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| 12:38 Uhr

Nächste Runde
Doch noch ein Ehrengrab für Karl Holland?

Luckau. Die Stadt Luckau will mit Fachleuten Vorwürfen des Kunstdiebstahls auf den Grund gehen.

Zur Ablehnung eines Ehrengrabes für Karl und Margarete Holland auf dem Neuen Friedhof in Luckau ist womöglich das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wie Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) vor den Stadtverordneten dieser Tage erklärt hat, soll die Biografie des früheren Luckauer Bürgermeisters und Landrates nochmals tiefgründiger durchleuchtet werden. In ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Ende Juni hatten sich die Abgeordneten mit knapper Mehrheit gegen einen Antrag der SPD-Fraktion auf Widmung der Ruhestätte als Ehrengrab ausgesprochen. Es standen Vorwürfe im Raum, Karl Holland könnte sich in seiner Zeit als Bürgermeister im Jahr 1945 an Kunst bereichert haben.

Holland (1884 bis 1963) war  bis 1933 Stadtverordneter und Beigeordneter, wurde im April 1945 von der sowjetischen Kommandantur als Bürgermeister eingesetzt, war von Juli 1945 bis Juli 1946 Landrat und außerdem von April bis Oktober 1946 ehrenamtlicher Luckauer Bürgermeister. In ihrer Antragsbegründung würdigte ihn die SPD-Fraktionsvorsitzende Cornelia Klinkmüller als eine bedeutende Persönlichkeit der Stadt. „Ohne Holland würden wir heute keine Altstadt mehr vermarkten können“, sagte sie und verwies darauf, dass die Anregung für die Widmung des Grabes von Bürgern gekommen sei, „die über die geschichtliche Entwicklung von Luckau Bescheid wissen“.

CDU-Stadtverordneter Siegfried Ernst sah das anders. Er sagte, als Bürgermeister habe Holland aus Haushalten Bilder abholen lassen, er habe sich an Kunstgegenständen bereichert. Er verwies auf Proteste bei der Feuerwehr, als ihr vormals Hollands Name verliehen werden sollte.

Was ist dran an den Vorwürfen? Weitere Nachforschungen sollen das klären. Wie Gerald Lehmann sagte, habe sich im Rathaus nach der Ablehnung des SPD-Antrags das Telefon heiß geläutet. Tenor: Man tue Karl Holland Unrecht. Bei der Feuerwehr sei es außerdem nicht um die Person gegangen. Man habe grundsätzlich keinen Ehrennamen gewollt, gab er Äußerungen von Ehrengrab-Befürwortern wieder.

Jetzt will das Rathaus mit dem Niederlausitz-Museum und anderen Institutionen, beispielsweise dem Kreisarchiv, das Leben und Wirken des früheren Politikers erneut unter die Lupe nehmen. Denn: Es gebe in Luckau öfter das Phänomen, dass man vieles gehört habe, ohne es mit Fakten belegen zu können, räumte Gerald Lehmann ein.

Auch Bürger, die Fundiertes zur Biografie von Karl Holland beitragen können, seien eingeladen, sich zu melden, sagte er. Ein Ergebnis der Nachforschungen soll „noch in dieser Legislaturperiode“ vorliegen, also bis 2019, erklärte er auf Nachhaken von Cornelia Klinkmüller. Die SPD hatte angeboten, das marode Grab auf eigene Kosten instand zu setzen und zu pflegen.