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| 02:45 Uhr

Drehnaer bangen um ihre Riesendouglasie

Die Wanderer erkundeten den Schlosspark um das namensgebende Ensemble im Herzen von Fürstlich Drehna.
Die Wanderer erkundeten den Schlosspark um das namensgebende Ensemble im Herzen von Fürstlich Drehna. FOTO: trt1
Fürstlich Drehna. Was für Dimensionen! Fast 40 Meter hoch. Ein Umfang von fünf Metern. Und ein Alter von 136 Jahren. Die Riesendouglasie im Schlosspark Fürstlich Drehna sorgt bei Einheimischen und Gästen immer wieder für erstaunte Gesichter. Solch einen mächtigen Baum dürfte es in der Niederlausitz wohl kein zweites Mal geben. trt1

Doch jetzt bangen die Drehnaer um das Gehölz, das anno 1886 im Alter von sechs Jahren von der damaligen Standesherren-Familie Wätjen in den Boden gebracht wurde. Denn drei Jahre ist es mittlerweile her, als der Baum vom Blitz getroffen wurde. In seinem oberen Teil ist die Narbe, die das Unwetter bedingte, deutlich zu erkennen. "Wir befürchten, dass es mit unserer Douglasie langsam zu Ende gehen könnte", bringt Ardo Brückner, Vorsitzender des örtlichen Kultur- und Heimatvereins, die Sorgen auf den Punkt.

Während der Frühjahrswanderung bei sommerlichem Wetter präsentierte sich das Gehölz, das in Brusthöhe einen Durchmesser von fast 1,80 Meter besitzt, allerdings voller Vitalität. Kaum eine vergilbte Nadel finden die neun Wanderer. "Das ist unsere große Hoffnung, dass die Douglasie auch diesen Schicksalsschlag meistert", sagt Ardo Brückner. Er ist einer der engagiertesten Kämpfer für den Drehnaer Schlosspark und Mitbegründer des bereits im Jahr 1983 ins Leben gerufenen Parkaktivs, aus dem der jetzige Kultur- und Heimatverein hervorgegangen ist. Nach jedem Sturm, so berichtet der Senior, fahre er in den Park, um nachzuschauen, ob der Baum noch steht. "Bislang fiel mir dabei immer ein Stein vom Herzen."

Auch Tagebau überlebt

Tatsächlich hat die Douglasie schon viele stürmische Zeiten gesehen. Am markantesten war sicherlich der in Sichtweite des Gehölzes herangerückte Tagebau Schlabendorf-Süd in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre. Damals hatten die Drehnaer gebangt, wie das Gehölz mit der durch die Grube bedingten Grundwasserabsenkung zurechtkommt - erstaunlich gut. Das Niederschlagswasser reichte dem Baum anscheinend komplett aus.

Übrigens: Vom ursprünglich 52 Hektar großen Park verschwanden rund 22 Hektar unter den Baggerschaufeln. Der Teil, der nach dem Bergbau unter maßgeblichem Engagement des Cottbuser Landschaftsplaners Prof. Helmut Rippl neu begründet wurde, ist derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt, darunter auch der attraktive Kammweg, der immer wieder neue Blicke auf das Schloss ermöglicht. "Wir hoffen, dass es bald eine Freigabe gibt", so Ardo Brückner.

Der Schlosspark ist derzeit unbedingt einen Besuch wert. Denn überall grünt und blüht es. Beispielsweise die vielen Azaleen und Rhododendren.

Eine Gruppe neben dem Schloss sollte dort eigentlich gar nicht wachsen, berichtet Ardo Brückner. Die Gehölze seien in den 1950er-Jahren an dieser Stelle eingeschlagen worden. Durch diverse Querelen erfolgte keine richtige Pflanzung. So wurde eben aus der provisorischen eine Dauerlösung.

Im schönsten Weinrot

Eine Augenweide sind auch die Blutbuchen, eine spezielle Züchtung. Das Laub der uralten Bäume präsentiert sich gerade jetzt im Frühsommer im schönsten Weinrot. Später wandelt es sich wieder mehr ins Grüne.

Jetzt warten viele auf die im Jahresverlauf letzte Blüte eines Baumes. Nämlich auf die sogenannte Catalpe. Das Drehnaer Exemplar, im Deutschen als Trompetenbaum bezeichnet, steht nur einen Steinwurf vom Schloss entfernt. Erst vor Kurzem ist das Laub ausgetrieben. Voraussichtlich Anfang/Mitte Juni zeige sich das Gehölz dann in schönstem Blütenweiß, weiß Ardo Brückner aus Erfahrung.

Die Besucher kommen jedenfalls aus dem Staunen nicht mehr heraus. Beispielsweise Karin Pufe aus Neupetershain. "Ich bin heute nicht zum ersten Mal hier. Der Park begeistert mich wegen der alten Bäume immer wieder aufs Neue. Und jetzt blüht alles so herrlich."

Übrigens bietet der Drehnaer Kultur- und Heimatverein in diesem Jahr eine zweite Parkwanderung an. Nämlich im Oktober. Dann blüht zwar nicht mehr viel, doch präsentiert sich die Laubverfärbung mindestens genauso beeindruckend.