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Die Lieberose Heide wird von unten entwickelt

Bernd Boschan (Mitte), Sprecher der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft INA, im Gespräch mit Bürgern über die Zukunft der Lieberoser Heide.
Bernd Boschan (Mitte), Sprecher der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft INA, im Gespräch mit Bürgern über die Zukunft der Lieberoser Heide. FOTO: Annett Igel
Drachhausen. Die Internationale Naturausstellung (INA) Lieberoser Heide braucht endlich ein Ja von der Landesregierung. Mit den Hoffnungen sämtlicher Kommunen rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz fahren am heutigen Mittwoch der Lieberoser Amtsdirektor Bernd Boschan und Heiko Jahn von der Tourismus-Entwicklungsgesellschaft nach Potsdam zum Gespräch mit Umweltminister Jörg Vogelsänger. Und Unterstützer aus Osteuropa hoffen mit. Annett Igel-Allzeit

Im Jahr 2016, das hofft Arne Barkhausen, Leiter der Oberförsterei in Peitz, soll die Durchsuchung des Landeswaldes auf Munition abgeschlossen werden. "80 Prozent - 15 000 Hektar - sind geschafft." Und obwohl 500 Hektar als stark kontaminiert gelten, sei die Lieberoser Heide (insgesamt 25 500 Hektar) in den vergangenen 15 Jahren sehr viel freier und offener geworden.

Die Kommunen und Institutionen der kommunalen Arbeitsgemeinschaft INA haben pünktlich zum Besuch im Ministerium eine Broschüre drucken lassen. Sie werben für 25 000 Hektar unzerschnittene Landschaftsvielfalt. Die wissenschaftliche Untersuchung, die das Bundesumweltministerium in einem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben finanzierte, bestätigt die Ergebnisse des vom Land finanzierten Masterplans 2014. Doch die Chance, alles in einer riesigen Naturausstellung zu realisieren und international bekannt zu machen, was sich aus einem ehemaligen Truppenübungsplatz entwickeln lässt, hängt von weiteren Fördermitteln in Millionenhöhe ab. Und diese Mittel wiederum, so Bernd Boschan als Sprecher der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft, brauchen jetzt ein völliges Bekenntnis zur Lieberoser Heide vom Land.

Das Gerangel des Landesforstes mit den Naturschützern, das wurde in einer Bürgerversammlung in Drachhausen deutlich, sei beigelegt. Kein weiterer Hektar Landeswald muss abgeben müssen. "Mit unserer Waldbewirtschaftung finanzieren wir schließlich den Waldumbau von der Monokultur zum Kiefernmischwald und auch die weitere Entmunitionierung", erklärt Barkhausen. Der Vorschlag, Wisente in der Lieberoser anzusiedeln, ist vom Tisch. 83 Prozent des ehemaligen Truppenübungsplatzes sind mit mindestens einer Schutzkategorie bedacht. Auf Heideflächen am Reicherzkreuz, so Wolfgang Renner, Teamleiter der Naturparkverwaltung Schlaubetal, sind zwei Schäfer mit ihren Herden unterwegs. In Wildnisgebieten der Stiftung Naturlandschaften ist jegliche forst- und landwirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen. "Sie als Menschen dürfen sie betreten, fraglich ist nur, ob sie auch wieder herausfinden", so Barkhausen.

Darf der Traum von einer INA-Präsentation 2019/2020 weitergeträumt werden, ist die Stiftung auch mit Moor-Renaturierung, Erhalt des Waldbrandschutzstreifens und Sukzessionspark die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg im Zeitplan. Der Naturschutz- und Erlebnispfad Ludwig Leichhardt ist mit 32 Kilometern der längste Naturlehrpfad in Deutschland. Artenschutzprojekte für die Smaragdeidechse, den Ziegenmelker und die Bärentaube sind angelaufen. Im Jahr 2009 war der Solarpark in der Gemeinde Turnow-Preilack eingeweiht worden. Und der internationale Workshop im März machte deutlich, dass aus Osteuropa gern auf ein Mutterprojekt in der Lieberose Heide geschaut werden würde.

Unter den geplanten Wegen und Pfaden würde der Heideradweg entlang der Bahntrasse 1,7 Millionen Euro kosten. Elvira Hölzner, die Peitzer Amtsdirektorin, hofft auf Fördermittel - "maximal 75 Prozent sind möglich".

Der Fesselballon für die Vogelperspektive und 100 Arbeitsplätze durch INA werden belächelt. Aber grundsätzlich, das zeigte sich in Drachhausen, stehen die Bürger zu INA. Ein Projekt, das von unten kommt - Vogelsänger hat heute die Vogelperspektive.