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Der gute Geist des Schlossbergs

Jutta Dzielak (Mitte) hatte auch historisches Bildmaterial dabei. Sie führte die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour gestern durch das Objekt des "Schlossbergs" in Luckau.
Jutta Dzielak (Mitte) hatte auch historisches Bildmaterial dabei. Sie führte die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour gestern durch das Objekt des "Schlossbergs" in Luckau. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Der Schlossberg hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Jutta Dzielak hat sich damit beschäftigt. Andreas Staindl / asd

Gestern führte sie die 25 Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour durch das Objekt. Die 69-Jährige ist quasi mit dem Schlossberg aufgewachsen. Jutta Dzielak hat gekellnert, Veranstaltungen organisiert, viele Feiern und Feste miterlebt. Sie hält als Schlossberg-Beauftragte des Betreibers dem Gebäude bis heute die Treue.

Die Tanz-und Musikschule Luckau e.V. "Studio 77" betreibt das Objekt. Jutta Dzielak ist so etwas wie der gute Geist. "Mein Herz hängt an diesem Haus." Sie ließ die Teilnehmer in die Historie eintauchen. Schon im 10.Jahrhundert wurde eine Burganlage zur Verteidigung errichtet. Als der Luckauer Hans Passerin das Haus Ende des 14. Jahrhunderts als Wohnsitz nutzte, änderte sich die Bezeichnung von der Burg zum Schloss. In den Folgejahrhunderten wurde das Gebäude mehrmals umgebaut, einige Mal auch komplett neu errichtet, weil es abgebrannt war. Das heutige Objekt stammt von 1876. Der Sohn der Brauereifamilie Rentsch ließ es errichten.

Von 1945 bis 1979 war der "Schlossberg" Traditionsgasthaus. Es wurde privat von der Familie Lobedan betrieben. "Die Familie war eine Institution in Luckau", sagt Jutta Dzielak, "und Hans Lobedan ein engagierter Feuerwehrmann. Wenn die Sirene erklang, gab es kein Halten: Bierhahn zu, rüber über die Theke, rauf aufs Fahrrad und ab zur Feuerwache." Jutta Dzielaks Anekdoten machen die Führung zu einem besonderen Erlebnis.

Der Rundgang begann im Rosengarten. Der Garten wurde zur Landesgartenschau im Jahre 2000 angelegt. "Wir sind sehr froh darüber, denn vorher war hier Wildnis", sagt die 69-Jährige. Weil es dort auch einen Spielplatz gibt, wird dieser Bereich gern von jungen Familien besucht. Jutta Dzielak führte die Gäste auch in die alten Kellergewölbe, die heute von Vereinen genutzt werden. Dort riecht es etwas modrig, und größere Menschen müssen gebückt gehen. Das regt die Fantasie an. Wo führten die Gänge einmal hin? Stimmt es, dass es eine Verbindung bis nach Gießmannsdorf gab? Jutta Dzielak lässt die Antwort offen. Sicher ist, dass der "Schlossberg" in jüngerer Vergangenheit "schwer zu bewirtschaften ist. Viele Gastwirte haben sich die Zähne ausgebissen."

Geht es nach ihr, bleibt das Objekt als Veranstaltungshaus und Ausflugslokal erhalten. "Ich wünsche mir, dass die Vernunft siegt. Das Haus gehört zu Luckau, und so soll es auch bleiben." Eine Entscheidung über die künftige Nutzung wird wohl erst nach der Sanierung fallen. Im nächsten Frühjahr soll die Heizungsanlage saniert werden. Derzeit engagieren sich das "Studio 77" und der Eventmanager Ingo Wolff im Objekt. "Hier finden Neujahrskonzerte und Tagungen statt, präsentieren sich Musikschulen, wird Karneval gefeiert und vieles mehr", erzählt Jutta Dzielak. "Zunehmend werden auch Firmen-und Familienfeiern durchgeführt." Für diejenigen, die eine Übernachtung benötigen, stehen in der oberen Etage Räume zur Verfügung. Diesen, ehemals als Wohnung genutzten Bereich, durften die Gäste besichtigen, den Saal im Erdgeschoss ohnehin. Empore und Treppe im Saal sind noch original, Anderes wurde im laufe der Zeit verändert. Jutta Dzielak wünscht sich, dass das Haus wieder die einstige Bedeutung erlangt. "Der Schlossberg hat Beachtung verdient." Dass man im Lokal lecker speisen kann, erfuhren die Teilnehmer der Sommertour gestern. Cornelia Reich, auch Vereinschefin des "Studio 77", hatte Plinse in der Küche gebacken, dazu einen Kaffee serviert. Auch so kann man Liebe zu einem der bekanntesten Bauwerke in der Berstestadt wecken.