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LR Vor Ort
„Wir möchten am Boom teilhaben“

Zum Thema Bahnausbau in Drahnsdorf diskutierten: Referent im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg Detlef Höppe, Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine, Bürgermeisterin Edith Grundey und Andrea Weigt von der Bürgerintiative (v.l.n.r) gemeinsam mit den Gästen.
Zum Thema Bahnausbau in Drahnsdorf diskutierten: Referent im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg Detlef Höppe, Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine, Bürgermeisterin Edith Grundey und Andrea Weigt von der Bürgerintiative (v.l.n.r) gemeinsam mit den Gästen. FOTO: Anja Brautschek / LR
Drahnsdorf. Drahnsdorfer Bürger kämpfen um eine bessere Zuganbindung. Sie sehen darin ein großes Potenzial für die Region. Von Anja Brautschek

Ihren Unmut über die schlechte Zuganbindung haben die Drahnsdorfer am Donnerstagabend deutlich gezeigt. Rund 60 Gäste kamen zum RUNDSCHAU-Forum „LR Vor Ort“. Bis auf den letzten Platz war der Saal der Gaststätte Auszeit besetzt.

Viele von ihnen beschäftigte vor allem eines: Warum ist in Drahnsdorf kein Zughalt im Stundentakt möglich? Gut anderthalb Jahre war die Bahn-Strecke Berlin-Dresden durch den Ausbau auf Tempo 200 gesperrt. Auch für die Gemeinde ist das ein Kraftakt. Sie kann die Eigenanteile für den Brückenbau nicht aufbringen, das Land musste einspringen. „Das hat zur Folge, dass wir Einnahmemöglichkeiten vollständig ausschöpfen müssen“, erklärte Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. Sonst müssen die Fördergelder zurückgezahlt werden. Aus diesem Grund müssen unter anderem die Hebesätze der Grundsteuer angehoben werden. Auch die Friedhofsgebühren werden steigen, hakte Bürgermeisterin Edith Grundey ein.

Ab kommender Woche soll der RE5 wieder rollen. Damit stieg auch die Hoffnung auf eine verbesserte Stundentaktung in Drahnsdorf. Doch die Züge sollen bis auf Weiteres auch weiterhin nur im Zwei-Stundentakt in Drahnsdorf halten, sagte Detlef Höppe, Referent für Angelegenheiten des Bahnverkehrs im Brandenburger Infrastrukturministerium.

Aber gleichzeitig sendet er auch ein Fünckchen Hoffnung. „Eines unserer Ziele in der Mobilitätsstrategie 2030 ist ein Grundtakt von 60 Minuten. Um das zu erreichen, müssen unter anderem die Fahrpläne aller Züge angepasst werden, die im Land unterwegs sind“, erklärte er den Gästen. Auch die Stations- und Trassengebühren in Brandenburg seien hoch – im deutschlandweiten Vergleich sogar am höchsten. Eine schnelle Lösung für den Unterspreewald sieht Detlef Höppe aus diesem Grund nicht.

Für die Drahnsdorfer ist das nicht zufriedenstellend. „Das Angebot passt nicht zur Zielgruppe“, sagte Andrea Weigt von der Bürgerinitiative „Pro Bahnhof Drahnsdorf“. Die Initiative gründete sich vor vier Jahren, um für den Erhalt des Bahnhofs zu kämpfen – mit Erfolg. Nun setzen sich die Mitglieder für eine bessere Taktung ein. Gerade zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Nachmittag seien die Abfahrtzeiten für Pendler nicht zumutbar. „Im extremen Fall sorgt das für vier Stunden Wartezeit“, so Andrea Weigt. Pendler weichen deswegen verstärkt zu den Zügen in Brand oder anderen Bahnhöfen aus. Doch die sind meist überfüllt.

Für mögliche Zuzügler ist das ein eher abschreckendes Bild. So wie für Felix Herzog. Der Berliner überlegt, mit seiner Familie nach Brandenburg umzuziehen. Im Wesentlichen sind der Familie dabei zwei Kriterien besonders wichtig: eine schnelle Internetverbindung und eine gute Nahverkehrsanbindung in die Hauptstadt. „In der jetzigen Situation käme Drahnsdorf für uns deshalb nicht infrage“, sagte er.

Eine gute Infrastruktur fördere daher auch die touristischen und strukturellen Entwicklungen. „Auch wir wollen an diesem Boom teilhaben“, sagte Lothar Treder-Schmidt. Das Potenzial besteht. Als eine der wenigen Gemeinden in der Region verzeichnet Drahnsdorf eine positive Einwohnerentwicklung. 625 Einwohner sind es derzeit. Die gemessenen Einstiegszahlen am Drahnsdorfer Bahnhof von etwa 30 Personen spiegeln aus seiner Sicht nicht den Bedarf wider. „Ein zusätzlicher Halt am Morgen und zwei am Nachmittag bieten schon eine große Chance für die Region“, nannte Lother Treder-Schmidt ein Beispiel.

Dass nur geringe Änderungen dies ermöglichen könnten, zeigte Dieter Doege vom Fahrgastverband ProBahn den Gästen auf. „Es gibt nicht zu wenig Züge, sondern zu wenig Wagen“, zeigte er ein Problem auf. Würden mehr Waggons eingesetzt, könnte das die Strecken ohne großen Mehraufwand entzerren. Doch durch zu kurze Bahnsteige in der ländlichen Region wäre dafür ein anderes Türsteuerungskonzept notwendig. Diese neue Technologie soll in der nächsten Ausschreibung 2022 berücksichtigt werden, versichert Detlef Höppe.

Auch eine stärkere Lok mit mehr Zugkraft könnte vorteilhaft sein. Der Zug kann damit mehr Geschwindigkeit aufbauen und kommt schneller ans Ziel. Das wiederum könnte einen zusätzlichen Halt des Schnellzuges in Drahnsdorf ermöglichen, machte Dieter Doege deutlich. Dieser fährt derzeit ohne Halt durch. „Denkbar wäre auch, im Speckgürtel zugunsten der Region einen Halt wegzulassen. Den Einwohnern hier wird immerhin auch eine Anfahrtszeit zum Bahnhof von 20 Minuten zugemutet“, zeigte Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann eine weitere Alternative auf.

Das sind Anregungen, die Detlef Höppe ins Ministerium mitnehmen möchte. „Wir sind offen für Vorschläge, die wir prüfen. Zu den Ergebnissen der Prüfung können wir dann ein Gespräch führen“, sagte er. Die Bürgerinitiative bleibt weiter dran. Die nächste Aktion wird bereits geplant.

Das Thema bewegt die Drahnsdorfer. Der Sall der Gaststätte Auszeit war gut gefüllt.
Das Thema bewegt die Drahnsdorfer. Der Sall der Gaststätte Auszeit war gut gefüllt. FOTO: Anja Brautschek / LR
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR