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| 02:47 Uhr

Dienstesel und eine Fußballschule

FOTO: (74728144)
Ein neues Jahr steht vor der Tür. Wie stets an dieser Stelle hat die RUNDSCHAU ihren Hausastrologen Heribert Morali befragt, was es für die Leser zwischen Luckau, Dahme, Golßen und Heideblick wohl bringen wird.

Kinderlachen in Luckau weckt die Neugier des Sternenkundlers. Kaum hat Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) das symbolische Band durchschnitten, stürmen die Steppkes in ihren neuen Hort "Freundetreff". Für 2,2 Millionen Euro ist ein schmucker Bau entstanden. Aber wo ist der Spielplatz? Morali putzt sein Fernrohr und sieht - nichts. Da ist Nacharbeit nötig, denkt er und will die Sache im Auge behalten.

Doch zunächst richtet sich sein Interesse auf Dahme. Nur langsam geht es beim Ausbau der Ortsdurchfahrt voran. Von Zeitplänen spricht niemand mehr. Endlich rücken die Bagger ein Stück vor. Doch nur kurz, denn beim Buddeln stoßen die Bauleute auf eine Holzkiste. Archäologen wittern einen mittelalterlichen Schatz, finden aber nur einen verbeulten Nachttopf. Schon Opas Generation hat offenbar gern wertlos Gewordenes still entsorgt. Trotzdem wird der Fund von den Experten wissenschaftlich dokumentiert, analysiert, mit Nachttöpfen aus aller Welt verglichen. Unterdessen bleibt die Straße abgeriegelt. Geschäftsleuten an der Einkaufsmeile geht die Puste aus.

Von Golßen lernen

In Golßen kann sich der ehrenamtliche Bürgermeister Lars Kolan Atemnot nicht leisten. Zahlreiche Mitbewerber muss er ausstechen, wenn er hauptamtlicher Bürgermeister der Kreisstadt Lübben werden will. Nur Heribert Morali weiß, ob dem SPD-Mann der Karrieresprung gelingt. Womöglich kann er mit einer Idee für Bürgernähe aus dem heimatlichen Unterspreewald punkten. Dort steigen Rathausmitarbeiter neuerdings aufs Elektrofahrrad statt ins Auto, wenn ihr Job sie an die Basis ruft.

Als die Dahmer Nachbarn davon hören, trifft sie ein Gedankenblitz. Sie müssen sich zur Rettung ihrer Tierparktiere etwas einfallen lassen, nachdem die ehrenamtliche Interessengemeinschaft den Betreibervertrag gekündigt hat. Jemand schlägt Dienstesel vor. Sie sind noch sparsamer im Verbrauch als E-Bikes und selbst auf unwegsamen Dauerbaustellen geländegängig. Zunächst sind die vierbeinigen Transportmittel nur für die Rathaus-Beamten gedacht, doch viele Bürger wollen sie haben. Der Tierpark ist dank blühender Zucht finanziell bald sorgenfrei. Sogar ein Überschuss bleibt, um das verfallene Schützenhaus zurückzukaufen und neu aufzubauen. Bedrängte Ladenbesitzer der Hauptstraße können dort für einen Euro Verkaufsflächen mieten, bis die Ortsdurchfahrt vor ihren angestammten Türen fertig ist. Die Verträge gelten bis 2025.

Heribert Morali freut sich über diese Lösung und schaut nach Heideblick, wo in Walddrehna Kinder aus vielen Nationen begeistert das runde Leder treten. Was als Angebot zur Integration von Flüchtlingen begann, spricht sich herum bis zum Deutschen Fußballbund (DFB). Dessen Beobachter entdecken unter den kickenden Jungen und Mädchen begnadete Talente. So entscheidet der DFB: Die Pilzheide ist ein idealer Standort für eine internationale Fußballschule mit Internat. Ende 2015 ist Eröffnung.

Nach konzentrierter Arbeit wünscht sich der Sternenkundler einen Kaffee, am liebsten in Luckau, denn er ist ein Fan der schönen Stadt. Sein Pech, es ist Sonntagnachmittag, etliche Lokale im Zentrum machen Pause. Bestürzt vernimmt Morali, dass Wirte in der Stadt sich sogar mit Schließungsabsichten tragen. Während Rathaus und Tourismusverband sich noch um zukunftsfähige Konzepte streiten, macht der neue Gewerbeverein "Wir sind Luckau" Nägel mit Köpfen. Er startet im Netz eine Imagekampagne, deren Gesicht Konditormeister René Klinkmüller, Luckaus frisch gebackener Doppelweltmeister, ist. Jetzt wollen alle, die in der Branche etwas auf sich halten, in der Gartenstadt ansässig werden.

Schandfleck wird zur Oase

Zum Dank für die rettende Idee darf der Verein die Gewerbesteuern der Neu-Investoren behalten. Morali sieht, wie die rührigen Akteure von dem Geld als erstes die heruntergekommene Freifläche an der Hauptstraße 8 zur grünen Oase umgestalten.

Bevor er sein Fernrohr wieder auf den Dachboden trägt, richtet er es noch einmal auf den neuen Luckauer Hort. Eine tolle Spiellandschaft ist inzwischen hier entstanden, ganz nach den Vorschlägen der Kinder gestaltet. Dem Astrologen geht das Herz auf. Beruhigt sagt er tschüss.

So wird es sein im Jahr 2015.Wenn die Sterne nicht lügen . . .