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| 01:45 Uhr

Ein Faible für Hopfen und Malz

Chris Pachtmann aus Schlabendorf kontrolliert in dem Edelstahlfass den angesetzten Sud. Der 19-Jährige absolviert in der Schlossbrauerei eine Fachausbildung zum Brauer und Mälzer. Foto: lh
Chris Pachtmann aus Schlabendorf kontrolliert in dem Edelstahlfass den angesetzten Sud. Der 19-Jährige absolviert in der Schlossbrauerei eine Fachausbildung zum Brauer und Mälzer. Foto: lh FOTO: lh
Behutsam öffnet Chris Pachtmann den Deckel zum Kupferkessel. Mit einem Maßstab kontrolliert er den brodelnden Bier-Sud. Der 19-Jährige aus Schlabendorf erlernt in der Schlossbrauerei Fürstlich Drehna einen ungewöhnlichen Fachberuf: Er wird zum Brauer und Mälzer ausgebildet. Von Lars Hartfelder

Für Chris Pachtmann beginnt der Arbeitstag um 7 Uhr mit einer morgendlichen Besprechung. Dann geht es an die Arbeit, die ihm auch körperlich einiges abverlangt. "Die Schlossbrauerei ist kein vollautomatischer Betrieb, fast alles ist Handarbeit", sagt der Lehrling. In dem denkmalgeschützen Gebäude müssen die 67 Kilogramm schweren, gefüllten Fässer ohne Maschinen in den Kühlraum transportiert werden. "Das kostet richtig Kraft." Chris Pachtmann befindet sich im dritten Lehrjahr, sein Großvater habe ihn auf die Idee gebracht, sich in Fürstlich Drehna zu bewerben. "Nach zweiwöchigem Probearbeiten habe ich eine Zusage erhalten", erinnert sich der Schlabendorfer. Im September 2007 begann die Ausbildung. Braumeister Mario Jürisch war vom Einsatz des jungen Mannes überzeugt. "Die Arbeit ist sehr vielseitig und nicht für jeden geeignet", erzählt der Ausbilder. So dürften die Arbeiter beispielsweise bei den Innenreinigungen der Tanks keine Platzangst haben. Auch die großen Temperaturunterschiede im Sommer von bis zu 45 Grad Celsius im Brauhaus und bis zu zwei Grad im Kühlhaus würde nicht jeder verkraften. "Das härtet ab. Ich war zwei Jahre nicht mehr krank", sieht Chris Pachtmann einen Vorteil darin. Sauberkeit ist das WichtigsteNeben den Brauer-Tätigkeiten fallen ständig Reinigungsarbeiten an. "Sauberkeit ist das Wichtigste, darauf wird sehr genau geachtet", begründet er. "Die Ausbildung macht Spaß und ist genau das Richtige für mich", sagt der Lehrling, der auf eine Festanstellung hoffen darf. Geschäftsführer Arno Schelzke setzt auf den selbst ausgebildeten Nachwuchs. "Wir kennen dann nämlich den Arbeiter und er kennt die Abläufe in der Brauerei." Zudem sei es Firmenphilosophie, nur Arbeiter aus der Region einzustellen."Die Schlossbrauerei steht auf gesunden Füßen und schreibt schwarze Zahlen", sagt Arno Schelzke. In diesem Jahr produziert der Betrieb der Germania Brauerei GmbH rund vier Millionen Flaschen. Der Gesamtumsatz sei nach Unternehmens-Angaben in den vergangenen Produktionsabschnitten jährlich um fünf bis zehn Prozent gestiegen. "Die Schlossbrauerei hat keine finanziellen Lasten. Wir lehnen Investitionskredite völlig ab", sagt Schelzke. Deutschlandweiter VertriebMit starken Nischenprodukten habe sich die kleine Firma deutschlandweit und in einigen Nachbarländern im Bereich der Spezialbiere etabliert. "Wir sind von Sylt bis zur Zugspitze im Handel vertreten, unter anderem in der Edeka-Gruppe in Berlin." In der Region falle die Nachfrage dagegen bescheiden aus. Lediglich der Getränkehandel Luchmann in Luckau und der Getränkehandel Golßen (Brauerei Gliech GmbH) führen das komplette Sortiment. Auch im Gastronomie-Bereich gebe es bis auf die Gaststätte "Zum Hirsch" in Fürstlich Drehna keine Verträge. Als Grund für das schwierige Fußfassen in der Region nennt Arno Schelzke den Preis. "Unsere Produkte bewegen sich nicht im Discount-, sondern im Luxusbereich." Eine Flasche Bier koste zwischen 1,49 Euro und zwei Euro. Deshalb sei die Firma auch im Veranstaltungs-Geschäft nicht vertreten, weil sie mit den Preisen nicht mithalten könne. Die Kapazitäten in der historischen Schlossbrauerei würden eine größere Produktion ohnehin nicht zulassen. "Wir werden aber keine neue Brauerei auf einer grünen Wiese bauen", betont der Geschäftsführer, der die Schlossbrauerei "in zehn Jahren mit einer gesunden Umsatz-Entwicklung an gleicher Stelle" sieht. "Der Geschmack der Region" werde nachgefragt. Für die Schlossbrauerei sei es wichtig, authentisch zu bleiben. Derzeit arbeiten in Fürstlich Drehna, einschließlich der Verwaltung, 15 Mitarbeiter. Eine Neueinstellung sei in den nächsten Wochen geplant. Neues Produkt im Jahr 2010Für das kommende Jahr kündigt Arno Schelzke eine Überraschung an: "Wir werden ein neues Produkt auf den Markt bringen, an dem wir seit zwei Jahren geforscht haben." Das Unternehmen befinde sich diesbezüglich derzeit in Verhandlungen mit einer Supermarktkette.