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| 18:17 Uhr

Zwischenbilanz
Durchschnittsjahr für Adebar

 Schon in vier Wochen sammeln sich die Störche wieder für die große Reise. Viele fliegen nicht mehr so weit weg, sie überwintern in Spanien und Südfrankreich.
Schon in vier Wochen sammeln sich die Störche wieder für die große Reise. Viele fliegen nicht mehr so weit weg, sie überwintern in Spanien und Südfrankreich. FOTO: dpa / Armin Weigel
46 Jungtiere in den Kinderstuben der Weißstörche zwischen Luckau und Dahme. Von Carmen Berg

Ein durchwachsenes Storchenjahr verzeichnet Katharina Illig für den Altkreis Luckau. 29 Horstpaare siedelten sich zwischen Luckau, Dahme, Golßen und Heideblick an – genau so viele wie im Vorjahr. Sie zogen 46 Storchenküken auf, sieben weniger als 2018. Durchschnittlich 1,7 Küken pro Paar reichen für die Rotschnäbel nicht aus, um den Erhalt der Population zu sichern, sagt die Fachfrau. Bei sechs Paaren blieb der Nachwuchs aus.

Seit 58 Jahren erfassen Hobby-Ornithologen des Biologischen Arbeitskreises „Alwin Arndt“ den Weißstorchen-Bestand im Altkreis, Katharina Illig ist seit 46 Jahren dabei. Wie sie erklärt, unterliege der Bestand großen Schwankungen. So war 1994 ein Rekordjahr mit 74 Jungstörchen. Den wenigsten Nachwuchs gab es 1987 und 2013, einem Jahr mit extremen Niederschlägen, mit jeweils 18 Jungvögeln.

 Katharina Illig überwacht seit 46 Jahren den Storchenbestand im Altkreis und hätte für diese Aufgabe gern jüngere Verstärkung an ihrer Seite.
Katharina Illig überwacht seit 46 Jahren den Storchenbestand im Altkreis und hätte für diese Aufgabe gern jüngere Verstärkung an ihrer Seite. FOTO: LR / Carmen Berg

Nur einmal in jüngerer Vergangenheit, im Jahr 2006, ergab die Bilanz mehr als zwei Küken pro Paar, wie sie zur Erhaltung des Bestandes nötig wären. Rekord-Geburten in den Nestern wie im Vorjahr mit kleinen Adebaren in Karche-Zaacko seien inzwischen die große Ausnahme, so Katharina Illig. „Früher gab es so etwas viel öfter“, erinnert sie sich.

In diesem Sommer sind in Gießmannsdorf, Terpt, Waltersdorf, Langengrassau, Karche und Schiebsdorf die Kinderstuben mit jeweils drei Küken am vollsten gewesen. Elfmal schafften zwei, sechsmal nur ein Küken das Flügge-Werden.

Ausreichend Futter zu finden werde für die Rotschnäbel in der Luckauer Region immer schwieriger, sagt Katharina Illig. Vor allem durch den umfangreichen Anbau von Sonnenblumen, Mais und anderen Kulturen für die Energiegewinnung gingen Flächen für die Nahrungssuche verloren. Eine Folge: „Die Tiere weichen an die nicht gemähten Straßenränder aus. Das ist gefährlich.“ Bei Görsdorf sei jüngst ein Storch überfahren worden, sagt Katharina Illig.

Obwohl der Tisch nicht mehr so reich gedeckt ist, blieb die Zahl der Horstpaare rings um Luckau relativ stabil. Einen Grund dafür sieht die Storchenexpertin in den veränderten Flugrouten. „Seit 1990 überwintern die Störche nicht mehr nur im südlichen Afrika, viele nehmen die deutlich kürzere Strecke in den Westen nach Frankreich und Spanien. Mit dem Mauerfall habe das nichts zu tun, schmunzelt Katharina Illig. Eher schon mit einem Auswilderungsprojekt von Jungstörchen aus Marokko zur Wendezeit in den alten Bundesländern, die sich teils mit den Wildstörchen mischten.

Es passiere, dass Nestgeschwister und auch Altstörche einer „Familie“ in verschiedene Richtungen ziehen – was im Frühjahr bei der Rückkehr mitunter für reichlich Aufregung bei den Gefiederten sorgt. Störche seien ihren Horsten treu, wenn aber die „Hausherrin“ die längere Anreise habe und eine Nebenbuhlerin schneller ist, „dann geht bei den Damen die Post ab“, sagt Katharina Illig.

Den Storchenbestand zu überwachen, sei eine spannende Sache, sagt die 75-Jährige. Doch es fehle ein jüngerer Nachfolger, der Lust habe, die Kontrolle und das Beringen der Jungtiere zu übernehmen. Finde sich jemand, werde Katharina Illig ihn oder sie gern einarbeiten. Gesucht werden Naturfreunde, die bereit sind, Herz und Freizeit in die Adebare zu investieren – damit erfolgreich weitergeht, was 1991 im Altkreis begann.