Von Carmen Berg und
Anja Brautschek

Mehr Gerechtigkeit bei der Abwasser-Grundgebühr. Das war eine Forderung aus den Kommunen, auf die die Verbandsversammlung des Luckauer Trink- und Abwasserzweckverbandes (TAZV) bei ihrer Sitzung am Mittwochabend Antwort geben soll. Zum Beschluss steht die Änderung des Berechnungsmaßstabes von Zählern auf Wohneinheiten. Ob es dazu kommt, bleibt spannend.

Die Diskussionen in den Gemeindeparlamenten vorab verlief zweigeteilt. Den Spagat brachte Thomas März (Dahme-Umland) bei der Stadtverordnetenversammlung in Dahme am Montag so auf den Punkt: „Mit der Umstellung auf Wohneinheiten wird es neue Ungerechtigkeiten geben. Deshalb sollten wir überlegen, wie es noch besser geht.“ Bei der Stadtverordnetenversammlung in Luckau beklagte Hans Lamich (Die Linke) unlängst: „Der Beschlussvorschlag steht in keinem Verhältnis zu dem, was wir uns gedacht haben.“

Im Luckauer Parlament hatten die Befürworter der Umstellung bei zwei Gegenstimmen die Mehrheit. In Dahme lehnten elf von 13 Stadtverordneten das Vorhaben bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung ab. Ablehnung kommt auch aus Heideblick, wo jeweils fünf Gemeindevertreter mit Ja und mit Nein votierten bei zwei Enthaltungen.

Bei der derzeit gültigen Berechnung der Grundgebühr nach Zählern schlagen fürs Trinkwasser 11,86 Euro und fürs Abwasser 20 Euro monatlich zubuche. Eine Seniorin, die allein in einem Einfamilienhaus lebt, bezahlt knapp 400 Euro im Jahr und damit dasselbe wie ein ganzer Wohnblock. Laut TAZV machen Eigenheimbesitzer 80 Prozent der Verbandskunden aus. Sie sollen entlastet werden, während Mehrfamlienhäuser stärker belastet würden.

„Das Bemühen um mehr Gerechtigkeit ist grundsätzlich positiv“, sagt Thomas März in Dahme. Warum dann aber die Bedenken? Ein Knackpunkt: Bezahlt werden soll auch für Leerstand. Das trifft Vermieter in Blöcken ebenso wie Besitzer von Bauernhäusern. „Die Rechnung des Verbandes mit 80 Prozent Einfamilienhäusern ist wohl eine Halbwahrheit“, glaubt Thomas Kuhl (SPD) aus Dahme. „Auf dem Dorf leben Jung und Alt oft unter einem Dach.“ Thomas März fügt an: „Wenn die Eltern eines Tages nicht mehr sind, lassen sich die Wohnungen nicht ohne Weiteres fremdvermieten.“

 Kritisch sieht der Ortsvorsteher von Wahlsdorf, einem Dahmer Ortsteil an der Fläming-Skate, außerdem die Berechnung von Ferienwohnungen: „Wir tun alles, um den Tourismus anzukurbeln. Dafür ist das das falsche Signal.“

Kleines Gewerbe werde doppelt belastet, bemängelt Thomas Seide (CDU) in Heideblick. Als Beispiel nennt er den Handwerksmeister, der seinen Betrieb auf dem Grundstück hat. „Er müsste künftig fürs Gewerbe nach Zähler und außerdem für die Wohnung zahlen.“ René Lehmann (AWGH) aus Heideblick: „Damit machen wir nichts Gutes.“

Als „fatal“ bezeichnet die Dahmer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft die Anrechnung von Leerstand, der derzeit bei 24 Prozent liegt, darunter unsanierter und nicht mehr vermietbarer Altbau. Wurden bislang bei einem Zehn-WE-Block mit vier leeren Wohnungen 156,40 Euro fällig, so steigen diese Kosten der Gesellschaft zufolge um 855 Prozent auf 1338 Euro.

Die Leerstandsregelung nachzubessern, fordert der Dahmer Ortsvorsteher Jürgen Reder (SPD). Frank Donath (Die Linke) sagt: Es sei schwierig, eine Entscheidung zu treffen, „solange keine Rechnung auf dem Tisch liegt, was das neue Modell für den Einzelnen tatsächlich bedeutet.“ So würde bei Mehreinnahmen aus der Grundgebühr die Verbrauchsgebühr sinken, weil der Gesamt-Topf für beides sich nicht erhöht. Die weitere Kalkulation durch den Verband soll erst erfolgen, wenn die Verbandsversammlung die Umstellung auf Wohneinheiten abgesegnet hat.