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Die Welt schaut auf Gießmannsdorf

Uwe Vogt vom Ortsbeirat stellt auf die Internetseite, was in seinem Dorf wissenswert ist.
Uwe Vogt vom Ortsbeirat stellt auf die Internetseite, was in seinem Dorf wissenswert ist. FOTO: be
Luckau-Gießmannsdorf. Seit einem Jahr hat der Luckauer Ortsteil Gießmannsdorf einen eigenen Auftritt im Internet. Fast 14 000 Mal ist die Seite des 200-Seelen-Dorfes angeklickt worden. Was die Macher überrascht hat: Jeder fünfte Nutzer loggte sich aus dem Ausland ein. Carmen Berg

Die Idee, ans Netz zu gehen, entstand im Ortsbeirat. Das Dorf sei zwar klein, habe aber mit einem neuen Wohngebiet, Kita, Sportgemeinschaft oder dem Posaunenchor viel zu bieten, sagt Beiratsmitglied Uwe Vogt. Der 51-jährige Berufssoldat betreut die Seite in der Freizeit. Wenn die Polizei zur Verkehrserziehung in die Kita kommt oder die besten deutschen Radsportjunioren durch sein Dorf rollen, ist er mit der Kamera dabei. Ob Termin fürs Zampern oder Straßensperrung: "So eine Seite lebt davon, dass sie aktuell ist", sagt er. Für die Dorfchronik im Netz haben Einwohner in alten Alben gestöbert. So sei zum Beispiel ein Uralt-Foto von der Gaststätte aufgetaucht, als sie noch "Zum Deutschen Kaiser" hieß. "Das war auch für mich neu, obwohl ich aus dem Dorf stamme", sagt Uwe Vogt.

Nicht nur Jüngere, selbst Rentner wie der über 80-jährige Herbert Schurmann loggen sich inzwischen ein, freut er sich. Was ihn aber überrascht: Die Neuigkeiten aus Gießmannsdorf werden bundesweit und sogar in aller Welt gelesen. So schrieb Armin Gießmann aus Hessen ins Gästebuch, er sei baff, dass ein Ort seinen Namen trägt, noch dazu bereits seit 700 Jahren. Uwe Vogt lud ihn ein, sich das Dorf anzusehen. Öfter finde er im Kontaktformular zudem Anfragen von Menschen, die nach Vorfahren suchen. So, wie von jener Frau, die von ihrer Großmutter nur wusste, dass sie in Gießmannsdorf geboren und in Zweiten Weltkrieg geflüchtet sei. Weil den angegebenen Namen niemand hier kannte, recherchierte Uwe Vogt weiter und stieß auf ein zweites Gießmannsdorf in Schlesien, das später dem Bergbau zum Opfer fiel. "Das ist aufwendig, aber spannend, man lernt selbst viel dazu", sagt er.

Laut einer detaillierten Statistik des Homepage-Anbieters haben im ersten Jahr 3068 Leute die Internetseite des kleinen Ortsteils besucht, davon 80 Prozent Deutsche. Weitere 20 Prozent verteilen sich auf alle Kontinente, ausgenommen die Antarktis. Die Palette reicht von Australien und Angola bis auf die Philippinen und in die USA, die mit 191 Besuchern unter den Ausländern am stärkten vertreten sind. "Manche Nutzer sind Verwandte von Dorfbewohnern oder ehemalige Gießmannsdorfer, für die die Seite ein Draht zur alten Heimat ist", erzählt Uwe Vogt. Bei anderen bleibe nur Rätselraten. "Als wir im September über den Dreh der US-Serie ‚Homeland' in Luckau informierten, hatten wir tatsächlich zeitnah einen User aus Islamabad, der Hauptstadt Pakistans", erinnert er sich. In der amerikanischen Serie geht es, verkürzt gesagt, um CIA-Agenten und die Jagd auf Terroristen, so auch in Pakistan.

Zufall oder nicht, es zähle, dass die Seite im World Wide Web gefunden und gut angenommen werde. Nach dem ersten Jahr fühlt Uwe Vogt sich ermutigt zum Weitermachen. Sanierung der Kita, Warten auf den Weiterbau des Radweges an der B 96 - er will auf dem Laufenden halten über Dinge, die auf den Nägeln brennen. "Schließlich wissen wir ja jetzt: Neugierig sind nicht nur Einheimische. Die Welt schaut auf Gießmannsdorf", sagt er.

www.giessmannsdorf.de