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| 14:32 Uhr

Freunde fürs Leben
Ein Wiedersehen mit Luckau

Deutsch-kolumbianische Freundschaft. Vorn.v.li.: Mutter Claudia Maria Jaramillo,  José, Vater Mauricio Jaramillo.  Elias.  Hinten v.li.: Elke Schirmer, Volker Neumann, Musikschullehrer Tobias Gajewski und Andrea Martin.
Deutsch-kolumbianische Freundschaft. Vorn.v.li.: Mutter Claudia Maria Jaramillo, José, Vater Mauricio Jaramillo. Elias. Hinten v.li.: Elke Schirmer, Volker Neumann, Musikschullehrer Tobias Gajewski und Andrea Martin. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Die ehemaligen  Gastschüler des Luckauer Bohnstedt-Gymnasiums José und Elias aus Kolumbien bleiben auch als Studenten dem Spreewald eng verbunden. Von Andreas Staindl

Das Bohnstedt-Gymnasium in Luckau hatte jetzt Besuch aus Kolumbien. Die Familie Jaramillo war dort zu Gast. Die Brüder Elias (22) und José (19) waren an ihre einstige Wirkungsstätte zurückgekehrt. Sie hatten 2012 (Elias) und 2015 (José)  die Schule dort besucht. Die Austauschschüler waren damals für ein halbes Jahr in Deutschland, lebten bei ihren Gasteltern Elke Schirmer und Volker Neumann. Jetzt gab es ein Wiedersehen nicht nur mit den kolumbianischen Brüdern, sondern auch mit deren Eltern.

Mutter Claudia Maria Jaramillo Velez und Vater Mauricio Alberto Alvarez Lopez waren nicht zufällig in Deutschland. Sie wollten sich jene Orte anschauen, an denen ihre beiden Söhne gelernt, gelebt und ihre Freizeit verbracht hatten. Das Gymnasium in Luckau gehört dazu.

Elias erinnert sich gern zurück: „Ich hatte hier eine sehr schöne Zeit. Die Qualität des Unterrichts ist deutlich höher als bei uns in Kolumbien.“ Die positiven Erfahrungen in Luckau hatten ihn bestärkt, in Deutschland zu studieren. „Ich habe es nicht bereut.“ Seit etwa vier Wochen hat er seinen Bachelor-Abschluss in der Tasche. Der 22-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule in Wildau studiert. Jetzt peilt er den Master an - ebenfalls in Wildau.

Sein jüngerer Bruder José will ihm folgen. Auch er plant, Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule im Norden des Landkreises Dahme-Spreewald zu studieren. „Elias hat mir so viel Gutes über das Studium hier in Deutschland erzählt. Das hat meinen Wunsch bestärkt, auch hier zu studieren.“

Der 19-Jährige befindet sich derzeit in der Vorbereitungsphase, die er in Mainz (Rheinland-Pfalz) absolviert. Der Besuch in Luckau war auch für ihn eine Herzensangelegenheit. „Es war hier wunderschön.“

Die Spanisch-Lehrerin Andrea Martin erinnert sich: „Die beiden Brüder haben den Unterricht bereichert. Sie waren sehr gut im Klassenverband integriert. Es war einfach eine schöne Zeit mit ihnen.“ Auch Gastmutter Elke Schirmer hat „nur gute Erinnerungen an die Jungs. Sie waren meine Kinder drei und vier. Und sie waren Wunschkinder. Ich hatte mir nämlich gewünscht, dass unsere Gastkinder musikalisch sind“, erzählt sie.

Elias und José beherrschen verschiedene Instrumente, spielen Klarinette, Geige und Gitarre beispielsweise. Die Musik hat ihnen die Integration in ihrer Heimat auf Zeit erleichtert. Sie haben in der Musikschule von Elke Schirmer mitmusiziert. „Dass alles so gut geklappt hat, war Glück für alle Seiten“, sagt die Gastmutter. „Inzwischen ist eine Freundschaft fürs Leben daraus geworden.“

Die Luckauer Gastgeber waren schon zwei Mal in Kolumbien, haben die Familie Jaramillo in Medellin - mit etwa 2,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt im südamerikanischen Land - besucht. Vater Mauricio Alberto Alvarez Lopez ist „stolz auf die Entwicklung“ seiner Söhne. Er hat ihnen quasi den Weg bereitet, sie frühzeitig auf eine deutsche Schule in Kolumbien geschickt, die Jungs später zum Auslandsaufenthalt und zum Studium in Deutschland motiviert.

Es war offenbar eine gute Entscheidung. „So viel Wissen hätte ich in Kolumbien nie erhalten“, sagt Elias. „In Deutschland wird zudem viel mehr geforscht, das gefällt mir. Das Studium hier ist viel intensiver.“ Der 22-Jährige lebt aktuell in Berlin. Er würde nach dem Master gern noch promovieren und seinen Doktor machen. „Danach ist alles offen. Ich würde aber gern in Deutschland bleiben. Die Lebensart hier gefällt mir. Ich habe auch beruflich viel mehr Möglichkeiten als in Kolumbien“, sagt er.

Dass seine Eltern fast 10 000 Kilometer entfernt leben, dürfte er verschmerzen. In der Familie von Elke Schirmer ist immer ein Platz frei für ihn. Auch sein Bruder José ist dort jederzeit gern gesehen. „Wir kommen super miteinander klar“, sagt die Gastmutter aus Luckau und legt liebevoll ihre Arme um ihre Kinder drei und vier. Elias und José lächeln zufrieden. So wie es halt ist bei Freunden fürs Leben.

Erinnerungen an Runden in der Gastfamilie am gemütlichen Küchentisch: José mit Gastbruder Fritz, Volker Neumann und Elke Schirmer sowie seinem älteren Bruder Elias (v.l.)
Erinnerungen an Runden in der Gastfamilie am gemütlichen Küchentisch: José mit Gastbruder Fritz, Volker Neumann und Elke Schirmer sowie seinem älteren Bruder Elias (v.l.) FOTO: Carmen Berg