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| 02:44 Uhr

Durch den Spreewald nach Aleppo

Gute Stimmung unter den Teilnehmern! Der Bürgermarsch für Aleppo war gestern im Unterspreewald unterwegs. Die Strecke führte von Glashütte nach Luckau.
Gute Stimmung unter den Teilnehmern! Der Bürgermarsch für Aleppo war gestern im Unterspreewald unterwegs. Die Strecke führte von Glashütte nach Luckau. FOTO: A. Staindl/asd1
Glashütte/Luckau. Ein Bürgermarsch für Aleppo findet derzeit statt. Er ist am zweiten Weihnachtsfeiertag in Berlin gestartet. Auf dem Weg in die syrische Stadt marschieren die Teilnehmer auch durch den Spreewald. Gestern sind sie von Glashütte (Teltow-Fläming) nach Luckau gelaufen. Andreas Staindl / asd1

Das weiße Transparent wird vorangetragen. "Civil March Aleppo" steht darauf. Etwa 60 Leute folgen. Sie sind gestern gegen 9.30 Uhr im Museumsdorf Baruther Glashütte zu ihrer nächsten Etappe gestartet. Der Fußweg führte sie über Friedrichshof, Rietzneuendorf, Waldow, Kasel-Golzig im Unterspreewald und schließlich nach Luckau. Die Polizei hat den Bürgermarsch begleitet.

Anna Alboth ist die Initiatorin. "Wir wollen der Welt zeigen, dass es nicht zu spät zum Handeln ist", informierte die gebürtige Polin, die inzwischen mit ihrer Familie in Berlin lebt. Ihr Mann Thomas Alboth ist für die Organisation verantwortlich. Er hat ein Megafon dabei, gibt Hinweise und Anweisungen. Auf dem Weg von Glashütte nach Luckau hat er eine überschaubare Gruppe zusammenzuhalten. Junge und ältere Menschen marschieren mit, auch Kinder; selbst Rollstuhlfahrer sind dabei.

"Nicht jeder wird die gesamte Strecke mitlaufen", sagt Thomas Alboth. Und dass das auch gar nicht so wichtig ist. Ihm und seiner Frau geht es um das Signal nach außen: "Wir wollen auf den Krieg und das Leid in Aleppo aufmerksam machen. Aleppo steht dabei nur beispielhaft für andere betroffene Städte in Syrien." Die Aufmerksamkeit haben sie. "Die Medien berichten über unseren Bürgermarsch", sagt der Mitinitiator. Sie berichten auch darüber, dass das Gros der Syrer den Marsch schon wieder verlassen hat. Der Grund soll sein, dass sie Fahnen der Rebellen mitführen wollten, die in Aleppo kämpfen. "Wir haben im Vorfeld lange darüber diskutiert und waren uns im Organisationsteam einig, dass wir nur weiße Fahnen zulassen", erklärt Thomas Alboth, als er von der RUNDSCHAU darauf angesprochen wird. Auch so haben offenbar viele Teilnehmer den Marsch schon wieder verlassen.

Etwa 400 sind Anna Alboth zufolge in Berlin gestartet. Mehr als 3000 Leute hätten zuvor erklärt, zumindest einen Teil der Strecke mitlaufen zu wollen. "Größere Gruppen haben schon angekündigt, sich anzuschließen", sagt Thomas Alboth. "Anmeldungen gibt es etwa aus Tschechien und Österreich. Der Bürgermarsch wird von Menschen in ganz Europa unterstützt."

Heike Reinhold hat sich der Gruppe im Urstromtal angeschlossen. Die 60-Jährige kennt die Region, stammt aus Altgolßen (Stadt Golßen/Unterspreewald). Sie ist von Teupitz nach Glashütte und von dort weiter in Richtung Luckau mitgelaufen. "Hier mitzumarschieren ist allemal besser als vor einer Botschaft zu demonstrieren", sagt die Prenzlauerin. "Wenn man gemeinsam eine weite Strecke läuft, kommt man miteinander ins Gespräch, tauscht seine Gedanken über den Konflikt in Syrien aus. Der Bürgermarsch ist eine tolle Idee. Er bringt die Menschen einander näher."

Die Teilnehmer wollen den Weg nach Aleppo entgegengesetzt der Flüchtlingsströme laufen. Von Deutschland soll es über Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und die Türkei gehen. "Ob wir tatsächlich in Aleppo ankommen, wird man sehen", sagt Thomas Alboth.

Am heutigen Silvestertag marschiert die Gruppe von Luckau nach Calau. "In Calau haben sich weitere Teilnehmer angekündigt", erklärt der Mitorganisator. Am Neujahrstag geht es weiter nach Großräschen, einen Tag später dann nach Ruhland. Wer möchte, kann sich anschließen und einen Teil der Strecke mitlaufen. Gestartet wird laut der Initiatoren jeweils um zehn Uhr im entsprechenden Stadtzentrum. Von Berlin bis Aleppo sind es etwa 4000 Kilometer. Es soll ein Marsch der Hoffnung sein - auf Frieden in Syrien.