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| 09:33 Uhr

Die drei Jungstörche in Gießmannsdorf tragen Ringe

Luckau. "Das ist das zweitschlechteste Storchenjahr seit ungefähr 40 Jahren", sagt Katharina Illig, die im Auftrag des Biologischen Arbeitskreises im Altkreis Luckau immer im Juli die Jungstörche beringt. Obwohl die Lebensbedingungen für die Störche in der Region in diesem Jahr optimal zu sein scheinen, gibt es nur insgesamt 20 Jungvögel. Von Gabriele Bernhardt

In Gießmannsdorf beobachtet Helmut Knöfel aufmerksam aus seinem Fenster in der ersten Etage das Geschehen. "Es sind drei, stimmt's?", ruft er Katahrina Illig zu, die im Korb des envia-Krans von Roland Krüger in etwa elf Meter Höhe chauffiert wird. Dort beugt sich die Storchenberingerin über das Nest auf dem Strommast, das Knöfel seit 1998 immer im Blick hat. Sie bestätigt seine Beoachtungen. Drei gesunde Jungvögel, die etwa vier Wochen alt sind. Innerhalb weniger Minuten hat sie die Tiere mit Plastikringen gekennzeichnet. Diese Ringe an den Beinen begleiten die Störche ihr Leben lang und geben Auskunft zum Beispiel darüber, wo und wann sie geboren wurden.

Den Feind täuschen "Die verfallen in eine Starre", erklärt Illig das Verhalten der Tiere, die wie leblos im Nest liegen. "Sie signalisieren damit ihren Feinden, die ja nur aus der Luft kommen können, dass sie eigentlich tot sind", so die Storchenbeauftragte. "So wenig Tiere wie in diesem Jahr hatten wir erst einmal", sagt die 60-Jährige, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hat. Seit knapp 40 Jahren kümmert sie sich um die Neupopulationen und konnte in manchen Jahren bis zu 80 Tiere beringen. Eine Ursache für die geringe Anzahl von Jungtieren in diesem Jahr könnte sein, dass die Tiere im Frühjahr verspätet in der Region angekommen seien, vermutet Illig. "Die Störche sind Segler und eine Schlechtwetterfront auf ihrem Weg aus dem Süden hatte sie wahrscheinlich in der Türkei aufgehalten", erklärt sie. Kämen die Tiere später als Anfang April, könne es passieren, dass sie gar nicht mehr brüteten, weil ihnen die Zeit zu knapp werde. "Die Gießmannsdorfer Altstörche haben es offensichtlich rechtzeitig geschafft", ist sie zufrieden. Und bei dem Nahrungsangebot bestünden gute Chancen, dass die Jungen nicht von den Eltern aus dem Nest geworfen und Ende August in ihr Winterquartier fliegen werden.

Wissenschaftliche Begleitung Auch das Institut für Biologie der Uni Potsdam und das Friedrich-Löffler-Institut wollen wissen, wie es den Störchen geht. Seit dem vergangenen Jahr läuft ein Forschungsprojekt, mit dem geklärt werden soll, welche Viren Störche in sich tragen und wie sich einzelne Storchenpopulationen austauschen. Deshalb begleiten Ralf-Udo Mühle, Thomas Müller sowie Conrad Freuting Katharina Illig auf ihrer elf Stationen umfassenden Tour, die den kräftigeren Jungvögeln ein Kubikzentimeter Blut aus der Flügelvene abnehmen. "Der Storch ist ein Sympathieträger", sagt Mühe. Da sei es schon wichtig zu wissen, ob die Populationen auch gesund seien. "Das ist eigentlich immer der Fall, wenn sie sich wie hier in einer intakten und gut strukturierten Umwelt aufhalten", so der Wissenschaftler. Abstriche im Rachen und der Kloake der Jungtiere sollen Auskunft darüber geben, ob die Tiere mit Viren befallen sind. Die Studie soll, so Mühle, in drei Jahren abgeschlossen sein und dann in ein größeres Projekt münden, das den Storch in der Kulturlandschaft betrachten werden wird.

Hintergrund Zentrale in Hiddensee Die Anzahl der zu vergebenden Ringe für die Jungstörche wird durch die Vogelwarte in Hiddensee vorgegeben. Anhand der eingeprägten Daten lassen sich das Geburtsjahr und die Herkunft der Vögel weltweit nachvollziehen. Daten über den Standort der Tiere und ihr Alter werden gesammelt und ausgewertet. Mit einem Fernglas mit 40-facher Vergrößerung sind die Buchstaben und die Zahlen auf dem Ring gut erkennbar.

Bei einem Storch in Beesdau konnte anhand der Beringung jetzt festgestellt werden, dass er bereits 19 Jahre dort Quartier genommen hat. Ein tot aufgefundener Storch, der in diesem Jahr offensichtlich in eine Stromleitung gekommen war, war 1999 in Waltersdorf geschlüpft.