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| 01:09 Uhr

Ein-Euro-Jobbern stinkt es

Gießmannsdorf.. „Puh, das stinkt eklig. Wer schmeißt nur solch einen Dreck hier hin?“ Sylvia Akinzi ist sauer. „Stinksauer“ , sagt sie und zieht ihre Stirn in Falten. Ihren Mitstreitern geht es nicht anders. Auch sie räumen seit Tagen den Müll anderer Leute weg. Batterien, alte Reifen und Möbelstücke, Kühlschränke, Hausmüll ohne Ende lagern auf einer illegalen Mülldeponie bei Gießmannsdorf. „Ich find’ das entwürdigend. Für 1,30 Euro anderen den Dreck nachzuräumen.“ Von Andreas Staindl

Sylvia Akinzi zieht einen alten Sack aus dem Gestrüpp. Weil der zerreißt, fallen benutzte Windeln raus. Die Luckauerin hält sich die Nase zu. „Total versifft, einfach abstoßend.“ Und das mitten in der Idylle: Wald, Vogelgezwitscher, Sonne. Der tonnenweise Müll wirkt wie ein Fremdkörper.
Die illegale Deponie befindet sich nur wenige hundert Meter vom Luckauer Ortsteil Gießmannsdorf entfernt. Ein gut befahrbarer Feldweg führt dorthin. Am Eingang steht ein Schild, offenbar vergessen. „WGS Bau GmbH Luckau-Eigentümer“ steht darauf. „Die Firma ist pleite, betrieb dort eine Kiesgrube“ , erzählt Oberförster Burkhard Nass. Jetzt gleicht das unebene Gelände einem Schlachtfeld.
„Die sind mit ihren Fahrzeugen einfach oben an die Kante gefahren und haben den Müll in das Loch gekippt“ , vermutet einer der älteren Arbeiter. Wer „die“ sind, lässt sich nicht mehr nachweisen. „Das gelingt fast nie. Die Zeche zahlt meist der Steuerzahler“ , ärgert sich Nass. Allein im Bereich seiner Oberförsterei Luckau wird jährlich ein fünfstelliger Betrag für die Beräumung von Müll aus den Wäldern fällig. „Das Gesetz verpflichtet uns dazu, unabhängig vom Eigentümer.“
Bei der Beräumung der Gießmannsdorfer Deponie kooperieren der Forst, das Umweltamt des Landkreises Dahme-Spreewald und der Kommunalen Abfallentsorgungsverband (KAEV). Dessen Dienstleister Costar übernimmt die Entsorgung. „Ich habe ja schon einige Dreckecken beräumt. Aber das hier ist die Krönung“ , sagt Gerhard Hoetzel und schüttelt mit dem Kopf. Der Costar- Mitarbeiter fährt mit einem Radlader die schweren Reifen aus der Grube. Und die großen Säcke, die die anderen Helfer mit Müll vollstopfen.

Der „Knochenjob“ kostet Kraft
„Das ist so mühsam, pure Handarbeit, ein Knochenjob“ , schimpft ein junger Mann. Doch er macht die Arbeit, wenn auch widerwillig. „Was soll ich tun„ Meine Leihfirma hat mir diesem Job verpasst“ , erklärt er. Jetzt fährt er täglich von Fürstenwalde ins 60 Kilometer entfernte Gießmannsdorf, um Dreck zu räumen. „Immer noch besser als gar keine Arbeit.“
Sylvia Akinzi fühlt sich erniedrigt. „Ich würde lieber Unkraut hacken. Klar, raus aus dem Wald muss der Müll. Das hätte schon viel eher passieren müssen.“
Vor allem Leiharbeiter und Ein-Euro-Jobber sind auf der illegalen Mülldeponie im Einsatz. Einige von ihnen werfen starke Äste vor den Radlader, damit sich das schwere Gerät nicht im losen Sand festfährt. „Hier ist ein Beweisstück“ , ruft plötzlich ein anderer und reckt triumphierend ein Autokennzeichen in die Höhe: samt TÜV-Plakette von 1993. Der Oberförster dämpft die Erwartungen: „Auch wenn man den Halter ermittelt. Der Nachweis, dass er seinen Schrott hier entsorgt hat, dürfte schwer werden.“

40 Reifen als Sondermüll entsorgt
Auch etwa 40 Reifen müssen auf Staatskosten entsorgt und geschreddert werden. „Weil das Sondermüll ist, macht das pro Reifen 120 Euro“ , sagt Burkhard Nass. Gerhard Hoetzel achtet auf die ordnungsgemäße Trennung des Mülls. Ausgelaufene Batterien, Farbbüchsen, verrostete Fässer. „Ist der Inhalt giftig“ Ich weiß es nicht.“ In einer Senke liegt ein alter Lada. „Da hat sich wohl beim Einparken jemand verschätzt und den PKW in die Grube gesetzt“ , scherzt einer der jüngeren Helfer. Wirklich zum Lachen ist niemand zumute.
„Für solch eine schwere und eklige Arbeit könnte man uns ein paar Euro mehr geben“ , sagt Sylvia Akinzi. „Erst recht“ , als sie vom Oberförster erfährt, dass die Zeit drängt. „Ab 1. Juni gilt ein neues Abfallgesetz. Dann wird die Entsorgung noch teurer.“
Der Einsatz bei Gießmannsdorf soll nach ersten Schätzungen etwa 10 000 Euro kosten. „Ohne die Ein-Euro-Jobber wären die Kosten noch weit höher“ , sagt Antje Retzlaff vom Umweltamt des Kreises. Sie weiß, „dass die Leute Schwerstarbeit leisten. Diese illegale Deponie gehört im Süden des Dahme-Spreewald-Kreises zu den größeren Posten. Ich bin froh, dass wir bald wieder eine Dreckecke weniger haben.“