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Ein Defibrillator für die Luckauer Kirche

Manfred Walter vom Büro IFS erklärt in der Nikolaikirche die Funktion des externen Defibrillators. Laien können mit dem Gerät Menschen retten, wenn nach Kammerflimmern jede Sekunde zählt.
Manfred Walter vom Büro IFS erklärt in der Nikolaikirche die Funktion des externen Defibrillators. Laien können mit dem Gerät Menschen retten, wenn nach Kammerflimmern jede Sekunde zählt. FOTO: be
Luckau. Ein Notfallkoffer mit Defibrillator ist seit Donnerstag in der Luckauer Nikolaikirche stationiert. Mit dem mobilen Gerät, dem ersten dieser Art in Luckau, können Laien Menschen bei bedrohlichem Kammerflimmern das Leben retten. Carmen Berg

Die Nikolaikirche fasst mehr als 1000 Besucher. Bei Großveranstaltungen wie der Christmette oder Konzerten ist sie bis auf den letzten Platz gefüllt. Es komme dann häufiger vor, dass Gäste kollabieren, wenngleich bisher noch nie lebensbedrohlich, erzählt Pfarrerin Kerstin Strauch. Doch seien solche Erfahrungen Anlass gewesen, sich für den Rettungskoffer in der Kirche zu entscheiden. Realisiert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Institut Stadtmarketing Lorenz (IFS) Heilbronn. Die Kosten, die samt Installation und Wartung fünfstellig werden können, übernehmen eine Vielzahl von Sponsoren aus der Stadt und der Region. Neben Mitgliedern der Kirchengemeinde sind auch beteiligte Firmenvertreter zur Übergabe des Koffers in die Kirche gekommen.

Installiert wird der mobile Defi an einer Säule im Eingangsbereich. Ein weißes Herz mit grünem Blitz auf grünem Untergrund soll verhindern, dass das Gerät mit einem normalen Erste-Hilfe-Koffer verwechselt wird.

Wie IFS-Vertreter Manfred Walter erklärt, kommt der externe Defibrillator bei lebensbedrohlichen Zuständen nach Kammerflimmern zum Einsatz. Es kann Menschen jeden Alters an jedem Ort unvermutet treffen. Mehr als 100 000 Mal passiere das im Jahr deutschlandweit, sagt Manfred Walter. Wenn das Herz dramatisch ins Chaos gerät, werden Betroffene nach wenigen Sekunden ohnmächtig. Das Gehirn bekommt zu wenig Sauerstoff, was schon nach vier Minuten zu irreversiblen Schäden führe. Nach acht Minuten bestehe kaum noch Hoffnung. "Eine zu kurze Zeit, um auf Profi-Retter zu warten", sagt Manfred Walter.

Der Defibrillator ist ein elek trischer Schockgeber, der das Herz wieder stimuliert, bis der Notarzt kommt. Denn pro Minute, die verstreicht, sinke die Überlebenschance des Patienten um zehn Prozent, erklärt Manfred Walter.

Gerät gibt Anleitung

Zur Demonstration öffnet er den Koffer. Automatisch wird die Rettungs-Leitstelle informiert. Die Fachleute können zugeschaltet bleiben, was den Ersthelfern Sicherheit gibt. Der Laien-Defibrillator erkennt, ob eine Schockgabe nötig ist und bestimmt auch die Stärke. Für die Helfer sei es wichtig, ruhig zu bleiben und den akustischen Anweisungen des Gerätes zu folgen, so bei der Herzdruckmassage, während der Rhythmusanalyse oder der Schockgabe mittels der auf den Brustkorb aufgesetzten Sensoren, so der IFS-Vertreter.

"Bei aller Begleitung wird es im Ernstfall sicher Überwindung kosten, das Gerät in Gang zu setzen. Aber nichts machen ist keine Alternative", spricht Kerstin Strauch wohl den anderen Gästen bei der Kofferübergabe aus der Seele. Mehrere Mitglieder der Kirchengemeinde haben sich deshalb bereits in Vorbereitung auf das Projekt näher mit der Funktionsweise des Defibrillators vertraut gemacht, erzählt sie. Näheres zum Gerät soll zudem im nächsten kirchlichen Gemeindebrief sowie im Luckauer Lokalanzeiger veröffentlicht werden, kündigt sie an.

"Im Notfall Leben zu retten ist ein Anliegen, dass jede Unterstützung verdient, begründet Hannes Schliebner von den Stadt- und Überlandwerken Luckau-Lübbenau, warum sich der regionale Energieversorger zusammen mit vielen weiteren Firmen finanziell beteiligt. In einem neuen Schaukasten vor dem Gotteshaus werden sich demnächst die Unternehmen präsentieren und damit zugleich um Nachahmer werben.

In der Region Luckau-Lübben ist der externe Laien-Defibrillator in der Nikolaikirche ein Novum. "In Holland hängen solche Geräte in jedem Supermarkt, Deutschland tut sich allgemein schwer damit", bedauert Manfred Walter.

Hoffen auf Nachahmer

Pfarrerin Kerstin Strauch hat bei der Kofferübergabe zwei Wünsche. "Dass der Defi in unserer Kirche möglichst nie zum Einsatz kommen muss und dass andere in der Region trotzdem unserem Beispiel folgen".