ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:04 Uhr

Wegen Platz-Not
Büros in der Bibliothek?

Die Ehrenamtlichen Olaf Doil, Marthel Behrens und Anita Eule in einem der Räume, für die es Begehrlichkeiten gibt. Ein Schreibtisch fehlt bereits.
Die Ehrenamtlichen Olaf Doil, Marthel Behrens und Anita Eule in einem der Räume, für die es Begehrlichkeiten gibt. Ein Schreibtisch fehlt bereits. FOTO: Carmen Berg / LR
Dahme. Ehrenamtler lehnen die Idee der Dahmer Verwaltung ab und beklagen schlechten Stil. Von Carmen-Sylvia Berg

Mit dem Beitritt der Gemeinde Niederer Fläming wächst die Amtsverwaltung um zwölf auf 35 Mitarbeiter. Der Platz ist knapp im Rathaus und ein Raumkonzept noch in Arbeit. Vor dem vergangenen Amtsausschuss hatte Amtsdirektor David Kaluza (parteilos) Räumlichkeiten der Bibliothek als eine Möglichkeit ins Gespräch gebracht.

Wenngleich der Verwaltungschef betonte, die Einrichtung solle auf keinen Fall geschlossen werden, sorgte das Begehren im ehrenamtlichen Bibliotheksteam für Betroffenheit. „Warum hat keiner mit uns geredet, bevor das Vorhaben öffentlich wird?“, beklagte Marthel Behrens am Dienstagabend vor dem Fachausschuss für Freiwillige Einrichtungen den schlechten Stil. Seit mehr als zehn Jahren halten die Ehrenamtler einmal wöchentlich die Ausleihe offen, kümmern sich um Nachschub aus der Kreisbiliothek in Luckenwalde, gestalten Lesungen und Bibliotheksführungen für Schulklassen.

Angefangen hatte das Team in zwei Räumen des Museums. Doch richtig Aufschwung habe der Umzug in den früheren Ratskeller gebracht, sagte Marthel Behrens. „Die zentrale Lage und der barrierefreie Zugang finden Zuspruch bei Senioren genau so wie bei jungen Müttern.“

Mitbegründerin und Team-Leiterin Barbara Häcker, die aus Gesundheitsgründen nicht zum Ausschuss kommen konnte, sprach in einem berührenden Brief von „einer Missachtung unserer ehrenamtlichen Tätigkeit“. Sie erklärte, dass eine Bibliothek Fläche brauche, um den Bestand fachgerecht zu klassifizieren und zu pflegen. Das geschehe in den hinteren Räumen, die sich aus Verwaltungssicht als Büros eignen würden. Zudem lagern dort auch weitere Medien, die nicht alle im vorderen Raum der Ausleihe untergebracht werden könnten. Marthel Behrens ergänzte: „Als Mensch vermisse ich, dass bisher niemand von der Verwaltung den Weg zu uns gefunden hat, obwohl uns nur ein paar Schritte trennen“. Für die Raumnot hätten sie Verständnis. „Aber es kann doch nicht angehen, dass es außer der Bibliothek keine anderen Möglichkeiten geben soll.“ Die Freiwilligen berichteten, wie irritiert sie gewesen seien, als ein Schreibtisch abtransportiert wurde und neue Mitarbeiter begeistert von schönen Büros sprachen, „ohne dass wir wussten, was los ist“.

Der stellvertretenden Amtsdirektorin Christina Denkel zufolge sollen bis Mitte des Jahres möglichst alle Mitarbeiter nach Dahme umgezogen sein. Momentan würden sich teils drei Mitarbeiter kleine Zimmer teilen. Eine Einschränkung der Bibliothek könne nur eine Zwischenlösung sein. Langfristig müsste ein anderer Standort gefunden werden.

Ausschuss-Vorsitzender Karsten Schmidt (Freie Wähler) sprach das Procurand-Seniorenzentrum an, wo Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert worden sei. Die Ehrenamtlichen lehnten einen erneuten Umzug jedoch ab: „Die meisten von uns sind über 70. Dann hören wir auf“, so Marthel Behrens.

Frank Donath (Die Linke) sagte: „Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit weiterer Büros, geht es hier um die Art und Weise. Nicht erst jetzt hat sich in manchen Verwaltungsstuben Überheblichkeit breit gemacht.“ Dahmes ehrenamtlicher Ortsbürgermeister Jürgen Reder (SPD) erklärte, auch ihm sei neu, was passieren soll. „Man muss eine Lösung finden, aber das funktioniert nicht übers Knie. Man muss mit den Menschen reden“, sagte er.

Das soll nun umgehend nachgeholt werden, so der Auftrag des Ausschusses an die Verwaltung. Zudem werden weitere Optionen geprüft, unter anderem auch Möglichkeiten in der alten Post.

Blick in die Ausleihe. Dicht stehen hier die Regalreihen mit Lesestoff.
Blick in die Ausleihe. Dicht stehen hier die Regalreihen mit Lesestoff. FOTO: Carmen Berg / LR