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| 18:22 Uhr

Kirche, Keller und Kneipen
Eine Nacht voller Überraschungen

Ein Publikumsmagnet der Altstadtnacht war auf dem Luckauer Marktplatz die Laufsteg-Schau vom Modehaus Byanci.
Ein Publikumsmagnet der Altstadtnacht war auf dem Luckauer Marktplatz die Laufsteg-Schau vom Modehaus Byanci. FOTO: LR / Ingrid Hoberg
Luckau. Zum Auftakt des Luckauer Altstadtzaubers bieten Berliner Sänger ein beschwingtes Konzert. Von Ingrid Hoberg

Unter den Besuchern der zweiten Luckauer Altstadtnacht sind am Samstagabend eine ganze Reihe von Berlinern zu erkennen. Ist den Hauptstädtern die eigene Partymeile zu eng geworden? Einige hat es jedenfalls ganz gezielt in die kleine Stadt an der Berste geführt.  Kantor Focko Hinken begrüßt in der Nikolaikirche den Jazz- und Popchor Berlinvokal. „Wir eröffnen unsere Altstadtnacht wieder mit einem Konzert in der Nikolaikirche“, sagt Tino Wolff. Der Gewerbeverein „Wir sind Luckau“ hat seit dem vergangenen Jahr die Organisation der Veranstaltung übernommen.

Und dieser Auftakt gelingt. Während der eine oder andere schon beim Abendessen in einer der Gaststätten rund um den Marktplatz sitzt, zieht es rund 200 Besucher in die Nikolaikirche. „Pass me the Jazz“ ist das Motto des Konzerts. Neun Titel, die die Facetten des Lebens aufgreifen, werden musikalisch umgesetzt. Die Titel „Send me on my way“ und „Secret of life“ sind dabei. Mit choreografischen Elementen unterstreichen die Sänger die Aussagen der Songs. Und wenn sie die Geschichte von „Hänsel und Gretel“ erzählen, entführen sie die Zuhörer in den Märchenwald. Chorleiterin Nane Bache unterstützt mit Beatboxing den Sound. Die Nikolaikirche erweist sich als wunderbarer Resonanzraum.  Um Mitternacht spielt Kantor Focko Hinken dann auf der historischen Donath-Orgel ein „Best of Pop & Rock“.

Vom A-Cappella-Gesang beschwingt, streben die Konzertbesucher dem Marktplatz zu. Schnell noch ein Getränk oder einen Imbiss, die besten Plätze vor dem Modehaus „Byanci“ wollen besetzt sein. „Es ist die  siebente große Modenschau, die ich mit meinen Models zeige“, sagt Bianca Köhler. Und sie freut sich, dass auch Luckauer Männer immer modebewusster werden.  Während der Show ergreift Abendstimmung von Luckau Besitz, Scheinwerfer leuchten auf. Nach dem Schlussapplaus strömen die Besucher in alle Richtungen aus.

In acht Gaststätten gibt es Live-Musik, sieben Keller und Gewölbe können besichtigt werden. Im Bergfried Luckau präsentiert die Theaterloge eine Geisterstunde, das Niederlausitz-Musuem zeigt sich im Abendlicht und das Cartoonmuseum erwartet Besucher.

Der Tourismusverband Niederlausitz lädt zu einer Zeitreise auf den Hausmannsturm ein. Dort erwarten die beiden Gästeführer Carola Pfirschke und Andreas Jahnke vom Tourismusverband Niederlausitzer Land die Mutigen, die auf den Hausmannsturm steigen wollen. Sie sind diesmal als Magd Sofie und als Uhrmachermeister unterwegs und führen die Besucher über enge und enger werdende Stiegen in die Höhe.

124 Stufen sind zu bewältigen. „Mich interessiert alles, was mit Technik zu tun hat“, sagt Karsten Deutschmann und nimmt auch die letzten Stufen, um das Uhrwerk zu besichtigen. Mit Katharina Gill ist er aus Berlin gekommen, um das Luckauer Nachtleben zu erkunden. „Es ist in Luckau in den vergangenen Jahren viel gemacht worden“, stellt er fest. „Ich kenne die Stadt noch von früher“, sagt er. Anke und Steffen Mehlhose kommen aus Walddrehna, wenn die Stadt feiert. „Heute ist ja viel los in Brandenburg und auch hier in der Nähe“, sagt er und freut sich, dass auch Luckau ein Anziehungspunkt für Besucher ist.

Das sieht Tino Wolff genauso. „Es sind viele Luckauer unterwegs, aber auch viele von außerhalb“, sagt er und schätzt, dass mehr als 1000 Besucher gekommen sind. „Eine genaue Bilanz können wir erst Anfang der Woche ziehen“, ergänzt er.

Zu den Flaneuren gehören die Chorsänger von BerlinVokal. „Wir hatten das Glück, von Dietrich Kölling eine Stunde lang durch die Häuser und Gassen geführt zu werden. Er hat viele Anekdoten erzählt“, sagt Georg Gillert, erster Vorsitzender des Vereins Berlinvokal. „Luckau ist eine schöne alte Stadt“, stellt auch Chorsängerin Sandra Patalon fest. Im Ratskeller machen einige Sänger dann Zwischenstation, ehe es wieder zurück nach Berlin geht.

Die Altstadtnacht ist da längst noch nicht zu Ende. Die Partygäste suchen sich ihre Lieblingsmusik. Über den Marktplatz schallt „Jugendliebe“, die Band Ageless spielt die Top 40. Shawue spielt Message Folk am Schlossberg, Eßfeld Rock und Pop. Auf dem Klosterhof der ehemaligen JVA legen DJ’s House & Dance Classics auf. Auch in den Kellern und Gewölben ist nicht nur das Stimmengewirr der Besucher zu hören. Davon unbeeindruckt trägt Andreas Willers in der Marktstraße 6 klassische Musik auf dem Cello vor. Marie Heider, ehemalige Schülerin des Bohnstedt-Gymnasiums, unterstützt die Führungen durch den Keller. Die Spenden der Besucher sollen ein Projekt der Schüler finanzieren helfen.

 Am Markt 3 gibt es nicht nur Rock und Pop auf der Gitarre mit Arno Liszka. Thomas Kohl zeigt auch einige Grafiken, die er im Laufe der Jahre geschaffen hat. Er ist Produktdesigner und lehrt an der TU Dresden. Mit seiner Frau Susanne hat er das Haus in der Luckauer Innenstadt gekauft. Zu den Denkmalen, die während der Altstadtnacht besucht werden konnten, und die dann am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals wieder geöffnet sind, gehört auch Keller und Hof Bebök-Schibor. „Das Haus Am Markt 26 ist seit vier Generationen in Familienbesitz“, sagt Peggy Bebök-Schibor.

Auf den Hausmannsturm führten die Magd Sofie (Carola Pfirschke) und der Uhrmachermeister (Andreas Jahnke) vom Tourismusverband Niederlausitzer Land.
Auf den Hausmannsturm führten die Magd Sofie (Carola Pfirschke) und der Uhrmachermeister (Andreas Jahnke) vom Tourismusverband Niederlausitzer Land. FOTO: LR / Ingrid Hoberg