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Mobiler Bürgerservice
Ein rollendes Büro für Heideblick

In dem  Bürgerkoffer von Sarah Jakobza stecken alle notwendigen Utensilien: Laptop, Scanner, Drucker, Unterschriftenpad und Kartenlesegerät.
In dem Bürgerkoffer von Sarah Jakobza stecken alle notwendigen Utensilien: Laptop, Scanner, Drucker, Unterschriftenpad und Kartenlesegerät. FOTO: Anja Brautschek / LR
Langengrassau. Der mobile Bürgerservice wird gut angenommen. Das Angebot soll nun ausgeweitet werden. Von Anja Brautschek

Er ist groß, schwer und steckt voller Technik: der mobile Bürgerkoffer der Gemeinde Heideblick. Laptop, Drucker, Scanner, Unterschriftenpad und sogar ein Lesegerät für EC-Karten sind darin enthalten. Was sonst eine Fahrt in den Verwaltungssitz in Langengrassau kostet, kann mit dem mobilen Meldebüro auch in Walddrehna erledigt werden. Seit gut einem Jahr wird der Service von der Gemeinde angeboten.

Das Angebot kommt gut an. „Der Service wird nicht nur von älteren Einwohnern genutzt. Auch die arbeitende Bevölkerung nutzt die Zusatzsprechstunde am Abend“, erklärt Verwaltungsmitarbeiterin Sarah Jakobza. Einmal im Monat packt sie den Koffer ein und bezieht für eine Stunde ein Mieterbüro in der Walddrehnaer Pilzheide.

Dort können Einwohner fast alle Dienstleistungen der Meldebehörde in Anspruch nehmen. Es können unter anderem Reisepässe und Personalausweise beantragt, Formulare ausgegeben oder Ummeldungen durchgeführt werden. Nach Absprache können Dokumente wie Ausweise auch wieder im mobilen Bürgerbüro abgeholt werden. „In diesem Jahr waren besonders Anträge zur Briefwahl gefragt. Auch die Unterschriften zum Volksbegehren liegen aus“, erklärt Sarah Jakobza. Herausforderung ist dabei vor allem die Einhaltung der hohen Sicherheitsbestimmungen.

Doch bislang konnte der Service aus logistischen Gründen nur in Walddrehna angeboten werden. Es müssen mindestens zwei Räume vorhanden sein – ein Sprechbereich und ein Wartezimmer. Und es muss eine stabile Internetverbindung geben. Die Voraussetzung in allen Ortsteilen zu finden, ist nicht leicht. „Wir haben gemerkt, dass auch Anwohner der benachbarten Orte die Sprechstunde nutzen. Deswegen wollen wir das Angebot ausweiten“, sagt Sarah Jakobza. Ziel sei es, die gesamte Gemeinde Heideblick abzudecken.

Dazu will die Gemeinde ein spezielles Fahrzeug anschaffen. Das Auto soll mit einer LTE-Internetverbindung sowie einem Tisch und Stuhl ausgerüstet werden und dient als fahrbares Bürgerbüro. So ist die Verwaltung unabhängig von örtlichen Voraussetzungen. Eine Zusage für Fördermittel des Förderprogramms „ILE Leader“ gebe es bereits. Schon im kommenden Jahr soll das Vorhaben umgesetzt werden. Dann können neben Walddrehna auch andere Ortsteile angefahren werden. Damit wächst die Bürgernähe der Verwaltung. „Wir sind nicht nur eine mobile Meldebehörde, sondern auch ein Ansprechpartner der Verwaltung“, sagt Sarah Jakobza. Bei Fragen aus anderen Fachbereichen kann sie ebenfalls die richtigen Ansprechpartner vermitteln.

Der mobile Bürgerservice wurde in Heideblick eingerichtet, da die Gemeinde wie viele andere mit einer Überalterung der Bevölkerung konfrontiert wird. Der Service trägt dazu bei, dass ältere Senioren mobil und unabhängig bleiben. In Brandenburg wird dieser Service in insgesamt acht Städten und Gemeinden angeboten. Heideblick zog als kleinste Gemeinde mit. Dafür wurde die Verwaltung kürzlich vom Land Brandenburg als „Demografie-Beispiel des Monats“ ausgezeichnet. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärt: „Die Heideblicker machen vor, was in Zeiten des demografischen Wandels notwendig ist: Nicht nur rein ins Netz, sondern auch ran an die Bürger. Die Botschaft dahinter ist klar: Gegen Ängste vor einem Abgehängtsein helfen nur konkrete Taten und Verbesserungen.“