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| 01:04 Uhr

Das Taschengeld geteilt mit Menschen in Not

Luckau/Dahme.. Vor Einkaufsmärkten in Luckau und Dahme war am Sonnabendvormittag das Deutsche Rote Kreuz unterwegs, um für die Opfer des Seebebens in Süd- und Südostasien zu sammeln. Prominente aus der regionalen Politik unterstützten die Aktion, die zeitgleich bundesweit stattfand. Von Carmen Berg

In Dahme sind etwa 15 junge Leute von der DRK-Wasserwachtgruppe vor dem Minimal-Markt und dem Plus-Markt im Einsatz. „Jeder, den wir angesprochen haben, sagte sofort zu, obwohl der Termin sehr kurzfristig kam“ , freut sich die Ortsvereinsvorsitzende Nancy Saakel. Selbst Ehemalige sind da wie Marcus Bluhm, der derzeit in Dresden promoviert. Lukas Lehmann und Andreas Petersen, beide 18, sind in keinem Verein organisiert. „Wir finden es wichtig, uns zu engagieren, wenn es um Not in der Welt geht“ , erklären sie ihre Unterstützung für die DRK-Aktion. „Wenn bei uns etwas passiert, hoffen wir schließlich auch auf Hilfe“ , meint Lukas.
Wasserwacht-Chef Dieter Krakowitzky erinnert sich noch gut an die Woge der Solidarität bei der Elbe-Flut vor zwei Jahren. Die Dahmenser übernahmen damals bei Mühlberg Versorgungsaufgaben für andere Einsatzkräfte. Auch diesmal, weiß Nancy Saakel, erklärten sich Mitglieder aus dem Ortsverein sofort bereit, ins Katastrophengebiet zu gehen. „Doch es werden dort Spezialisten mit internationalen Erfahrungen gebraucht. Deshalb tun wir zuhause, was wir können.“
Mehr als 30 Kameraden aus den Freiwilligen Feuerwehren des Amtsbereiches hätten ebenfalls ihre grundsätzliche Bereitschaft zugesagt, Vor-Ort-Hilfe zu leisten, ergänzt Dahmes Amtsdirektor Frank Pätzig, der mit Bürgermeister Thomas Willweber und der CDU-Landtagsabgeordneten Carola Hartfelder am Sonnabend in Dahme dem DRK zur Seite steht. „Eine Naturkatastrophe solchen Ausmaßes macht jeden betroffen“ , ist er sich mit allen anderen an diesem Vormittag einig. „Ich wünsche mir aber, dass über diese Aktivitäten all das andere Leid in der Welt nicht vergessen wird und nicht die Menschen bei uns, die Hilfe brauchen“ , sieht Carola Hartfelder eine Gefahr. Sie spricht damit beispielsweise Spendern wie Norbert Kalka aus der Seele, der seit mehr als zehn Jahren zwei Patenkinder in Bangladesch und Äthiopien hat. Das „Patenkind“ aus Äthiopien beginne jetzt eine Tischlerausbildung. Nach dem Lindern der größten Not müsse es auch in Südasien um Hilfe zur Selbsthilfe gehen, findet Kalka.

Viele sehr junge Leute spenden
Auffallend viele ganz junge Leute stecken ihre Euros in die Sammelbüchsen der DRK-ler. Nancy Saakel ist nicht überrascht. „Am Freitagabend, als wir bei der Ausbildung der Wasserwachtler über die Flut gesprochen haben, zeigte sich, wie interessiert gerade unsere ganz jungen Mitglieder an den sozialen Dingen in der Welt und an Umweltfragen sind“ , erzählt sie.
Die Erfahrungen aus Dahme werden in Luckau geteilt, wo Mitglieder des DRK-Ortsverbandes und der DRK-Sozialstation Luckau/Lübben vor dem Edeka-Markt mit Spendenbüchsen stehen. „Wir freuen uns über die sehr gute Resonanz“ , sagt Marina Breszgott, die Leiterin der Sozialstation. Auch hier haben „viele Jugendliche, junge Familien mit Kindern und überhaupt viele Mitbürger, die selbst finanziell nicht so gut gestellt sind“ , die Sammlung unterstützt. Carl-Heinz Klinkmüller, Wirtschaftsdezernent des Landkreises Dahme-Spreewald, zeigt sich sichtlich beeindruckt von der Studentin, die 35 Euro in die Büchse tut oder von dem Kind, das fünf Euro von seinem Taschengeld gibt. „Ich bin heute dabei, weil ich denke, dass das Spendengeld beim Deutschen Roten Kreuz in guten Händen ist“ , so Klinkmüller.
Für Carola Wildau vom DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald verbinden sich mit der Flut konkrete Bilder und Gesichter. Erst im Sommer machte sie mit der Familie Urlaub in Phuket. Dort, wo jetzt alles zerstört ist. „Wir haben sofort eine größere Summe gespendet und über das Internet Kontakt aufgenommen zu den thailändischen Freunden in der Tauchstation, in der wir waren“ , erzählt sie. Sie hätten überlebt, aber von einer Außenstelle gebe es bis jetzt noch keine Nachricht. Die Thailänder seien so warmherzige Menschen, weiß Carola Wildau. „Sie haben den Touristen geholfen, auch wenn sie selbst alles verloren hatten.“ Familie Wildau will auf jeden Fall wieder Urlaub in Thailand machen. „Es ist ein wunderbares Land, und die Menschen dort sind auf den Tourismus angewiesen.“

Noch mehr als zwei Jahre Hilfe
Nach der Ersthilfe werde nach Einschätzung des DRK noch für mehr als zwei Jahre Aufbauhilfe nötig sein, glaubt Harald-Albert Swik, Kreisvorsitzender des DRK Fläming-Spreewald. Es mache wenig Sinn, für „drei Monate den Reis zu sichern und dann die Menschen allein zu lassen“ . Die Spendengelder würden sowohl für die Ersthilfe wie für die weitere Aufbauhilfe in konkreten Projekten eingesetzt. Deshalb zähle nach wie vor jeder Euro, sagt er und zeigt sich tief berührt von der ungebrochenen Spendenbereitschaft. In Luckau kamen in den drei Vormittagsstunden 759,62 Euro und in Dahme knapp 1000 Euro zusammen. Insgesamt sammelte der Kreisverband Fläming-Spreewald an 16 Standorten rund 25 500 Euro.