Von Andreas Staindl                    

Die Städte quellen über. Wohnraum wird zunehmend zu Goldstaub, der Straßenverkehr unerträglich. Attraktive Lebensqualität sieht anders aus. Immer mehr Leute flüchten aufs Land. Vor allem junge Menschen und Familien zieht es in die ländlichen Regionen. Die Dörfer haben Potenzial. Doch sind sie auch für die Zukunft gerüstet?

„Projektraum Drahnsdorf“ bietet die Plattform, um diese und andere Fragen zu diskutieren. Vor wenigen Tagen wurde erneut in den Ort im Amt Unterspreewald eingeladen. Das Thema diesmal: Lebendige Zukunft auf dem Land. Etwa 20 Gäste haben sich an der Gesprächs- und Diskussionsrunde im Garten des alten Gutshauses in Drahnsdorf beteiligt. Vor allem Zuzügler und Interessierte aus anderen Orten waren gekommen.

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Gastgeberin Andrea Weigt hätte sich über mehr Teilnehmer gefreut. Sie hatte immerhin spannende Gesprächspartner eingeladen. Martin Luge ist einer von ihnen. Er ist der Begründer der Pampa-App. Die Anwendungs-Software für das Mobiltelefon macht gegenseitiges Mitnehmen in ländlichen Regionen möglich. Die Idee: Menschen auf dem Land nehmen andere Bürger in ihrem Pkw mit. Die App bringt beide zusammen. Noch ist sie im Teststadium, wie Martin Luge sagt. „Doch sie funktioniert schon in 200 Orten im Landkreis Märkisch-Oderland. Wir haben aktuell zehn Nutzer pro Tag – vor allem junge Familien – 500 Nutzer wären unser Wunsch.“

Die App befindet sich nach wie vor noch in der Entwicklung und ist aktuell als Testversion nur im Google Play Store für Android-Smartphones verfügbar.

Die Pampa-App könnte auch interessant für Drahnsdorf sowie andere Dörfer im Spreewald sein. „Wir sollten das Thema unbedingt aufgreifen und politisch im Rahmen der Kreisentwicklungskonzeption diskutieren“, sagt Lothar Treder-Schmidt aus dem benachbarten Caule (Stadt Luckau). Er befürchtet jedoch, „dass diejenigen, die wenig mobil sind und Mitfahrgelegenheiten nutzen würden, auch die sind, die wenig medienaffin sind, also mit einer App vielleicht gar nicht umgehen können“.

Umdenken bei Baubehörden nötig

Unabhängig davon sieht er jedoch „Chancen für die Dörfer, denn immer mehr Familien mit Kindern entdecken den ländlichen Raum. Sie können hier wohnen und arbeiten, wieder Leben in die Dörfer bringen.“ Große, leerstehende Bauerngrundstücke könnten ihm zufolge zu Eigentumswohnungen umgebaut werden. „Doch das macht ein Umdenken bei der zuständigen Bauordnungsbehörde des Kreises nötig“, sagt er. „Die Behörde legt das Baurecht besonders streng aus.“

Roland Gefreiter bestätigt ihn. „Die Entscheidungen des Bauordnungsamts sind oft nicht nachvollziehbar und behindern Entwicklungen“, sagt Schönwalds Bürgermeister.

Der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) hat sich in der Enquete-Kommission des Landes Brandenburg mit der Zukunft der ländlichen Regionen beschäftigt. Den Abschlussbericht hatte er am Freitagabend dabei. Sein Fazit: „Unsere Kommission hat Lobby-Arbeit für den ländlichen Raum gemacht. Der Brandenburger Landtag hat sich inzwischen zur Stärkung der ländlichen Regionen bekannt.“

Ein Selbstläufer sei das jedoch nicht. „Die Dörfer müssen schon aktiv werden und die Umsetzung von Punkten aus dem Abschlussbericht einfordern“, sagt Benjamin Raschke. Er erwarte nämlich eine „Gegenbewegung der Städte. Elektro-Mobilität etwa machen diese wieder attraktiver. Der ländliche Raum hat also nur ein sehr begrenztes Zeitfenster, um sich für die Zukunft aufzustellen.“

Digitalisierung als Chance

Andrea Weigt sieht in der Digitalisierung eine Chance für die Dörfer: „Man muss physisch bei seinem Arbeitgeber nicht anwesend sein, ist aber dennoch mit der ganzen Welt verbunden.“ Das schnelle Internet macht’s möglich – wenn es denn überall wegweivorhanden ist. Doch auch so ziehen immer mehr junge Leute aufs Land, wie Andrea Weigt sagt: „Wir sollten die Chancen von außen und innen nutzen.“