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| 15:39 Uhr

Tag der Altenpflege
Ein Dank an die stillen Helfer

Zum 13. Mal haben der Seniorenbeirat und die Stadt Luckau unlängst bei einem Tag der Altenpflege Menschen geehrt, die sich aufopferungsvoll um hilfebdürftige Angehörige kümmern.
Zum 13. Mal haben der Seniorenbeirat und die Stadt Luckau unlängst bei einem Tag der Altenpflege Menschen geehrt, die sich aufopferungsvoll um hilfebdürftige Angehörige kümmern. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Seniorenbeirat und Stadt würdigen Luckauer, die mit viel Herz Angehörige pflegen. Von Carmen Berg

„Hoch auf dem gelben Wagen“ singt Luckaus Pfarrer Martin Meyer mit den Gästen zum Tag der Altenpflege im Mehrgenerationenhaus. Das bekannte Volkslied spiegelt das Leben als Reise wieder, die wie im Flug vergeht. „Wir leben länger, werden aber längst nicht alle gesund alt“, sagt Horst Brodatzki, Vorsitzender des Luckauer Seniorenbeirates.

80 Prozent der betagten Menschen wünschen sich Erhebungen zufolge einen Lebensabend in der vertrauten Umgebung. Wo das nicht möglich sei, wo niemand da sei, der sich kümmern kann, folge oft der Zusammenbruch, so erlebt es Pfarrer Meyer in seiner seelsorgerischen Arbeit.

Claudia Brüschke hat über Jahre der Schwiegermutter und später dem Schwiegervater Beistand geleistet. Sie war auch da, als der eigene Vater ganz überraschend pflegebedürftig wurde. Um ihn betreuen zu können, baute die Familie ihr Grundstück um. „Die Eltern haben ein Leben lang für die Kinder gesorgt, nun ist es umgekehrt“, macht Claudia Brüschke um ihren Einsatz nicht viele Worte.

Pflegebedürftigkeit sei für Betroffene und Angehörige ein tiefer Einschnitt. „Manchmal ist von einem Tag zum anderen nichts mehr wie es war“, sagt sie. Doch sie sei froh, die Pflege zu Hause ermöglichen zu können.

Claudia Brüschke und fünf weitere ehrenamtlich Pflegende werden beim Tag der Altenpflege geehrt. „Wir wollen Danke sagen für einen Einsatz, der oft bis zur phyischen und psychischen Leistungsgrenze führt,“ sagt Horst Brodatzki. Die gemeinsame Veranstaltung von Seniorenbeirat und Stadt hat Tradition. Es sind berührende Geschichten von Schicksalsschlägen, aber auch von Tatkraft und Mut, die an diesem Nachmittag zu hören sind.

Da sind beispielsweise Waltraud Gajewski und Helga Kliemann. Seit Jahrzehnten geben die beiden Mütter ihren behinderten Kindern Rückhalt. Als sie von Horst Brodatzki und der stellvertretenden Bürgermeisterin Birgit Lehmann die Dankeschön-Urkunden entgegennehmen, sind die Tochter, der Sohn ganz selbstverständlich mit dabei.

Ellen Oder-Lehmann betreut schon seit 2014 ihren inzwischen 90-jährigen Vater allein. Obwohl ihr Wohnort nicht Luckau ist, lebt sie zurzeit hier, um rund um die Uhr für den Vater sorgen zu können.

Ruth Kalz pflegte ihre Schwiegermutter und die Mutter. Als dann ihr Mann im Vorjahr schwer erkrankte und über Monate in einer Spezialklinik um sein Leben rang, mietete sie sich in einer Pension ein, war immer an seiner Seite. Diese liebevolle Fürsorge habe zur Genesung beigetragen, heißt es in der Laudatio.

Gisela Schulze wurde von der Dorfgemeinschaft und der Kirchengemeinde des Ortsteils Zieckau für die Ehrung vorgeschlagen. Ihre Fürsorge für Mutter Gertrud ging weit über eine Versorgung hinaus. Obwohl selbst nicht kirchlich, habe Gisela Schulze der gläubigen Mutter, als diese das Bett nicht mehr verlassen konnte, aus der Bibel vorgelesen, ihr vom Geschehen in der Gemeinde erzählt und damit bis ans Ende ein Stückweit Freude ins Leben gebracht.

Von den rund 9500 Luckauern werden Prognosen zufolge im Jahr 2020 rund 2400 Männer und Frauen älter als 65 Jahre sein, das sind fast zehn Prozent mehr als noch 2013. Für ein Altern in Würde seien gegenseitige Hilfe in der Familie, im Verwandtenkreis, in der Dorfgemeinschaft unverzichtbar, sagt Horst Brodatzki. Den stillen Helfern solle der Tag der Altenpflege jene Wertschätzung vermitteln, die sonst in der Öffentlichkeit meist fehlt.

Claudia Brüschke strahlt trotz der Herausforderung als Pflegende viel Optimusmus und Zuversicht aus. Ihr Rezept: Die Familie mit Mann und Töchtern, nehme die Aufgabe gemeinsam an. Und: „Es ist wichtig, die Freude am Leben auch dann nicht zu verlieren, wenn die Dinge nicht mehr so einfach sind, wie sie waren.“ Sie selbst engagiert sich in der Theaterloge und im Studio 77, tankt dabei neue Kraft.