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| 18:31 Uhr

Drahnsdorf auf dem Abstellgleis?

Zahlreiche Menschen aus Drahnsdorf und Umland kämpfen für den Erhalt der Bahnstation.
Zahlreiche Menschen aus Drahnsdorf und Umland kämpfen für den Erhalt der Bahnstation. FOTO: BI
Drahnsdorf. Für den Bahnhof in Drahnsdorf an der Bahnstrecke Berlin-Dresden könnte schon bald das Signal auf Rot stehen. Das Vogelsänger-Ministerium hat ihn im Entwurf des Verkehrswegeplanes 2013 bis 2017 unter landesweit zwölf Bahnhöfe mit direktem Entscheidungsbedarf eingereiht. Eine Bürgerinitiative macht für den Erhalt der Bahnstation mobil. Carmen Berg

Laut Ministerium gehört Drahnsdorf zu den nachfrageschwachen Stationen. Es steigen weniger als 50 Fahrgäste täglich ein und aus. "Kurzsichtig" nennt Cyrus Khazaeli von der Bürgerinitiative "Pro Bahnhof Drahnsdorf" diese Sichtweise. "Die Politik vergießt Krokodilstränen, wenn junge Leute den ländlichen Raum verlassen. Doch mancher würde gern bleiben oder kommen, wenn die Infrastruktur stimmt", sagt er.

Vor einem Jahr ist Khazaeli mit seiner Partnerin Andrea Weigt von Berlin-Kreuzberg nach Drahnsdorf ins Gutshaus gezogen. "Die Bahnanbindung war entscheidend für die Standortwahl", betont Andrea Weigt. Die Neu-Drahnsdorfer sehen gute Gründe dafür, dass mehr Großstädter ihrem Beispiel folgen. "Der rasante Mietenanstieg in der Hauptstadt macht Wohnen in der Natur für viele wieder interessant", so Cyrus Khazaeli.

Aber nur, wenn Berlin weiter günstig erreichbar bleibe, fügt er an. Momentan hält der Regionalexpress in Drahnsdorf im Zwei-Stunden-Takt. "Für Berufspendler zu selten. Bei einem stündlichen Halt würden die Passagierzahlen steigen", glaubt Khazaeli. Lothar Treder-Schmidt ergänzt, der Drahnsdorfer Bahnhof habe einen Einzugsbereich von 1500 Einwohnern bis in die Randbereiche der Städte Luckau und Golßen. Treder-Schmidt wohnt seit 1992 im Zieckauer Gemeindeteil Caule. Seit 1990 sei entgegen dem landläufigen Trend die Bevölkerung von Zieckau um 50 Personen gewachsen. "Caule ist fast gänzlich von Berlin-Pendlern neu besiedelt", erklärt er. So mancher, der sesshaft wurde, sei zunächst als Tourist gekommen, sagt Lothar Treder-Schmidt. Die Bahnstation liege an attraktiven Radrouten von der Fläming-Skate bis zum Dahme-Radweg. Der Berliner Jörg Becker ist schon gut 40 Mal am Drahnsdorfer Bahnhof ausgestiegen, um Fahrradausflüge zu unternehmen. "Man ist sofort inmitten der schönen Landschaft. Das ist toll", schwärmt er.

"Es wird weder aktuell noch im Jahr 2014 ein Bahnhof geschlossen", erklärt Elke Krokowski vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Das gelte auch für jene Stationen mit besonderem Entscheidungsbedarf. Neben Drahnsdorf zählen dazu Walddrehna und Klasdorf, der Zubringer ins Museumsdorf Glashütte. Wohl aber sei es ein normaler Prozess, schwach nachgefragte Bahnhöfe zu überprüfen, so die VBB-Sprecherin weiter. Der Bund stelle den Ländern nur ein bestimmtes Budget für den regionalen Schienenverkehr zur Verfügung. Es müsse so eingesetzt werden, dass möglichst viele Menschen davon profitieren, erklärt sie. Die Forderung der Drahnsdorfer, Züge im Stundentakt halten zu lassen, sieht sie als wenig realistisch an. Allein für den zusätzlichen Halt mehrmals täglich würden jährliche Mehrkosten im fünfstelligen Bereich auflaufen. Zudem würde sich die Gesamt-Fahrzeit verlängern, so die Sprecherin. Sie sieht die Politik vor Ort in der Pflicht, Überlegungen für eine bessere Auslastung der Bahnhöfe zu entwickeln. Auch bürgerliches Engagement sei deshalb positiv. Dass die Region ohne Bahnhof jedoch von der Welt abgekoppelt wäre, sieht die VBB-Sprecherin nicht. "Gegebenenfalls muss über vertretbare Alternativen nachgedacht werden, zum Beispiel einen Busverkehr." Zudem würden Pendler, die jetzt in Drahnsdorf parken, dann den nächst größeren Bahnhof ansteuern, ist Elke Krokowski überzeugt.

Andrea Weigt widerspricht: "Wer bereits jetzt 1.15 Stunden bis Berlin braucht, will nicht noch zusätzlich belastet werden." Noch weiß sie nicht, ob sie selbst bleiben würde, sollte die Zuganbindung wegfallen. Doch kampflos aufgeben werden die Bahnfreunde nicht. In dieser Woche will die neu gegründete Bürgerinitiative ihren Standpunkt in einem Brief an Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) darlegen. Einer Protestaktion am Bahnhof sind unlängst spontan zahlreiche Menschen erfolgt.

Kontakt zur Bürgerinitiative unter: pro.bahnhof.drahnsdorf@gmail.com.