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| 18:00 Uhr

LR vor Ort in Gießmannsdorf
„Wir wollen es für die Kinder“

Groß war das Interesse der Gießmannsdorfer am „Vor Ort“-Forum. Rundschau-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer (1. Reihe, 3.v.l.) hatte die Einwohner und Gäste verfolgte die Diskussion. In dieser legte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (stehend) ihre Sicht auf die Problematik dar.
Groß war das Interesse der Gießmannsdorfer am „Vor Ort“-Forum. Rundschau-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer (1. Reihe, 3.v.l.) hatte die Einwohner und Gäste verfolgte die Diskussion. In dieser legte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (stehend) ihre Sicht auf die Problematik dar. FOTO: Birgit Keilbach
Gießmannsdorf. Deutliche Kritik an Haltung des Straßenverkehrsamtes bei „Vor Ort“ in Gießmannsdorf.

Eins ist im vollbesetzten Sportlerheim von Gießmannsdorf am Donnerstagabend klar geworden: Die Einwohner des Luckauer Ortsteiles stehen in ihrem Kampf für eine Reduzierung auf Tempo 30 für alle Fahrzeuge in der Ortslage, insbesondere auf Höhe der Kita „Waldwichtel“ nicht allein. Hinter ihnen stehen Stadtverordnete und die Verwaltung der Stadt Luckau, Kreistags- und Landtagsabgeordnete. Unverständlich ist für sie die Argumentation des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Dahme-Spreewald, dass die Kita aufgrund der vor ihrem Eingang liegenden Busspur „keinen direkten Zugang zur Bundesstraße“ habe und damit „kein Anspruch der Kita auf Tempo 30 nach den Grundsätzen der Novellierung der Straßenverkehrsordnung besteht.“ Das hatte der zuständige Dezernent Chris Halecker schriftlich mitgeteilt. Dabei sei die Situation für die Kinder schon jetzt nicht ungefährlich, beschreibt Kita-Leiterin Silke Wehner. „Wenn wir in den Ort hineinlaufen, laufen wir in der Kurve nur nach Gehör“, sagt sie. Eine Mutter betont: „Wir wollen es doch für die Kinder.“

Realisierbar wäre eine Tempo 30-Zone nach Ansicht der Behörde nur, wenn der Kita-Eingang direkt an die Bundesstraße verlegt werde. Dazu müsste die Busspur zurückgebaut werden. „Was passiert also, wenn Luckau den Zaun bis an die Grundstücksgrenze zieht und die Bushaltestelle damit verschwindet?“, veranschaulichte der Kreistagsabgeordnete Frank Selbitz (UBL/Wir für KW), diese Bedingung für eine Temporeduzierung im Bereich der Kita. Ihm sei „unverständlich, wie die Gesetzeslage durch die Behörde völlig umgekippt wird“, erklärte Selbitz. Denn die im Dezember 2016 beschlossene Änderung der Straßenverkehrsordnung habe ja gerade eine größere Sicherheit für Kinder, Ältere und behinderte Menschen vor Kitas, Schulen, Seniorenheimen sowie Krankenhäusern zum Ziel, wie die Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (SPD) erläuterte. „Es soll eine Regel-Maßgabe werden“, sagte sie. Doch stattdessen werde in Gießmannsdorf argumentiert, warum das hier nicht gelte. Anwohner sind über dieses Verhalten aufgebracht und fragen: „Muss erst ein Kind verletzt werden, damit sich etwas ändert?“

Das Gesetz sei zum Schutz der Schwachen geändert worden, und es müsse vollzogen werden, betonte auch der Kreistagsabgeordnete Lothar Treder-Schmidt (SPD/Grüne). „Die Behörde ist nicht der liebe Gott.“ Es herrsche ein grundsätzlich falsches Denken vor. Die Behörde habe dem Bürger zu dienen und sich nicht an Formalien zu klammern. „So geht es nicht, schon gar nicht im Interesse der Kinder“, sagte er.

Ein direkter Austausch mit einem Vertreter des Landkreises war in der LR-Gesprächsrunde nicht möglich. Dieser hatte mit Verweis auf ein offenes Rechtsverfahren eine Teilnahme abgelehnt. Kerstin Grabs vom Luckauer Ordnungsamt bestätigt, dass die Stadt gegen die Ablehnung ihres Antrages auf Tempo 30 vor der Kita in Widerspruch eingelegt hat. Der von den Gießmannsdorfer Einwohnern unter Federführung von Ortsbeiratsmitglied Uwe Vogt eingebrachte Antrag auf Tempo 30 an der schlecht einsehbaren Kurve mit dem Abzweig zur Lindenstraße war vom Straßenverkehrsamt ebenso abgelehnt worden. Auch dagegen wurde laut Uwe Vogt Widerspruch eingereicht.

Wenig Hoffnung auf eine zeitnahe Realisierung des Radweges von Wierigsdorf nach Gießmannsdorf machte Luckaus Bauamtsleiter Michael Krüger. Nachdem der vom Landesbetrieb für Straßenwesen und der Stadt gemeinsam geplante, kombinierte Geh- und Radweg aufgrund einer Unterschriftensammlung der Wierigsdorfer Einwohner gekippt wurde, erfolge nun eine neue, getrennte Planung. „Dazu stimmen wir uns mit dem Landesbetrieb ab, denn zur Sicherheit für die Einwohner beider Orte gehört ein ordnungsgemäßer Gehweg“, erklärte der Bauamtsleiter. Dabei sollte auch die Barrierefreiheit im Blick behalten werden, fordert Gisela Lehmann. „Rollstuhlfahrer oder die Kita-Kinder können den Absatz am Waldweg kaum überwinden.“

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR