ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:10 Uhr

Altdöbern/Luckau
Dialysepatient fühlt sich von Krankenkasse hingehalten

Thomas Poske fühlt sich von seiner Krankenkasse hingehalten.
Thomas Poske fühlt sich von seiner Krankenkasse hingehalten. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern/Luckau. Thomas Poske streikt für mehr Fingerspitzengefühl. Von Uwe Hegewald

Für Thomas Poske ist das sprichwörtliche Ende der Fahnenstange erreicht. Seine Fahrten zum Dialysezentrum in Luckau tritt der Altdöberner neuerdings mit dem eigenen Pkw an. Auch die rund 40 Kilometer lange Rückfahrt, obwohl Mediziner aufgrund der Niedergeschlagenheit nach einer Behandlung davon abraten. Zwischenzeitlich befand sich Thomas Poske sogar in einen Dialysestreik. „Mir war klar, dass ich damit meine Gesundheit in die Waagschale gelegt habe, aber es schien mir die einzig verbliebene Möglichkeit, um endlich Gehör zu finden“, begründet er.

Woche für Woche wird der 52-Jährige nach Luckau und wieder zurück chauffiert, um sich der so wichtigen Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen zu unterziehen.

Der Altdöberner kritisiert das „lethargische Auftreten“ seiner Krankenkasse. „Seit Wochen warte ich auf die nötige Zuschlagsbefreiung meiner Krankenkasse, um fällige Ausgaben zu begleichen. Am Telefon wurde ich ein ums andere Mal vertröstet. Jetzt ist mir der Kragen geplatzt“, begründet er sein Handeln.

Die Ärzte im Luckauer Dialysezentrum konnten ihn inzwischen zum Abbruch des Dialyse-Streiks bewegen. „Die Mediziner haben mir prophezeit, dass ich die kommende Woche sonst nicht überlebe“, so Poske, dem die Kosten um seine Krankheit aus dem Ruder laufen. 170 Euro Taxikosten, 99 Euro anteiliger Kassenbeitrag und 20 Euro Medikamentenkosten musste er bislang vorstrecken.

„Bei 580 Euro Erwerbsunfähigkeitsrente und 400 Euro, die monatlich für die Miete weggehen, schmerzen diese Ausgaben erheblich“, sagt er. Es sei ihm leid, in Hoffnung auf die ersehnte Zuschlagsbefreiung Tag für Tag in den Briefkasten zu blicken, um dann wieder enttäuscht zu werden.

Von seiner Krankenkasse sei er in Bezug auf den Antrag auf Zustellungsbefreiung auf eine Bearbeitungszeit von bis zu vier Wochen hingewiesen worden. „Zuletzt flatterte ein Schreiben rein, in dem ich aufgefordert bin, mir die chronische Erkrankung vom Hausarzt attestieren zu lassen. Ich bin doch nicht erst seit gestern Dialysepatient“, stellt er klar.

Dass er im vergangenen Jahr die Krankasse gewechselt hat, will Thomas Poske als Entschuldigung nicht akzeptieren. In Gesprächen mit anderen Dialysepatienten habe er erfahren, dass auch sie sich von ihren Krankenkassen stiefmütterlich behandelt fühlen. „Die Leute sehen sich als lästige Dauerpatienten und Bittsteller und hüllen sich lieber in Schweigen. Oftmals haben sie aufgrund des Grades ihrer Erkrankung gar nicht die Kraft, um sich aufzubäumen“, skizziert Poske die „teils unerträglichen Situationen“.

Mit seinem Hilferuf bei der Heimatzeitung will er wachrütteln, egal in welcher Krankenkasse Leidensgefährten organisiert sind. „Ich mache das nicht nur für mich“, so der Altdöberner, der inzwischen den Hauptsitz seiner Krankenkasse (in Bochum) kontaktiert hat. Den fälligen, anteiligen Krankenkassenbeitrag von 99 Euro habe Thomas Poske überwiesen und eine weitere Baustelle aufgemacht: „Aufgrund meiner chronischen Erkrankung müsste ich eigentlich nur 45 Euro entrichten. Mir wurde jedoch zugesichert, nach Einzelfallprüfung den zu viel entrichteten Anteil zurück zu erhalten“, teilt der 52-Jährige mit.

„Wir kümmern uns gerne um den Fall, können ihnen allerdings ohne eine Freistellungserklärung für Sozialdaten keine weiteren Informationen zukommen lassen“, erklärt Dr. Wolfgang Buschfort, Referatsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See auf RUNDSCHAU-Anfrage.

Poske, dessen Nieren aufgrund einer erblich bedingten Erkrankung stark geschädigt sind und weshalb er seit drei Jahren zur Dialyse muss, hofft, dass die zurückliegenden Zugeständnisse seiner Krankenkasse nicht nur Lippenbekenntnisse waren. Ein Taxi-Unternehmen kann er erst dann wieder gewinnen, wenn die dringend benötigte Zuschlagsbefreiung endlich im Briefkasten liegt.