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Die starke Frau an Luthers Seite

Das Orlando-Ensemble aus Potsdam versetzte die Zuhörer in der Zieckauer Dorfkirche musikalisch in die Zeit der Reformation.
Das Orlando-Ensemble aus Potsdam versetzte die Zuhörer in der Zieckauer Dorfkirche musikalisch in die Zeit der Reformation. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Zieckau. Als Martin Luther 1525 die entflohene Nonne Katharina von Bora heiratete, hatte er bereits seine Thesen an der Wittenberger Stadtkirche angeschlagen und auf der Wartburg die Bibel übersetzt. Die selbstbewusste Katharina war eine außergewöhnliche Frau, und in ihrer starken Persönlichkeit dem großen Reformator durchaus ebenbürtig. Birgit Keilbach / bkh1

Eine einprägsame Vorstellung davon gab das Potsdamer Orlando-Ensemble am Erntedanksonntag in der Zieckauer Dorfkirche. Die auf Alte Musik spezialisierten Musiker ließen die Zuhörer mit Worten und Tönen tief eintauchen in die Welt der Gefühle und Gedanken vor 500 Jahren. Beeindruckend verknüpfte die Sopranistin Juliane Maria Esselbach den erzählenden Part mit dem Gesang der Lieder, was den jeweils beschriebenen Szenen aus dem Leben der Katharina nachhaltige Wirkung verlieh.

Spürbar wurde so der Schmerz des mit knapp sechs Jahren ins Kloster gegebenen Mädchens über den Verlust der Mutter, die kurz darauf starb. Ihre Lebensfreude, eingeschränkt in den strengen Regeln des Klosterlebens, kam ebenso zum Ausdruck. Dennoch legte sie ihr Gelübde ab, doch die ins Kloster geschmuggelten Schriften Luthers ließen sie neue Hoffnung schöpfen, auf ein Leben frei von Zwängen. Luthers "Ein neues Lied wir heben an" brachte dies musikalisch auf den Punkt. Nach gelungener Flucht aus dem Kloster war die selbstbewusste Haltung der 26-jährigen Frau für ihre Zeit ungewöhnlich und brachte ihr keineswegs Achtung ein. Doch sie ließ sich nicht beirren und heiratete den 41-jährigen Luther, dessen Liebe sie erst gewinnen musste. Ihm war sie nicht nur liebende Ehefrau und Mutter der sechs Kinder, wohl auch eine ebenbürtige Gesprächspartnerin. Denn bei Diskussionen im Hause Luther kam auch sie zu Wort, aus Luthers Briefen überliefert als "Herr Käthe". Ihr unerschütterliches, zupackendes und entschlossenes Wesen prägte dennoch eine tiefe Emotionalität, was Sopranistin und Musiker in der tiefen Traurigkeit über den Verlust der ersten Tochter Elisabeth mit dem Lied "Ach Elslein, liebes Elselein" von Ludwig Senfl einfühlsam vermittelten. Lautensoli ließen im Kopf der Zuhörer ein Bild entstehen, wie Luther am Bett seiner Katharina sitzt und ihr vorspielt. Dass sie auf Luthers letzter Reise nach Eisleben ihrem Gefühl nicht nachgeben und ihm nachreisen darf, weil ihr Vormund das verbietet, zeigt auf, wie eingeschränkt auch diese starke Frau in ihren Entscheidungen abseits von Luthers Nähe war. So wurde auch ihre Einsetzung zur Alleinerbin nicht anerkannt. Katharinas Leben war ein immerwährender Kampf, gegen Klostermauern, böse Zungen und die immer währende Behauptung gegenüber zahlreichen Widrigkeiten wie Pest und Krieg. Einen wirklichen Platz in der Gesellschaft hatte sie nach Luthers Tod nicht mehr. "Es war sehr informativ mit ganz anderer als der gewohnten Musik. Die Erzählungen zwischendurch haben dieses Konzert unterhaltsam gemacht", gab Sabine Fiedler aus Rietzneuendorf-Staakow ihren Eindruck wieder. Er sei der Zieckauer Kirche schon seit vielen Jahren verbunden und komme gern hierher, erklärte Dr. Helmut Winkler aus Berlin. "Ein Lob den Frauen, die hier immer für Kaffee und Kuchen sorgen, das macht den Charme dieser Konzertreihe aus." Bernd Heidenreich war zum ersten Mal in der Zieckauer Kirche. "Es war eine interessante Idee, den Lebenslauf mit der Musik dieser Zeit zu verbinden", sagte der Finsterwalder. Er verwies darauf, dass am 9. Oktober um 20.15 Uhr im mdr-Fernsehen ein Film über das Leben der Katharina von Bora zu sehen sein wird. "Meine Frau hat ihn schon gesehen und war davon sehr beeindruckt."