| 02:43 Uhr

Ein Dorf feiert seine Geschichte

Die Schäferstube der Familie Frank gehörte zu den Hinguckern des Festumzugs.
Die Schäferstube der Familie Frank gehörte zu den Hinguckern des Festumzugs. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Kemlitz. Besser, vor allem attraktiver, kann man an Geschichte kaum erinnern. Der Festumzug am Samstagnachmittag in Kemlitz (Stadt Dahme) war ein Streifzug durch die vergangene Zeit. Andreas Staindl / asd1

Vielleicht nicht durch alle acht Jahrhunderte, aber wichtige Ereignisse und Zeitzeugnisse wurden schon deutlich gemacht.

Der Umzug war einer der Höhepunkte der Feierlichkeiten anlässlich des 800. Geburtstags von Kemlitz. Auf etwa 25 Wagen wurde Geschichte des Ortsteils präsentiert. Altes Handwerk gehört dazu. So wie das von Hans-Joachim Winkelmann: "Ich habe 63 Jahre als Stellmacher im Volksgut in unserem Ort gearbeitet." Sein Werkzeug hat er noch immer. Das hat der rüstige Senior auf einem großen Wagen während des Umzugs präsentiert. Auch an die Bienenzucht und den Tabakanbau hat er mit Exponaten erinnert. "Alles Dinge, mit denen sich unsere Familie beschäftigt." Sohn Steffen hatte die Idee für den repräsentativen Wagen. Er hatte den historischen Traktor vorgespannt, eine dicke Zigarre im Mund. Sein Vater war sicherlich einer der ältesten Teilnehmer des Umzugs. Hans-Joachim Winkelmann wurde vor wenigen Tagen 82 Jahre alt.

Während er das Original ist, trug Sophia Jahn die FDJ (Freie Deutsche Jugend)-Bluse ihres Vaters. Erinnerung an jene Zeit hat sie nicht, und kann sie auch gar nicht haben. Ihr Opa Reinhard Jahn dagegen schon. Er steuerte am Samstag den Traktor mit dem Hänger. Neben seiner Enkelin hatte dort Horst-Dieter Richter Platz genommen. Er trug eine Uniform, repräsentierte die Ortsgruppe Kemlitz des Schützenvereins Dahme/Mark. Die Ortsgruppe gebe es zwar nicht offiziell, "doch ich will zeigen, dass zahlreiche Mitglieder unseres Schützenvereins aus Kemlitz und umliegenden Dörfern kommen". Zu einem Schützenverein gehört oft eine Kanone. Horst-Dieter Richter hatte gleich zwei dabei. Die Nachbildung einer Handkanone war mit drei Liter Rotwein gefüllt, als Wegzehrung für unterwegs. Tradition gemischt mit einem Schuss Humor, vor allem mit viel Liebe zum Detail. Das war auf jedem der Wagen zu sehen.

Die Bewohner von Kemlitz-Ost haben sich gemeinsam präsentiert. "Wir stellen unsere Hobbys dar", erklärt Franziska Sallmann. Den Utensilien nach gibt es etwa Angler, Jäger, Schützen und Sammler von alten Schallplatten in dem Wohngebiet. Auch auf das Sattler-Gewerbe wurde aufmerksam gemacht. Franziska Sallmann erinnerte damit an eine alte Familientradition.

Uwe Steller hatte den organisatorischen Hut für die repräsentative Kutsche "Kemlitz-Ost" auf. Philip Kopsch hat die Kutsche mit dem Traktor gezogen. Teilnehmer des Festumzugs kamen auch aus benachbarten Dörfern - etwa aus Rosenthal. Während die Damen dieses Orts in Flämingtracht mitliefen, sangen die Herren mit ihren schwarzen Zylindern auf dem Wagen. Ortsvorsteher Andre´ Weigt gehörte mit zu der Sängergruppe "Rosenthaler Habenichtse", die den Festumzug singend mitgestaltete.

Fabian Ernst ist nicht mit durchs Dorf gezogen. Der junge Schwebendorfer hatte seinen "Lanz Bulldog" auf der Festwiese geparkt. Den Ackerschlepper hat er für das Schroten gebraucht. "Schauvorführungen sind wichtig, um an alte Traditionen zu erinnern", sagt er. "Wenn wir junge Leute nicht dafür interessieren, geht altes Handwerk irgendwann verloren."

Mit dem Festumzug wurde an so manches einschneidende Ereignis sowie an wichtige Akteure und Gruppen in Kemlitz erinnert. Etwa an den Dorfbrand im Jahre 1843 - dargestellt von der Freiwilligen Feuerwehr des Orts, an die Poststelle, die Krankenschwester und Arztstation, die Ortsgruppe des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (DFD) oder den Sportverein "Traktor". Der Pausenwagen der Feldarbeiter rollte ebenso mit wie die Jagdgenossenschaft des Dorfs und das Museum "Schäferstube-Heimatgeschichte" auf dem Gutshof der AWO.

Auch an die Dorfschule wurde erinnert. Senioren des Orts fuhren auf dem Kremser mit. Ortsvorsteher Fred Tzschoppe und seine Frau gingen an der Spitze des Umzugs, der vom Spielmannszug aus Dahme begleitet wurde. Schon am Freitagabend wurden die Feierlichkeiten mit einem Festgottesdienst in der Kirche eingeläutet. Nach dem Festumzug am Samstag gab es ein buntes Programm für die Gäste. Am Sonntag wurde zum musikalischen Frühschoppen eingeladen.