„Die Frauen im offenen Vollzug sind für das Gemeinwesen sehr nützlich“ , ist Luckaus Bürgermeister Harry Müller überzeugt. Seit der Einrichtung des offenen Vollzugs in der Luckauer JVA haben schon mehr als zehn weibliche Gefangene in der Grünflächenpflege bei der Laga GmbH und auch bei der Stadt gearbeitet. „Wir haben massenhaft Arbeit und sind in Zeiten knapper Kassen froh über die Hilfe.“ Nach der Information, dass es in Duben keinen offenen Vollzug geben werde, wandte er sich an das Justizministerium. „Jetzt denkt man zumindest über Freigängerinnen nach“ , so Müller nach dem Erhalt des Antwortschreibens.
Dass man aber Freigängerinnen nicht mit Frauen im offenen Vollzug vergleichen kann, davon ist JVA-Leiter Jürgen Rades überzeugt, weil „die Rahmenbedingungen völlig unterschiedlich“ sind. Zehn Plätze im offenen Vollzug gibt es seit dem vergangenen Jahr in Luckau, der einzigen JVA für Frauen im ganzen Land. Die geeigneten Frauen sind räumlich von den anderen Frauen getrennt, gehen morgens aus dem Haus zur Arbeit, haben ein bestimmtes Freizeitkontingent und kommen abends wieder in die JVA zurück. Eine Missbrauchsquote gibt es in Luckau nicht. „Die Frauen arbeiten als Altenpflegerin, Reinigungskraft oder in einer Verwaltung“ , weiß Rades. Es ist eine Chance, um sich nach der Entlassung schnell wieder im normalen Alttag zurechtfinden zu können.
Mit 40 000 Euro und einer kurzen Bauzeit entstanden im JVA-Bereich Luckau im unteren Dienstzimmer, Räume zum Wäschewaschen und Sanitäranlagen und eine Etage darüber einen Aufenthaltsraum. Einen Freizeitraum mit Fernseher und Hometrainer gibt es ebenso wie eine Küche und modern eingerichtete Ein- bis Dreibett-Hafträume. Verschlossen werden diese im offenen Vollzug nicht.
Dazu kommt, dass auch die Zahl der Frauen, die straffällig werden, seit etwa zwei Jahren steigt. Waren bis 2002 maximal 40 Frauen in Luckau untergebracht, liegt die Zahl derzeit kaum noch unter 60, so Rades. In Duben soll es 62 Plätze für Frauen geben. „Zu wenig“ , ist er überzeugt.
Es wäre eine Alternative, den offenen Vollzug in Luckau zu belassen. „Sicher, die Immobilie ist groß genug, da könnte ich mir verschiedene Nutzungsfunktionen gut vorstellen“ , so Harry Müller. Ob es aber möglich sein wird, zusätzliches Gefängnispersonal in Luckau zu belassen, sei sicher „nicht aussichtsreich“ . Auch der im Mai neu gewählte JVA-Beirat hat sich der Sache angenommen und einen Brief an das Ministerium geschickt, um sich für den offenen Vollzug stark zu machen.
Das Justizministerium arbeitet derzeit an einem Konzept, dass den künftig rückläufigen Bevölkerungszahlen im Land und damit auch den dann benötigten Haftplätzen Rechnung trägt. „In diesem Zusammenhang wird es auch für Luckau eine Lösung geben“ , so Pressesprecherin Dorothee Stacke.

Hintergrund Justizvollzugsanstalt
 Die Justizvollzugsanstalt in Luckau hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Haus wurde 1291 als Dominikanerkloster eingeweiht und im Jahr 1547 Eigentum der Stadt. Ab 1747 war es Zucht- und Armenhaus und von 1776 bis 1817 Waisenhaus. Danach war es Lehrerseminar und Irrenanstalt. Im Jahr 1872 übernahm der Staat die Einrichtung als Frauengefängnis. Von 1933 bis 1945 war es dem Kammergericht unterstellt.
Nach 1945 diente das Haus als Straf- und Haftanstalt und ist seit 1991 Justizvollzugsanstalt. Seit Januar 2003 gibt es hier den einzigen offenen Vollzug im Land Brandenburg für Frauen.