiger Zeit reichte der historische Bogen. Eine schmucke Erntekrone fand ebenso ihre Bewunderer wie die Darstellung der Heuernte mit einem kleinen Heuschober, wie sie noch heute im Spreewald zu finden sind.

Auf Mopeds und Motorrädern kamen Gemeindeschwester und ABV daher und zeigten, wie in den 1960-er Jahren in den Urlaub gefahren wurde. Das heutige Dorfleben setzten der FSV Blau-Weiß Zützen, der in diesem Jahr 20 Jahre besteht, die Dorfteichpiraten, die jährlich beim Drachenbootrennen auf dem Schwielochsee mitrudern, die Radlerfrauen und die Feuerwehr. Darunter auch der Förderverein der Kita „Storchennest“, denn mit großem Engagement haben die Einwohner des Dorfes dafür gesorgt, dass der Kindergarten im Dorf erhalten blieb. Als eine der ältesten Bauernfamilien ist die Familie Dänschel seit 500 Jahren im Ort ansässig. Gerd Dänschel betreibt heute ein Forst-Unternehmen.

Neben den Zützener Einwohnern gestalteten auch Vereine aus Golßen den Umzug mit, das Schulmuseum Schwarzenburg blickte in die Schulgeschichte und die Jüterboger präsentierten historische Figuren aus verschiedenen Jahrhunderten.