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| 02:32 Uhr

"Das Pfeifen macht mir großen Spaß"

Wilhelm Tarnow pfeift mit 16 Jahren in der Landesklasse.
Wilhelm Tarnow pfeift mit 16 Jahren in der Landesklasse. FOTO: lrs1
Lübben. Wilhelm Tarnow ist mit 16 Jahren einer der jüngsten Schiedsrichter Brandenburgs. Seit der Rückrunde pfeift er in der Landesklasse. Der Lübbener geht in die elfte Klasse und arbeitet an seinem Abitur. Seine Schiedsrichter-Laufbahn begann er beim FSV Kaden/Duben. lrs1

Mittlerweile pfeift Wilhelm Tarnow für Grün-Weiß Lübben, dem Klub, bei dem er seit seinem sechsten Lebensjahr Fußball spielt. Bei den B-Junioren ist der Schüler in der Landesklasse im defensiven Mittelfeld aktiv, doch sein Hauptaugenmerk liegt inzwischen auf dem Schiedsrichter-Wesen. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Referee über seine Ziele, den Umgang mit den Spielern und dem Fairplay in der Region.

Wilhelm, wann hast Du mit Deiner Schiedsrichter-Laufbahn begonnen?
Ich habe vor anderthalb Jahren, also im Sommer 2012, einen Schiedsrichter-Lehrgang besucht, als es mit der Sportschule in Cottbus nicht geklappt hat. Ab Herbst wurde ich dann regelmäßig eingesetzt, erst als Assistent, dann als Schiedsrichter.

Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Spiel?
Mein erstes Spiel als Schiedsrichter war in der 1. Kreisklasse die Partie zwischen Eintracht Wittmannsdorf und Wudritz Ragow. Es lief nicht optimal, aber insgesamt ganz gut. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass ein Schiedsrichter wesentlich jünger ist als die Spieler.

Seitdem hast Du eine schnelle Entwicklung vollzogen und pfeifst nun schon höherklassig.
Das stimmt. Das war aber nur möglich, weil der Schiedsrichter-Ausschuss des Fußballkreises Spreewald unter Leitung von Stefan Richter großen Wert auf die Förderung junger Referees legt. Es gibt spezielle Lehrgänge für Schiedsrichter bis 25 Jahre. Bei den Beobachtungen habe ich dann gute Bewertungen bekommen und mich so für die Landesklasse qualifiziert. Generell muss ich sagen, dass die spielerische Qualität in höheren Ligen natürlich zunimmt. Dort sind viele Spieler auf der Sportschule gewesen, da steht die Technik im Vordergrund.

Schiedsrichter haben große Verantwortung und sind jede Woche im Einsatz. Bleibt da noch genügend Zeit für Schule, Freunde und Dein Team in der Landesklasse?
Meine Tätigkeit als Schiedsrichter geht inzwischen vor, deshalb habe ich bei den B-Junioren auch mein Kapitänsamt abgegeben. Doch wann immer es meine Zeit erlaubt, versuche ich der Mannschaft zu helfen. Als Schiedsrichter muss ich an den Wochenenden immer einsatzbereit sein, denn unsere Ansetzungen erhalten wir erst etwa sieben Tage vor den Spielen. Aber Schiedsrichter zu sein ist für mich ja kein Stress. Im Gegenteil. Das Pfeifen macht mir großen Spaß, auch wenn nicht jedes Spiel gleich gut verläuft. Kritik und Lob gehören zum Schiedsrichter-Wesen dazu. Nach dem Spiel sind Meinungsverschiedenheiten aber häufig vergessen. Die wenige Freizeit, die mir bleibt, verbringe ich meistens mit meiner Freundin, die auch Schiedsrichterin ist.

Was sind Deine Ziele als Schiedsrichter?Die Bundesliga?
So hoch wie möglich zu pfeifen. Eine konkrete Liga ist mir dabei nicht wichtig.

Die Anforderungen für die Schiedsrichter sind sehr hoch. Wie hältst Du Dich fit?
Ich trainiere regelmäßig bei der ersten und zweiten Mannschaft von Grün-Weiß Lübben mit. Dadurch kann ich als Schiedsrichter mit den Spielern physisch gut mitzuhalten. Damit die Regeln 100-prozentig sitzen, nehme ich regelmäßig an Lehrgängen teil und bilde mich selbst weiter.

Schiedsrichter zu sein, ist sicher nicht immer leicht. Hattest Du schon einmal Angst auf dem Fußballplatz?
Im Großen und Ganzen verhalten sich Spieler und Zuschauer anständig. Aber bei den Hallenkreismeisterschaften in Lübben gab es eine Ausnahme. In der Vorrunde beim Spiel zwischen Blau-Weiß Kreblitz und SV Calau wollte ein Kreblitzer Ordner auf mich losgehen, als ich gegen einen Spieler seiner Mannschaft eine Zweiminutenstrafe ausgesprochen hatte. Der Verein hat sich anschließend zwar bei mir für das Verhalten entschuldigt, vergessen werde ich diese Situation aber sicher nicht so schnell.

Gibt es ein Fairness-Problem in der Region?
Das müssen andere beurteilen, aber ich glaube, dass viele Probleme von den Zuschauern ausgehen. Spieler lassen sich dann von der negativen Stimmung anstecken. Doch zum Glück gibt es auch immer wieder positive Erlebnisse. Ich erinnere mich zum Beispiel gern an das Kreisliga-Spiel zwischen Lok Calau und Wacker Schönwalde. Da hatten mich anschließend Spieler beider Mannschaften gelobt, auch der Verlierer Schönwalde. Eine sehr faire Mannschaft ist übrigens das Kreisliga-Team der SG Gießmannsdorf. Die Spieler sind immer ruhig und kontrolliert, auch bei kniffligen Entscheidungen. Da macht das Pfeifen einfach Spaß.

Es gibt arrogante und kumpelhafte Schiedsrichter. Zu welchem Typ zählst du Dich?
Ich glaube, eine Mischung aus freundlichem Miteinander und Distanz. Dabei lege ich großen Wert auf klare Entscheidungen. Ich will als Schiedsrichter aber nicht im Mittelpunkt stehen, sondern nur darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Für mich ist es sicher hilfreich, dass ich selbst Fußball spiele, weil ich die Spieler in vielen Situationen gut verstehen kann, zum Beispiel wenn sie sich ärgern. Wenn Spieler aggressiv und angespannt sind, versuche ich ruhig zu bleiben und auch mal ein Auge zuzudrücken. Aber die Reaktionen dürfen nie beleidigend sein.

Und wie verhältst Du Dich als Spieler?
Ich versuche als Spieler immer ruhig zu bleiben, auch wenn der Schiedsrichter vielleicht einmal einen schlechten Tag erwischt hat.

Welche Ziele verfolgst Du neben dem sportlichen Bereich?
Zunächst einmal möchte ich mein Abitur erfolgreich abschließen. Danach würde ich gern Lehramt für Sport und Geschichte studieren.

Mit Wilhelm Tarnow

sprach Lars Hartfelder