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| 12:20 Uhr

Abschied von einem Gerücht
Lahme Schildkröte - von wegen

Raus ins Freie, die Sonne kommt. In Fotoalben dokumentiert Dorothea Hilscher alles Wichtige über ihre Tiere.
Raus ins Freie, die Sonne kommt. In Fotoalben dokumentiert Dorothea Hilscher alles Wichtige über ihre Tiere. FOTO: LR / Carmen Berg
Dahme. Bei Dorothea Hilscher in Dahme haben europäische Landschildkröten ein idyllisches Zuhause. Von Carmen Berg

In gemütlichen Häuschen, verteilt auf einer gepflegten Rasenfläche, leben auf dem Grundstück von Dorothea Hilscher rund 100 europäische Landschildkröten. Dass es einmal so viele würden, hatten die Dahmenserin und ihr inzwischen verstorbener Mann Bernd nicht gedacht, als mit einem Männchen namens Peter im Jahr 1971 das erste Tier ins Haus kam. „Damals wurde unser Sohn geboren, und es war so eine Idee, dass zum ersten Kind das erste Haustier kommen sollte“, erinnert sie sich mit Schmunzeln.

Zu Peter gesellte sich Petra. Weitere Tiere folgten. Hilschers peppelten auch Schildkröten wieder auf, die von Vorbesitzern nicht artgerecht gehalten worden waren. „Eine war dabei, die nur in der Wohnung gehalten und mit Öl eingerieben wurde. Sie hatte einen ganz ledernen Panzer“, erinnert sich Dorothea Hilscher.

Mumma war das erste Weibchen, das Eier legte – der Grundstock für die spätere Zucht der streng geschützten Tiere. In südlichen Gefilden bleiben die Eier in der Natur, bis die Jungen mit ihrem Eizahn die Schale knacken und schlüpfen. Bei Hilschers musste ein Brutapparat die Aufgabe der Sonne übernehmen. Dabei hängt das Geschlecht des Nachwuchses von der Temperatur ab. „Ist es wärmer, werden es Weibchen, Männchen wollen es kühler“, erzählt die Dahmenserin.

Die Familie wälzte Fachbücher, eignete sich Wissen an. Vom Veterinäramt sei die Zucht regelmäßig kontrolliert worden. Besonders viel lernten die Dahmenser von Prof. Walter Kirsche, einem rennomierten Experten aus Pätz. Er sei in Dahme gewesen, habe sich die Anlage angeschaut und schließlich die Familie gebeten, seine Schildkröten zu übernehmen, als er im Alter zu krank für die Pflege war. „Wer sich Schildkröten anschafft, muss bedenken, dass sie 60 Jahre und älter werden. Man hat Verantwortung für die Nachfolge, wenn man sich nicht mehr kümmern kann“, sagt Dorothea Hilscher.

Bei Hilschers sind die Gepanzerten ein Hobby der ganzen Familie. Auch der siebenjährige Enkel Iven ist begeistert dabei. Morgens die Häuschen öffnen, sie abends wieder verschließen, füttern, die Wasserstellen reinigen, zählt er Aufgaben auf, bei denen er seiner Großmutter hilft. Vor und nach der Winterruhe werden die Schildkröten warm gebadet und auf möglichen Wurmbefall kontrolliert. Die Zucht haben Hilschers aufgegeben. Seit vor einigen Jahren das strenge Einfuhrverbot gefallen ist, drängen Großanbieter auf den Markt. Es lohne sich nicht mehr, sagt die Dahmenserin.

Jetzt sollen die Tiere, die da sind, einfach ein schönes Schildkrötenleben genießen. Öfter schauen Kita-Gruppen vorbei, denen Dorothea Hilscher gern etwas über ihre Schildkröten erzählt. So erfahren die Kinder beispielsweise, dass die Gepanzerten nicht so langsam sind wie ihr Ruf. „Wenn es warm ist, können sie richtig flitzen“, sagt Iven. Besonders mögen sie die Farbe Rot, weiß seine Großmutter. „Jemandem mit roten Schuhen im Gehege laufen sie nach.“

Wer sich Schildkröten zulegt, sollte neben der nötigen Zeit für die Tiere auch ein geeignetes Umfeld haben. Sie halte nicht viel von Terrarien in der Wohnung, sagt Dorothea Hilscher. „Wenn die Anlage richtig gesichert ist, fühlen sich Landschildkröten während der frostfreien Zeit draußen am wohlsten.“

Je wärmer es ist, desto schneller können die europäischen Landschildkröten flitzen.
Je wärmer es ist, desto schneller können die europäischen Landschildkröten flitzen. FOTO: LR / Carmen Berg