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Ein Gebilde aus 80 000 Flurstücken

Luckau. Nach gut einem Jahr hat sich die Arbeit in der neuen Gebietsstruktur stabilisiert, sagt Karin Schmidt, Geschäftsführerin des Gewässerunterhaltungsverbandes Obere Dahme/Berste. Unsicherheiten bestünden aber nach wie vor bei Eigentümern, deren Flächen neu zugeordnet wurden. Carmen Berg

Am Telefon melden sich Bürger aus Terpt. Warum denn ihr Graben diesmal noch nicht geräumt sei, beklagen sie. Karin Schmidt muss erklären, dass die betroffenen Flächen jetzt zum Nachbarverband gehören. Die Geschäftsführerin hat Verständnis, wenn die Leute zunächst ungläubig reagieren. "Schon für uns selbst war es schwierig, uns zurechtzufinden", gibt sie zu.

Bis Ende 2013 hatten sich die Verbandsgrenzen an den Gemeinde- und Kreisgrenzen orientiert. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg richten sie sich jetzt jedoch exakt an den Wassereinzugsgebieten aus. Zwar sei ein Großteil des früheren Altkreises Luckau weiterhin beim Gewässerunterhaltungsverband "Obere Dahme/Berste" verblieben, doch gerade an den Rändern seien Orte neu zugeordnet worden, mitunter verlaufe die Verbandsgrenze mitten durch Flurstücke, sagt Karin Schmidt.

Für den Verband bedeute das einen enormen Mehraufwand bei der Verwaltung. 80 000 Datensätze mit Flurstücken seien zu pflegen, so die Geschäftsführerin. Dabei hielten sich Zu- und Abgänge in etwa die Waage. Mit 85 000 Hektar sei das Verbandsgebiet etwa gleich groß geblieben, sagt Karin Schmidt. Allerdings führte die Umstellung zunächst zu einem dicken Geldproblem. "Bevor die CD mit den Flurstücken nicht komplett war, konnten keine Beitragsbescheide an die Flächeneigentümer verschickt werden. Aber jetzt sind wir wieder im Rhythmus", ist Karin Schmidt erleichtert. Die Beiträge bleiben mit 8,72 Euro je Hektar für 2015 stabil, kündigt sie an.

Hoffnung für Rosenthal

Größere Investitionen seien aktuell im Altkreis Luckau nicht geplant, so Karin Schmidt weiter. In den Jahren von 2002 bis 2010 hatte der Verband "in Größenordnungen" Kulturstaue saniert und zur Betreibung an die Landwirte übergeben. In Rosenthal beispielsweise bestehe jedoch noch Nachholebedarf. Karin Schmidt sicherte den Bauern dort Abhilfe zu, sobald das entsprechende Förderprogramm wieder anlaufe.

Im Herbst und Winter hatten die zahlreichen Niederschläge die Räumungsarbeiten an den Gräben aufgehalten. "Der Boden war mitunter wie ein Schwamm, konnte nicht befahren werden. Abholzungen waren in der erlaubten Zeit bis zum 1. März teilweise nicht zu schaffen und müssen auf den Herbst verschoben werden", so die Verbandschefin.

Schwerpunkt Windbruch

Seit Ostern stehe die Beseitigung von Windbruch massiv auf der Tagesordnung. Geräumt werde dort, wo Bruchholz den Abfluss verstopfe oder die Baufreiheit fürs Entkrauten der Gräben behindere. Bei 970 Kilometern Wasserlauf im Verbandsgebiet sei der Kontrollaufwand enorm. Hinweise aus betroffenen Regionen seien deshalb hilfreich, sagt die Geschäftsführerin.

Neun Beschäftigte hat der Verband. Die Zahl sei konstant geblieben. Ein Drittel der Gewässerunterhaltung erfolge in Eigenleistung, zwei Drittel werden 2015 für die nächsten drei Jahre ausgeschrieben. Dabei werden die Aufträge künftig auf breitere Schultern verteilt. Zehn Lose nach jeweiligen Flussgebieten sollen für die maschinelle Krautung vergeben werden, vier für Entkrautungen per Hand. "Wo mehrere Firmen im Boot sind, geht es schneller voran", begründet Karin Schmidt diesen Strategiewechsel.

Zum Thema:
In dieser Woche finden die Grabenschauen des Verbandes im Gebiet des Altkreises Luckau statt. Dazu sind interessierte Flächeneigentümer willkommen. Für das ehemalige Amt Golßener Land ist Treff am heutigen Montag, 13. April, um 8 Uhr am Rathaus in Golßen. Für die Stadt Luckau mit Ortsteilen geht es am Mittwoch, 15. April, ab 8 Uhr auf Tour vom Laga-Parkplatz. In Dahme treffen sich Fachleute und Interessierte am Donnerstag, 16. April, um 8 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Für die Gemeinde Heideblick ist Treff am Montag, 21. April, um 8 Uhr an der Gemeindeverwaltung in Langengrassau.