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| 01:38 Uhr

Drei Kriegsopfer geborgen

Deutsche und russische Soldaten besuchten am Dienstag in der Nähe von Luckau die Bauarbeiten zur geplanten Erdgasleitung. Foto: Foto-Zahn/fza1
Deutsche und russische Soldaten besuchten am Dienstag in der Nähe von Luckau die Bauarbeiten zur geplanten Erdgasleitung. Foto: Foto-Zahn/fza1 FOTO: Foto-Zahn/fza1
Gießmannsdorf. Deutsche und russische Soldaten haben am Dienstag in der Nähe von Gießmannsdorf die Bauarbeiten zur geplanten Erdgasleitung besichtigt. Die Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung (OPAL) führt durch die Lausitz und durchquert dabei auch den einstigen Kessel von Halbe, auf dessen Gebiet heute noch Tausende Kriegsopfer vergraben liegen. Von Lars Hartfelder

Mit gelbem Helm und dicken Stiefeln stapft Fritz Kirchmeier über einen aufgeschütteten Erdwall. “Wir haben bislang drei deutsche Soldaten geborgen„, sagt der Mitarbeiter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Opfer seien im April 1945 bei der Kesselschlacht von Halbe gefallen. Die Soldaten seien in der Nähe von Baruth gefunden worden, sagt Kirchmeier. “Eine Identifizierung war jedoch leider nicht mehr möglich.„ Der Volksbund arbeite eng mit der Wingas AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der russischen Gazprom und Wintershall/BASF, zusammen, die die Erdgasleitung baut. “Für uns sind die Arbeiten eine Chance, möglicherweise zahlreiche Gebeine russischer und deutscher Kriegsopfer bergen zu können„, sagt Volksbundpräsident Reinhard Führer. Neben einer Unmenge an Munition und Kriegsschrott lägen bis heute zahlreiche sterbliche Überreste unentdeckt in den märkischen Wäldern.

Unterstützung gibt es in diesen Tagen von den russischen Soldaten des 90. Spezialsuch-Bataillons aus der Nähe von St. Petersburg. Die Delegation der russischen Armee kümmert sich gemeinsam mit Soldaten des Wachbataillons vom Bundesverteidigungsministerium um die Pflege und Einbettung gefundener Soldaten auf dem Soldatenfriedhof in Halbe. Die gemeinsamen Arbeitseinsätze finden seit 2007 abwechselnd in beiden Ländern statt.

Die neue Pipeline schaffe eine Verbindung zwischen russischen Erdgasquellen und deutschen Wohnzimmern, sagt Wingas-Geschäftsführer Bernd Vogel. “Mit einer Länge von 470 Kilometern ist sie die längste Baustelle Deutschlands.„ Auf einer Strecke von 250 Kilometer seien die Leitungen bereits in die Erde gebracht worden. “Wir liegen trotz schwieriger Witterungsbedingungen zu Beginn des Jahres im Zeitplan„, sagte Vogel. Ab Oktober 2011 soll der Brennstoff erstmals aus den 3000 Kilometer entfernten russischen Erdgasfeldern in Sibirien über die Ostsee-Pipeline nach Berlin-Brandenburg gespeist werden. Die OPAL wird dann die durch die Ostsee führende Erdgasleitung Nord Stream mit dem europäischen Ferngasleitungssystem verbinden. Sie führt von der Ostseeküste durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis in die Tschechische Republik. Mit einer Transportkapazität von 36 Milliarden Kubikmetern pro Jahr ist die größte in Europa verlegte Erdgasleitung.

“Derzeit wird an 14 Bauabschnitten gleichzeitig gearbeitet„, erläutert Bauleiter Michael Muth. Rund 2500 Mitarbeiter seien zwischen Greifswald und dem Erzgebirge tätig. In Brandenburg, dem längsten der drei Abschnitte, seien bereits 100 von 270 Kilometern verlegt. Spätestens in drei Jahren soll die Oberfläche wieder landwirtschaftlich nutzbar sein und 100 Prozent Erträge bringen.

Die 480 Kilometer lange Gaspipeline soll von Greifswald bis ins sächsische Olbernhau führen. Der nordbrandenburgische Abschnitt beginnt bei Schönfeld (Uckermark). Die Leitung verläuft durch das östliche Brandenburg, vorbei an Spreenhagen (Oder-Spree), Groß Köris, Luckau (Dahme-Spreewald) und Finsterwalde (Elbe-Elster). Der brandenburgische Abschnitt endet zwischen Elsterwerda (Elbe-Elster) und Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) an der sächsischen Landesgrenze.

Während der Bauarbeiten wird nach Angaben des Unternehmens eine Arbeitsfläche von 28 bis 36 Metern Breite benötigt, die anschließend teilweise wieder bepflanzt wird. Ein zehn Meter breiter Korridor muss dabei frei von Bäumen und Sträuchern bleiben, damit die Rohre nicht durch Wurzeln beschädigt werden. In der Nähe von Baruth wird derzeit eine Verdichterstation gebaut. Insgesamt 27 000 Rohre mit einem Gewicht von jeweils 15 Tonnen werden zusammengeschweißt und in einer Tiefe von etwa 2,50 Meter verlegt.

In Deutschland müssen die Leitungsbauer den Angaben zufolge insgesamt 172 Straßen, vier Autobahnen, 27 Bahnstrecken und 39 größere Gewässer queren. Wingas investiert in die Opal-Gaspipeline rund eine Milliarde Euro.

Zum Thema:
Kesselschlacht und Waldfriedhof HalbeIn den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, im April 1945, kam es im Kessel von Halbe, 40 Kilometer vor den Toren Berlins, zu einer vernichtenden Schlacht zwischen deutschen und sowjetischen Truppen. Auf dem Waldfriedhof in Halbe (Dahme-Spreewald) liegen insgesamt rund 28 000 Menschen begraben. Unter den Opfern waren 22 000 Soldaten beider Seiten, Flüchtlinge, Zivilisten und Kinder. 6000 weitere Gräber gehören zu Opfern aus sowjetischen Internierungslagern, von der Wehrmachtjustiz Hingerichtete, ausländischer Internierter und Zwangsarbeiter.Am 16. April 1945 begann die Berliner Angriffsoperation der Roten Armee. Am 23./24. April schloss sie einen riesigen Kessel um das Gebiet von Halbe und Lübben, in dem sich rund 200 000 deutsche Soldaten befanden. Die Lage war hoffnungslos, doch der deutsche General Theodor Busse lehnte ein Kapitulationsangebot der sowjetischen Seite ab. Drei Ausbruchsversuche wurden blutig zurückgeschlagen. Erst am 1. Mai 1945 schwiegen die Waffen. Insgesamt gab es mehr als 40 000 Tote.