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| 02:49 Uhr

Drahnsdorfer beklagen triste Platte

Die Mieter sind froh, dass der Gehweg endlich saniert wird. Dass an der Fassade seit Errichtung des Plattenbaus im Jahr 1970 außer einer Dämmung der Giebelwände nichts passiert ist, ärgert nicht nur sie, sondern auch Bürgermeisterin Edith Grundey (r.).
Die Mieter sind froh, dass der Gehweg endlich saniert wird. Dass an der Fassade seit Errichtung des Plattenbaus im Jahr 1970 außer einer Dämmung der Giebelwände nichts passiert ist, ärgert nicht nur sie, sondern auch Bürgermeisterin Edith Grundey (r.). FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Drahnsdorf. Der Plattenbau in Drahnsdorf im Amt Unterspreewald ist für Mieter und Gemeindevertreter ein Stein des Anstoßes. Anblick, Wohnungszustand und Umfeld wirkten abstoßend auf interessierte neue Mieter. In Luckau werde in modernsten Standard investiert, die Wohnblöcke in den kleinen Gemeinden dagegen würden vernachlässigt, lautet ihr Vorwurf. Birgit Keilbach / bkh1

Während der Gemeindevertretersitzung zu Wochenbeginn kochte der Ärger um den Block erneut hoch. Anlass war die bereits seit vergangenem November angemahnte Sanierung des Weges vor den Hauseingängen, die noch immer nicht erfolgt sei. Mieterin Nelly Büttner hatte eine Mappe mitgebracht. Darin abgeheftet hatte sie den während der letzten acht Monate angesammelten Schriftwechsel mit der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (Wobau) Luckau, der der Wohnblock gehört. "Wann passiert endlich etwas?", war die kollektive Frage von Mietern und Gemeindevertretern an Geschäftsführerin Bärbel Kohlstock.

"Die Bauarbeiten beginnen morgen", gab sie Auskunft. Bis zum Ende der kommenden Woche soll der Weg komplett erneuert sein. "Warum hat das so lange gedauert", wollte Bürgermeisterin Edith Grundey wissen. Verzögert habe sich der Bau aufgrund eigener längerer Krankheit und weil nach der Begehung mit dem Baubetrieb im April noch Unstimmigkeiten zum Verlauf der Grundstücksgrenze mit dem Amt Unterspreewald geklärt werden mussten, sagte Bärbel Kohlstock. "Da es ein relativ kleines Bauvorhaben ist, ordnet es der Baubetrieb auch ein, wenn es in seinen Arbeitsablauf passt", erläuterte sie weiter.

Vorwurf: Anblick schreckt ab

Das langwierige Ringen der Mieter um die Erneuerung des Weges sieht Gemeindevertreter René Lukaschewski (WG Drahnsdorf) als symptomatisch für den Umgang der Eigentümergesellschaft mit dem Wohnblock. Zu wenig sei saniert, vor allem die Fassade biete einen trostlosen Anblick. "Das Problem besteht doch darin, dass niemand hinziehen will, so wie es dort aussieht", beklagte er. Die Gemeinde wolle junge Leute im Ort halten, und auch die Wohnungsbaugesellschaft sollte doch bestrebt sein, Mieter für die Wohnungen im Dorf zu finden, legte Lukaschewski nach.

"Nur Luckauer Wohnungen sind immer im Gespräch. Warum steht von Drahnsdorf nichts im Internet", hakte Bürgermeisterin Edith Grundey (WG Drahnsdorf) nach. Ältere Leute würden lieber in die Stadt ziehen, weil dort Ärzte, Einkaufsstätten und andere Einrichtungen besser erreichbar seien. Jüngere zögen an entfernter liegende Arbeitsorte, sah Bärbel Kohlstock Gründe für den Leerstand. Diese Tendenz gebe es auch in anderen Dörfern wie Goßmar und Langengrassau. Neue Mieter übers Internet zu finden, habe sich nicht bewährt. Das ziehe lediglich jene an, die anderswo schon Mietschulden angehäuft hätten. Deshalb stelle die Gesellschaft keine freien Wohnungen mehr ins Netz, so die Geschäftsführerin.

Den Vorwurf, an dem Drahnsdorfer Block untätig gewesen zu sein, wies sie zurück. Ende der 1990er-Jahre seien Heizungen und Fenster erneuert und die Bäder saniert worden. "Finden wir Mieter für die kleinen Dörfer, richten wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, die Wohnungen auch her", so Bärbel Kohlstock. So habe die Gesellschaft in den vergangenen Jahren in Drahnsdorf für drei Familien mit mehreren Kindern mittels Wanddurchbruch aus jeweils zwei Wohnungen eine größere gemacht. Inklusive Elektro-, Sanitär- und Malerarbeiten habe dies jeweils 15 000 Euro gekostet, rechnete sie vor. Von 24 Wohnungen seien zurzeit 14 vermietet. Der neue Gehweg schlägt laut Bärbel Kohlstock mit 8000 Euro zu Buche.

Block hoch belastet

Über größere Investitionen entscheide der Aufsichtsrat. Diese seien jedoch zurzeit nicht zu stemmen. Denn noch laste ein Altschuldenkredit aus DDR-Zeiten in Höhe von 150 000 Euro auf dem Gebäude. "Und auch für die Sanierung in den 1990er Jahren wurde ein Kredit aufgenommen, der abbezahlt werden muss", sagte die Geschäftsführerin.