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| 14:57 Uhr

Abenteuer
Freesdorfer „war dann mal wech“

Spannend und gewürzt mit Humor erzählt Gerd Paegert über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg.
Spannend und gewürzt mit Humor erzählt Gerd Paegert über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Cartoonist Gerd Paegert erzählt in einem Buch über seine Zeit als Pilger auf dem Jakobsweg. Von Carmen Berg

Auch er war „dann mal wech“. Gerd Paegert aus Freesdorf pilgerte auf dem Jakobsweg. Die Tour per pedes durch Spanien nennt er im  Nachhinein  „die abenteuerlichste und emotionalste Reise meines Lebens.“ Seine Vorbereitungen und Erlebnisse unterwegs hat er jetzt in einem Buch festgehalten. Als Zeichner, Maler und Musiker ist der Autor mit einer humorvollen Ader gesegnet und das Ergebnis kein gewöhnlicher Reisebericht. „Nehmt nicht alles so ernst, was in dem Buch steht und was das Leben für euch bereithält“, so der Tipp von „Jerdchen“ an seine Leser.

Mit 50 wollte es der Freesdorfer noch mal wissen. Im Kino hatte er den Film „Ich bin dann mal weg“ über die Pilgerreise seines Fernsehlieblings Hape Kerkeling gesehen und begeistert für sich beschlossen: „Ditt machste ooch“.

In der Natur sei er immer gern gewesen, erzählt Paegert. Wenn es ihn beruflich in viele schöne Gegenden Deutschlands verschlägt, nutzt er die Feierabende öfter auch zum Wandern.  Aber 800 Klometer am Stück auf dem Camino de France, das sei dann doch ein anderer Brocken. 33 Tage hatte er sich dafür Zeit gegeben, „mehr Urlaub war nicht drin“. Mindestens sechs Wochen sollten es sein, so sein Tipp für alle, die es ihm womöglich nachmachen wollen. Er erzählt, wie er im Vorfeld trainierte, um mit zwölf Kilo Gepäck tägliche Strecken von 25 und mehr Kilometern zu rocken. Ein Trinksystem hatte er ausprobiert und war Treppen gestiegen, um sich als Flachländer auf bergige Etappen vorzubereiten. Große Blasen gab es so manches Mal, und das sollte nicht anders werden, als es dann endlich vom französischen St. Jean Pied de Port auf den Jakobsweg ging.

„Der Weg bestimmt, was mit dir passiert – nicht umgekehrt“, das ist eine von Gerd Paegerts nachhaltigsten Pilgererfahrungen. Weil er für die Anreise zum Startort am 30. April kein Busticket mehr bekommen hatte, machte er sich erst am 1. Mai auf die anspruchsvolle Auftakt-Etappe in den Pyrenäen. Am Vortag aber hatte dort ein Sturm gewütet, der ihm auf diese Weise erspart geblieben ist. Einen anderen Pilger, den Rentner Alfred aus Baden-Württemberg, hatte das Unwetter voll getroffen. Er stürzte einen Hang hinunter und musste von Rettungskräften geborgen werden. „Trotz enormer Blessuren ist er später weitergelaufen, der hat das durchgezogen“, ist „Jerdchen“ noch immer beeindruckt. Neben schönen Dingen in der Natur, „die man nur zu Fuß entdeckt und vom Auto aus nicht wahrnehmen würde“, sind es die Begegnungen mit Menschen aus allen Teilen der Welt, die den Jakobsweg zu etwas Besonderem machen, sagt er. Australier und Wanderer aus Lateinamerika hat der Freesdorfer ebenso getroffen wie Südafrikaner, Pilger aus Sibirien und eine Mutter aus Korea, die mit ihrer achtjährigen Tochter unterwegs war. Auch darüber erzählt er auf die ihm eigene lockere Art auf den gut 400 Seiten, gespickt mit Pilgercartoons und Fotos.

Nach dem Camino sieht Gerd Paegert manches in seinem Alltag anders: „Ich habe Spanien mit über einer Million Schritte zu Fuß erkundet und in mein Herz geschlossen. Hier interessiert es keinen, was du für ein Auto fährst oder wie groß dein Anwesen ist. Hier wird nicht jeder Grashalm in Euro umgerechnet“, sagt er. Mit seinem grünen Rucksack und zwei Wasserflaschen sei er unterwegs gewesen und habe gemerkt:  „Der Mensch braucht keine brechend vollen Supermarktregale.“

Stolz mache es ihn, dass er die Tour durchgehalten hat. Und schon hat der Freesdorfer Lust auf neue Herausforderungen auf Schusters Rappen. Im nächsten Mai will er, diesmal mit seiner Frau, den Lutherweg von der Wartburg in Eisenach bis nach Worms in Angriff nehmen. „Das wird leichter, es sind nur 400 Kilometer“, schmunzelt er.