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| 16:52 Uhr

Leben im Alter
Die kleinen Freuden jeden Tag

Die Bewohner der Tagespflege „Lebensträume“ im Evangelischen Seniorenzentrum An der Berste feiern gern wie jüngst das Frühlingsfest.
Die Bewohner der Tagespflege „Lebensträume“ im Evangelischen Seniorenzentrum An der Berste feiern gern wie jüngst das Frühlingsfest. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Nach schwerem Start wird Luckauer Tagespflege „Lebensträume“ von Senioren geschätzt. Von Carmen Berg

Unterm schattigen Terrassendach lässt es sich eine Seniorenrunde gut gehen. Die Männer und Frauen genießen frischen Erdbeerkuchen und schunkeln zu den Walzerklängen der Musikanten. In der Tagespflege „Lebensträume“ des Evangelischen Seniorenwohn- und Pflegezentrums an der Berste wird Frühlingsfest gefeiert und zugleich der Jahrestag des Einzugs in die modernen neuen Räume.

Zum Seniorenzentrum in Trägerschaft des Landesausschusses für Innere Mission an der Bersteallee gehören ein Altenpflegeheim sowie betreutes Wohnen. Die Tagespflege ist der jüngste Baustein in diesem Verbund. Der Weg bis zur Eröffnung war steinig, denn ein Brand im Hause hatte den Terminplan mächtig durcheinander gewirbelt.

Rückblick: Im März 2016 steht im Erdgeschoss des Altenheimes der Umbau der Küche kurz vor dem Abschluss. Danach, so der Plan, soll in Ergänzung der Vollzeitpflege in Teilen des alten Küchentraktes eine Tagespflege mit zwölf Plätzen entstehen. Als die Handwerker die Isolierung für den Küchenfußboden verlegen, kommt es zum Feuer, ausgelöst durch eine Gasflasche. 40 Altenheimbewohner müssen zeitweilig evakuiert werden. Glück im Unglück: Niemand wird verletzt. Doch die Schäden sind erheblich. Es braucht Monate, entstandenen Bauverzug wieder aufzuholen. Für sechs Tagesgäste, die bereits eine feste Zusage haben, wird eine Interimslösung im Dachgeschoss des Altenheimes geschaffen. Weitere Interessenten müssen warten.

Dann endlich, im Frühjahr 2017, ist die neue Tagespflege fertig. Alles ist hell und großzügig. Gemütlicher Treffpunkt ist ein Gemeinschaftsraum mit Küche, zudem gibt es kleinere Räume für Therapien, für die Ruhe zwischendurch oder auch für die altersgerechte Bewegung sowie zwei große behindertengerechte Bäder.

In die Tagespflege kommen Gäste aus Luckau und dem Umland mit unterschiedlichen Krankheitsbildern. Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer sind ebenso darunter wie Menschen mit Demenz. „Das Miteinander funktioniert gut. Von Vorteil ist, dass es viel Platz gibt auch für individuelle Betreung, wo sie nötig ist, sagt Monika Pötzsch, Leiterin des Seniorenwohn- und Pflegezentrums. Doreen Rothe, Chefin der Tagespflege, schwärmt von ihrer „tollen Truppe“, die einander hilft, und in der Neulinge schnell Anschluss finden.

„Ich werde hierher kommen, solange es geht“, ist der 87-jährige Wilhelm Schulze sicher. „Zu Hause wäre ich tagsüber allein, hier habe ich Unterhaltung und bin bestens versorgt. Zum Geburtstag haben mir die Frauen eine Torte gebacken“, erzählt er. Dem ehemaligen Gleisbauer gefällt besonders das altersgerechte Bewegungstraining. Andere singen, backen, kochen gern oder mögen es, kreativ zu sein. Auch Spaziergänge und Ausflüge stehen auf dem Programm. Für die 93-jährige Ilse Navrath gehört zu jedem Morgen, wie sie sagt, das Lesen der RUNDSCHAU.

„Jeder macht das mit, was er möchte und kann sich bei Bedarf zurückziehen“, erklärt Doreen Rothe. Die Tagesgäste nutzen die Einrichtung je nach Wunsch und Bedarf zwischen einem und fünf Tagen in der Woche.

Den kürzesten Weg hat Helga Zimmermann, sie hat ihr Zuhause gleich nebenan im betreuten Wohnen. Sie sei noch nicht lange dabei. „Doch ich bin gleich gut aufgenommen worden“, so die 97-jährige Rollstuhlfahrerin.

Doreen Rothe weiß, dass für manche ihrer Gäste der erste Schritt in die Tagespflege viel Überwindung gekostet hat. „Sie glauben, sie sollten ins Heim, fühlen sich abgeschoben. Dabei geht es doch um das genaue Gegenteil. Das Angebot soll helfen, in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben, wenn sich tagsüber kein Angehöriger kümmern kann“, erklärt sie.

Bei kostenfreien Schnuppertagen können Senioren und Angehörige die Tagespflege vor einer Entscheidung kennenlernen. An jedem ersten Dienstag im Monat sind Interessierte zudem um 14.30 Uhr ins Begegnungscafé eingeladen. Wird gefeiert wie jüngst das Frühlingsfest, sitzen Söhne, Töchter, Ehepartner der Tagesgäste mit in der geselligen Runde.