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| 11:51 Uhr

Helfer mit Herz
Der Kitafahrer von Luckau

 Nach einem spannenden Tag im Kindergarten des Ortsteils Uckro  bringt Ehrenamtller Walter Exner die Steppkes wieder sicher nach Hause.
Nach einem spannenden Tag im Kindergarten des Ortsteils Uckro  bringt Ehrenamtller Walter Exner die Steppkes wieder sicher nach Hause. FOTO: LR / Carmen Berg
Walter Exner vom Verein „Mensch Luckau“ steuert nicht nur ehrenamtlich einen Kleinbus, er ist auch Brückenbauer zu Flüchtlingsfamilien.

Nachmittags auf dem Parkplatz am Luckauer Schwimmbad. Walter Exner hilft Zarah aus dem Kleinbus. Die Fünfjährige wird von ihrer Mutter Masuma Narzari schon erwartet. Das Flüchtlingsmädchen aus Afghanistan, das mit seiner Familie am Mühlberg wohnt, besucht die Gießmannsdorfer Kita „Waldwichtel“, was ohne Auto nicht möglich wäre. Seit drei Jahren bringt Walter Exner vom Verein „Mensch Luckau“ ehrenamtlich Kinder von Geflüchteten sowie aus bedürftigen Luckauer Familien morgens in die Dorfkitas und holt sie nachmittags wieder ab. „Ich bin sehr dankbar dafür“, sagt Zarahs Mutter.

Der Fahrer drückt dem Mädchen noch schnell einen Beutel mit weihnachtlichen Leckereien in die Hand, den er für jeden seiner kleinen Fahrgäste selbst gekauft hat. Dann muss er weiter zum „Spatzennest“ nach Uckro. Dort warten schon die nächsten Steppkes.

Zwei Transporter bekommt die Stadt vom Unternehmen Lausitzer Klärtechnik und vom Windparkentwickler UKA kostenlos zur Verfügung gestellt. „Das ist eine tolle Sache“, sagt Walter Exner. Neben den Kita-Fahrten würden die Kleinbusse rege von örtlichen Vereinen, von Senioren- oder Kulturgruppen genutzt, erzählt er.

In Uckro haben Mata, Adam und die anderen kleinen Passagiere für ihren Fahrer ein Bild gemalt. Ein lustiges Rentier wünscht darauf „Frohe Weihnachten“. Walter Exner hilft den Kindern geübt in die warmen Jacken. Kita-Leiterin Simone Sawall gibt ihm für Adams Eltern Sachen des Jungen mit nach Hause. Sind beispielsweise Elternversammlungen angesetzt, ist ein Fest geplant, oder es gibt ein Problem, dann leitet der Ehrenamtler auch Nachrichten der Kita auf schnellem Wege an die Eltern weiter. „Die Leute vertrauen ihm, er ist unsere Brücke, ohne die die Integration nicht so gut funktionieren würde“, erklärt die Kita-Leiterin. Denn viele Mütter und Väter sprechen noch nicht so gut Deutsch. Walter Exner aber kennt die Familien. Er weiß, wo er ältere Geschwister antrifft, die übersetzen können.

Manche von ihnen wie Adams Schwester Rahaf oder Lamar, die Schwester des kleinen Anas, gehen schon zur Schule und haben früher selbst in seinem Kita-Bus gesessen. Als sie an diesem Nachmittag ihre Geschwister bei der Rückkehr in Luckau in Empfang nehmen, fällt die Begrüßung mit dem Fahrer freudig aus. „Exner“ nennen ihn die jungen Syrer und Afghanen, weil der Vorname „Walter“ ihnen schwer über die Lippen geht. Exner sei sehr, sehr lieb, sagt Lamar. Die quirlige Mata gibt zu, dass es manchmal im Bus ganz schön laut wird. Der Steuermann aber behält die Ruhe und hat ein einfaches Rezept. Er legt eine CD mit Liedern ein, die die Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten kennen. Gleich wird es still. Und bald singen die Fahrgäste mit.

Sich kümmern, das sei sein Ding, sagt Walter Exner. Früher im Berufsleben sei er Betriebsrat gewesen, als Rentner ist er ehrenamtlicher Rüdingsdorfer Ortsvorsteher. Aber erst durch den Fahrdienst beim Verein „Mensch Luckau“ habe er gemerkt, wie viel Freude ihm die Arbeit mit Kindern macht. Morgens um sechs Uhr aufstehen, um die Steppkes pünktlich abzuholen - kein Problem. Den Fahrdienst teilt er sich im Wochenwechsel mit einer Kollegin. Wenn er nicht dran sei, „dann fehlt mir was“, gesteht der 69-Jährige.

Oft werde er von Familien eingeladen an einen reich gedeckten Tisch. „Ich kann das gar nicht alles annehmen“, sagt Walter Exner. So erfahre er auch von den Schicksalen, von gefährlichen Fluchten auf kleinen Booten übers Meer, von katastrophalen Zuständen in Lagern in Griechenland oder Italien. „Vieles habe ich vorher nicht gewusst“, so der Rüdingsdorfer. Ein Erlebnis ist im besonders im Gedächtnis geblieben. Ein deutsches Kind hatte in die Uckroer Kita einen Spielzeugpanzer mitgebracht. „Die Kinder aus Syrien und Afghanistan sind bei dem Anblick völlig panisch geworden“, erinnert er sich.

Die Begegnung mit Geflüchteten habe seine eigene Sichtweise verändert. „Ich sehe die Dinge gelassener. Denn oft sind es doch Kleinigkeiten, über die wir uns aufregen.“ Auch versuche er den Menschen zu vermitteln, nicht so viele Vorurteile aufzubauen. „Besser ist es doch, erstmal den Kontakt zu suchen und sich selbst ein Bild zu machen“, sagt Walter Exner.