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| 17:45 Uhr

Aufreger
Drei Mühlen im Gegenwind

Bärbel Krause und Svenja Bürkland  haben mit ihrem Umzug von Berlin nach Damsdorf  Ruhe gesucht und jetzt drei Windtürme „fast am Gartentisch“. Die Anlagen, die in aktuellen Windkraft-Plänen nicht vorgesehen sind, sorgen für Ärger im kleinen Ort. 
Bärbel Krause und Svenja Bürkland  haben mit ihrem Umzug von Berlin nach Damsdorf  Ruhe gesucht und jetzt drei Windtürme „fast am Gartentisch“. Die Anlagen, die in aktuellen Windkraft-Plänen nicht vorgesehen sind, sorgen für Ärger im kleinen Ort.  FOTO: LR / Carmen Berg
Damsdorf. Sie sind laut „wie Daueralarm“, sagen Anwohner. Damsdorfer wehren sich gegen Anlagen am Ortsrand, die aus ihrer Sicht dort nie hätten gebaut werden dürfen. Von Carmen-Sylvia Berg

 Windräder gibt es in der Umgebung des kleinen Ortsteils der Gemeinde Steinreich inzwischen eine ganze Menge. Sie breiten sich aus Groß Ziescht und Petkus in Teltow-Fläming bis zum Unterspreewald aus. Drei Anlagen aber, die vor Kurzem unmittelbar am Ort aufgestellt wurden, bringen die Damsdorfer Volksseele zum Kochen.

Der Grund: Das Gelände, auf dem sie stehen, ist in den aktuellen Plandokumenten nicht als Windenergie-Fläche vorgesehen. Aus Sicht der Damsdorfer hätte das Landesumweltamt deshalb den Bau der drei Anlagen dort nicht genehmigen dürfen. 22 Einwohner haben im Sommer bei der Behörde einen Antrag auf Schallüberprüfung gestellt. Um es vorweg zu nehemen, die dieser Tage eingegangene Antwort fiel ernüchternd aus. Anwohnerin Dorothea Armbruster sagt, sie wohne seit fast 19 Jahren mit ihrem Sohn in Damsdorf. „Das Schöne hier waren die idyllische Lage und die Ruhe.“ Damit sei es vorbei, seit die drei 205 Meter hohen Türme nur einen Kilometer vom Dorf entfernt aus dem Wald ragen. „Gehe ich spazieren, höre ich ein ständiges Dröhnen. Nachts ist dieser Lärm noch intensiver. Ich schlafe schlecht“, berichtet sie und beklagt: „Diese Türme stehen einfach zu nahe an unserem Dorf.“

Mit dieser Meinung steht sie nicht allein.

Svenja Bürkland ist vor zwei Jahren aus Berlin in den Unterspreewald gezogen. Sie habe Ruhe gesucht und sich in die traumhafte Landschaft gleich verliebt. Damals gab es die Windräder noch nicht. „Jetzt haben wir sie praktisch mit am Gartentisch.“ Ihr Plan war es, zwei Ferienwohnungen auszubauen. Nun fürchtet Svenja Bürkland, dass aufgrund der äußeren Umstände niemand in ihren gastlichen Betten schlafen will.

„Man hört die Anlagen nachts trotz geschlossener Fenster und Türen“, bestätigt Nachbarin Bärbel Krause. Auch sie kam aus Berlin nach Damsdorf und würde das, wie sie sagt, heute nicht mehr tun. „In meiner Hinterhaus-Wohnung in Berlin-Schöneberg hatte ich mehr Ruhe als hier. Das ist wie Daueralarm.“

Eine betagte Dorfbewohnerin berichtet, sie könne die Windräder zwar nicht mehr hören, aber wenn der Wind in Richtung des Dorfes wehe, spüre sie die Druckwelle körperlich. Die Leute fürchten um ihre Gesundheit.

Eine Klage der Gemeinde gegen die Anlagen ist gescheitert. „Damit hat die Kommune ihre Möglichkeiten ausgeschöpft“, sagt Unterspreewalds Amtsdirektor Henri Urchs.

Die drei Windtürme, die den Damsdorfern so auf den Nägeln brennen, seien  im August 2016 per Neugenehmigungsbescheid genehmigt worden, bestätigt Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Richtig sei, dass sie sich nicht innerhalb eines im geltenden Teilregionalplan Windenergienutzung der Planungsregion Lausitz-Spreewald ausgewiesenen Windeignungsgebietes befinden. Dennoch verstoße die Genehmigung nicht gegen geltendes Bau-Planungsrecht, erklärt er.

Der Grund: Die Windmüller hatten auf einen entsprechenden Antrag im Dezember 2012 einen Vorbescheid bekommen, welcher die Vereinbarkeit ihres Vorhabens mit den damals geltenden bauplanungsrechtlichen Anforderungen feststellte. Dieser Bescheid bleibe bindend, auch wenn sich, wie im vorliegenden Fall, die Rechtslage inzwischen so geändert hat, dass eine Genehmigung heute nicht mehr erteilt werden könnte.

„Wir Damsdorfer wollen eine Lösung, mit der wir in Frieden leben können“, sagt Svenja Bürkland. Mehr als 20 Einwohner hatten im August eine Schallschutzüberprüfung im praktischen Betrieb beantragt, sie setzten ihre Hoffnung darauf, dass inzwischen neue Lärmschutzanforderungen gelten. Jedoch ergab die Überprüfung dem Landesumweltamt zufolge, dass die Anlage „auch den neuen Lärmschutzanforderungen genügt.“

„Eigentlich müssten doch neue Gesetze und Pläne die alten außer Kraft setzen“, sagt Svenja Bürkland. Sie und ihre Nachbarn verstehen die Welt nicht mehr, sind über das Geschehen fassungslos. Die Damsdorfer würden jetzt erst einmal beraten, wie sie weiter vorgehen wollen. „Wir werden das bestimmt nicht einfach so hinnehmen“, davon ist Svenja Bürkland überzeugt.