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| 15:27 Uhr

Gefunden
Ein ganzer Schrank voll mit verloren gegangenen Dingen

Brillen und Geldbörsen werden besonders „gern“ verloren. Dass vor allem Kleingegenständen oft abgegeben werden, ist vielen nicht klar.
Brillen und Geldbörsen werden besonders „gern“ verloren. Dass vor allem Kleingegenständen oft abgegeben werden, ist vielen nicht klar. FOTO: Jenny Theiler / LR
Luckau. Das Luckauer Fundbüro sammelt Jahr für Jahr die kuriosesten Sachen. Vieles findet sich bei seinen ursprünglichen Besitzern wieder ein.

Der Schrank, der im hinteren Teil des Luckauer Servicebüros steht, ist unscheinbar und dennoch bis in das letzte Fach mit den verschiedensten Dingen vollgestopft. „Es kommt im Laufe der Zeit so einiges zusammen“, erklärt die Leiterin des Fund- und Servicebüros Luckau Ute Hirsch. In Pappkartons und Plastiktüten werden alle Gegenstände gesammelt, gelistet und kategorisiert, die von ehrlichen Findern in Luckau abgeben werden. Die Verlustgeschichten, die hinter den Fundstücken stecken, sind oftmals plausibel, aber manchmal auch sehr ungewöhnlich, wie Ute Hirsch zu berichten weiß.

Noch immer hält sich das Gerücht „Finden heißt behalten“. So einfach sei die Angelegenheit aber nicht, meint Ute Hirsch. Wer etwas findet, das den Wert von zehn Euro übersteigt, ist dazu verpflichtet, diesen Fund zu melden oder im Fundbüro abzugeben. Andernfalls könnte der Finder wegen Fundunterschlagung sogar im Gefängnis landen. „Natürlich kann man so etwas nur selten nachweisen“, meint die Leiterin des Fundbüros. Lohnen würde sich der Weg zum Fundbüro aber auf jeden Fall, denn der Finder hat eine Chance auf Finderlohn. In Luckau beanspruchen durchschnittlich 30 bis 40 Prozent der Finder einen Finderlohn, der je nach Gegenstand mit dem Eigentümer ausgehandelt wird. „Es kommt allerdings auf den Gegenstand an“, gibt Ute Hirsch zu bedenken. Schmuck und andere Wertgegenstände sind durchaus einen Finderlohn wert, während die Finder von Brillen, Schals oder Mützen im Wesentlichen darauf verzichten.

Wer denkt, dass man nur kleinere Gegenstände verlieren kann, irrt gewaltig. Sogar Fahrräder werden im Laufe des Jahres abgegeben, die wahrscheinlich gestohlen und später vom Fahrraddieb entsorgt wurden. Es geht aber noch kurioser. „In diesem Jahr wurde bei uns ein Brecheisen abgegeben, das offenbar auch niemand vermisst hat“, erinnert sich Ute Hirsch. Am Ende erhielt der Finder das Werkzeug, da sich der Eigentümer nicht mehr gemeldet hat. Je nach dem, wie viele Fundstücke sich im Laufe des Jahres ansammeln, werden auch Versteigerungen organisiert. Die Vorbereitung solcher Auktionen sei allerdings sehr aufwendig. Zuletzt wurden Funsachen vor zwei Jahren in Luckau versteigert. Gegenstände, die auch nach drei Jahren nicht abgeholt wurden, werden entsorgt.

An den mehr oder weniger wertvollen Gegenständen im Fundus des Fundbüros zeichnet sich vor allem die Ehrlichkeit mancher Finder ab. Handtaschen mit komplettem Inhalt, Kleidungsstücke, Schmuck, Elektrogeräte und sogar gefüllte Geldbörsen werden immer mal wieder bei Ute Hirsch abgegeben. „Ich ziehe den Hut vor denen, die sogar Geldscheine abgeben“, lobt sie den Anstand mancher Menschen. Gerade gestohlen gemeldete Geldbörsen sind meistens bereits ausgeräumt, wenn sie gefunden werden. Sofern noch Dokumente wie Personalausweise vorhanden sind, arbeitet das Fundbüro mit dem Einwohnermeldeamt zusammen, um den Finder schnell zu ermitteln.

Doch nicht jeder Eigentümer, der ausfindig gemacht wurde, holt seine Sachen auch wieder ab. „Die Besitzerin einer verlorenen Handtasche wurde per Telefon informiert, hat ihre Tasche aber auch nach drei Jahren nicht abgeholt“, berichtet Ute Hirsch. Die scheinbare Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Besitz hat verschiedene Gründe. Viele Leute kaufen schnell einen Ersatz, wenn sie über das nötige Geld verfügen oder der Gegenstand nicht allzu teuer war. „Wer weniger begütert ist, fragt auch nach mehreren Wochen regelmäßig nach, ob sein verlorenes Handy abgegeben wurde“, erinnert sich Ute Hirsch an einen besonderen Fall. Tatsächlich sei aber den meisten Menschen die Option des Fundbüros und dass sich so viele Gegenstände dort einfinden, nicht bewusst.

Ein wahres Sammelbecken für verloren gegangene Sachen ist das örtliche Schwimmbad. Sobald die Saison vorüber ist, werden alle gesammelten Fundsachen im Luckauer Fundbüro abgegeben. Zu welcher Jahreszeit die meisten Dinge verloren gehen, lässt sich schwer sagen. Laut Ute Hirsch verlieren die meisten Leute ihre Sonnebrillen, Uhren oder Portemonnaies auf Konzerten oder Feierlichkeiten, bei denen viele Menschen zusammentreffen. Der Unterschied zum Winter bestünde darin, dass Gegenstände durch die Schneedecke oftmals erst recht spät gefunden und abgegeben werden.

Ein Blick in das handschriftlich geführte Fundbuch zeigt einige gelb unterlegte Einträge. Hierbei handelt es sich um Gegenstände, die den Weg zu ihren Besitzern zurück gefunden haben. In diesem Jahr sind das ungefähr die Hälfte aller gemeldeten Fundsachen.