Von Birgit Keilbach

Unser Leben ist endlich. Ins Bewusstsein dringt den meisten Menschen diese Erkenntnis  erst dann, wenn sie selbst oder ein naher Angehöriger unheilbar erkranken. In dieser besonderen Situation tut es gut, nicht allein gelassen zu werden. Der Welthospiztag rückt jedes Jahr am zweiten Samstag im Oktober die oft tabuisierten Themen Sterben und Trauer als wichtigen Teil des Lebens in den Blick. Die Hospizarbeit spielt dabei eine bedeutsame Rolle.

Die Gruppe der ehrenamtlichen Hospizbegleiter der Malteser in Luckau ist jetzt um weitere sieben Mitglieder gewachsen. Seit Januar absolvierten die Frauen den Kurs „Sterbende begleiten lernen.“ Passend zum Anlass erhielten sie am Samstag ihre Zertifikate.

Ehrenamtliche Hospizbegleiter stehen Menschen in den letzten Monaten, Wochen oder Tagen ihres Lebens zur Seite. Sie halten die Hände, hören zu – sind einfach da. Sensibel fühlen sie sich ebenso in die Situation der Angehörigen ein, geben ihnen Kraft und Halt. „Das ist wichtig, weil Angehörige schnell in eine Rolle kommen, in der sich alles nur noch um den zu pflegenden, sterbenden Angehörigen dreht.  Als neutrale Gesprächspartner sind Hospizbegleiter Seelsorger, Beistand, Tröster und Mutmacher für alle Betroffenen“, sagt Katrin Brauer, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes der Malteser im Spreewald.

Gabi Tulke begann sich mit den Themen unheilbare Krankheiten und Sterben intensiver zu befassen, als das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin mit dem Bau des Hospizes in Luckau begann. Sie arbeitet im vom gleichen Träger betriebenen Haus „Kapernaum“, wo Menschen mit schweren Handicaps ein Zuhause haben. „Einige Bewohner sind schon verstorben, bisher alle im Krankenhaus. Es ist aber auch möglich, dass jemand in der Einrichtung verstirbt. Darauf wollte ich mich mit dem Lehrgang vorbereiten“, nennt Gabi Tulke ihre Beweggründe. Die Schulungen hätten dazu beigetragen, dass sie die Bewohner in ihren Gefühlen besser wahrnehme. „Ich kann aus ihrer Mimik und Gestik mehr entnehmen als vorher, kann schon am Gesicht erkennen, wie sich jemand fühlt oder was er sich wünscht“, so die 53-jährige Luckauerin.

Sonja Sternal fand bereits vor acht Jahren den Weg zur Gruppe der ehrenamtlichen Hospizbegleiter in Luckau. Eine Kollegin im evangelischen Seniorenzentrum habe die Pflegefachkraft damals ermutigt. Doch kurz darauf musste Sonja Sternal selbst einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Ihre Tochter erkrankte an Krebs, verstarb im Alter von 22 Jahren. „Ich war froh, dass mich diese Helfergruppe aufgefangen und mich in meiner Trauer begleitet hat. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Nun hat die 50-Jährige den Lehrgang absolviert, will ihre eigenen Erfahrungen weitergeben, anderen Menschen Trost spenden, ihnen helfen. „Ich will etwas von dem zurück geben, was ich selbst erfahren habe“, sagt sie.

Doris Grundey hat keine Berührungsängste mit dem Thema Sterben. „Ich habe in einer großen Familie mit mehreren Generationen unter einem Dach gelebt. Bei uns wurden die Großeltern und weitere Verwandte zu Hause gepflegt und konnten dort auch im Familienkreis sterben“, erzählt die 62-jährige Gehrenerin. Sie sieht in der ehrenamtlichen Hospizarbeit für sich eine sinnvolle Aufgabe. „Ich kann Menschen Zuwendung schenken, die dieser auch bedürfen.“ Der Lehrgang sei sehr praxisverbunden gewesen. Er habe ihr viele Erfahrungen vermittelt und das Selbstbewusstsein gestärkt. „Und er hat mir Mut gegeben, für die Begleitung mir fremder Menschen, einerseits der Sterbenden und andererseits auch der Angehörigen“, sagt Doris Grundey.

Denn die ehrenamtlichen Hospizbegleiter kommen als Außenstehende in die Familien. „Das Besondere an dieser Begleitung ist, dass jede Familie aus ihrem ureigenen Geheimnis schöpft und wir daran teilhaben dürfen“, beschreibt Katrin Brauer einer über Wochen oder sogar Monate dauernden Prozess der Belgeitung.