Das Konsumieren von legalen und illegalen Suchtmitteln in erheblich schädigendem Ausmaß hat für Betroffene Folgen und führt nicht selten in den Knast. 80 Prozent der weiblichen Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben haben vor ihrer Inhaftierung Straftaten infolge von Suchtmittelmissbrauch begangen wie Hanns-Christian Hoff sagt. Der Anstaltsleiter hat deshalb eine Wohngruppe mit suchttherapeutischen Behandlungsangeboten für weibliche Gefangene mit Suchtproblematik in der JVA eingerichtet. Ziel ist es, den Teilnehmerinnen ein Leben in zufriedener Abstinenz zu ermöglichen.

Im Januar dieses Jahres wurde das Projekt gestartet. Etwa zehn Monate später zieht der Anstaltsleiter eine positive Bilanz: „Das Projekt ist erfolgreich. Wir spüren positive Veränderungen bei den inhaftierten Frauen.“ Woran er das festmacht? „Die Teilnehmerinnen konsumieren viel weniger Drogen hier im Gefängnis. Das wissen wir von regelmäßigen Urin-Tests.“ Hanns-Christian Hoff spricht sogar von „einem Quantensprung“, seit die Wohngruppe gestartet ist. „Deshalb führen wir das Projekt weiter.“

Für das Leben stark machen „Ich will ohne Drogen leben“

Duben

Gruppengespräche als Teil des Projekts

Zwölf Plätze gibt es in der Wohngruppe. Laurinda W. ist von Beginn an dabei. Die junge Frau, Anfang 30, sitzt wegen Beschaffungskriminalität im Knast. Ihr Sohn muss viereinhalb Jahre auf seine Mutter verzichten. Sie will die Zeit in Gefangenschaft nutzen, um sich fit für ein Leben ohne Suchtmittel zu machen: „Die Gespräche in der Wohngruppe bringen mir sehr viel. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.“

Madeline H. sieht das genauso. „Die Gespräche etwa mit den Suchttherapeuten öffnen mir die Augen“, sagt die 42-Jährige. „Sie geben mir Kraft. Ohne diese Gruppe würde ich es draußen nicht schaffen.“ Madeline H. wurde wegen Raubs zu zweieinhalb Jahren verurteilt, wie sie sagt. Auch bei ihr spielten Drogen eine Rolle. Und das nicht zum ersten Mal. Die 42-Jährige hat schon einmal im Knast gesessen: „Als ich 2016 entlassen wurde, habe ich mit den Drogen einfach weitergemacht. Auch im Gefängnis ist es kein Problem, an Drogen zu kommen. Es gibt hier viele Möglichkeiten.“

Hoher Suchtdruck

Robert Holzenkamp kennt das Problem, auch die Folgen der oft jahrelangen Abhängigkeit von Suchtmitteln: „Der Suchtdruck ist ein großes Thema hier im Knast“, sagt der Suchttherapeut in der JVA. „Wir wollen den Gefangenen helfen, ihr Konsumverhalten von Suchtmitteln nachhaltig zu verändern.“

Madeline H. ist auf einem guten Weg: „Ich habe hier in der Wohngruppe gelernt, dass man auf Drogen verzichten kann. Wenn ich Suchtdruck habe, suche ich sofort das Gespräch etwa mit einem Therapeuten.“ 17 Jahre lang habe sie Drogen konsumiert: „Ich bin jetzt das erste Mal seit vielen Jahren clean und freue mich auf meine Zukunft.“ Auch Paula T. blickt optimistisch nach vorn. „Die Haft ist wie eine Lehrzeit für mich“, sagt die 31-Jährige, die wegen Drogen-Besitzes zu fast drei Jahren verurteilt worden sei. „Nach meiner Entlassung“, sagt sie, „suche ich mir richtige Freunde. Zudem will ich meine Ausbildung hier im Gefängnis beenden.“ Die professionelle Hilfe bei der Suchtbewältigung gibt ihr die Hoffnung, nicht ein viertes Mal im Knast zu landen.

Angebote für einen anderen Weg

Die gleichaltrige Christin P. sieht ihre Inhaftierung „als eine Chance auf einen Neuanfang. Meine vier Kinder geben mir die Kraft zu kämpfen. Sie sind meine Droge. Meine Suchtprobleme lasse ich hier im Knast zurück. Die Wohngruppe hilft mir dabei. Ich weiß jetzt, wo ich draußen Hilfe bekomme.“ Dieses Wissen hatte sie früher nicht. Der Tod ihrer Eltern habe sie in die Sucht getrieben. Nach sieben Jahren Drogenkonsum sei die 31-Jährige „froh gewesen, dass die Polizei mich erwischt und festgenommen hat“.

Christin P. wurde zu fast zwei Jahren hinter Gitter verurteilt. Sie und andere Frauen, die am Projekt teilnehmen, entwickeln zunehmend eine nachhaltige suchtmittelabstinente Lebensweise. Das Gros von ihnen entscheidet sich für eine weiterführende suchtherapeutische stationäre oder ambulante Behandlung nach der Entlassung. „Ich will nach meiner Haft in ein betreutes Wohnen gehen“, sagt Christin P., die durch die Wohngruppe gestärkt wurde. Auch Madeline H. ist „dankbar, dass es die Gruppe hier im Gefängnis gibt. Sie hilft mir, wieder ins Leben zurückzufinden – auch für meine drei Kinder, für die ich früher wenig Zeit hatte. Die Teilnahme am Projekt ist für mich wie eine Lehre fürs Leben.“

Gabi Pottag hilft dabei ehrenamtlich. Die Forsterin (Spree-Neiße) engagiert sich in der bundesweiten Selbsthilfeorganisation „Blaues Kreuz“, kommt einmal pro Woche in die JVA in Duben. Sie führt dort „Vier-Augen-Gespräche“ mit den Gefangenen, die „viel intensiver sind als Gruppengespräche. Ich kann das Leben der Frauen nicht ändern, ihnen aber Angebote für einen anderen als ihren bisherigen Weg machen.“

Zwölf Behandlungsplätze gibt es in der JVA


Für das suchttherapeutische Angebot stehen zwölf Behandlungsplätze zur Verfügung. Es gibt Gruppentherapiestunden und regelmäßige Einzelgespräche. 18 inhaftierte Frauen haben seit Anfang dieses Jahrs teilgenommen, drei von ihnen die Behandlung abgebrochen. Zwei Gefangene sind in eine stationäre Entwöhnungsbehandlung gewechselt, drei wurden mit der Auflage einer ambulanten Nachsorge in die Freiheit entlassen. Eine Teilnehmerin wurde in den offenen Vollzug verlegt. asd